Interview (Archivversion) »Billig und schmerzfrei am Limit“

MOTORRAD sprach mit 125er GP-Pilot Manfred »Tex« Geissler über seinen raschen Aufstieg, seine Pläne und über Dirt-Track.

? Deine Freunde nennen dich Tex. Woher kommt der Name? Ich habe ihn von meinem Vater geerbt, den nennen auch alle Tex. Als Kind war ich somit der kleine Tex. Inzwischen bin ich aber größer als er.? Wie bist du zum Motorradrennsport gekommen? Bei uns im Chiemgau gibt es eine Menge Rennfahrer, denen habe ich manchmal als Mechaniker geholfen. Bei Testfahrten in Rijeka durfte ich dann mal die 125er von Armin Fischer probieren. An diesem Tag hat mich der Rennvirus gepackt. Noch im gleichen Jahr fuhr ich mein erstes Rennen, oder besser gesagt beinahe, denn im Training stürzte ich. Ergebnis: schwere Gehirnerschütterung, ein gebrochener Arm, aber immerhin viertbeste Trainingszeit.? Drei Jahre später, 1993, bist du deutscher Meister bei den 125ern geworden und hast sogar schon einige WM-Läufe bestritten. Du warst ziemlich schnell an der Spitze? 1992, in meiner ersten DM-Saison, hatte ich eine Menge Defekte, deshalb reichte es nur zum zwölften Gesamtrang. Der Durchbruch kam eigentlich erst 1993, als mich Harald Eckl in sein Aprilia-Team holte. Als Ersatzmann für Peter Öttl und Maik Stief durfte ich sogar ein paar Grand Prix fahren, in Laguna Seca schaffte ich den zehnten Platz.? 1994 bist du die erste komplette GP-Saison gefahren und lagst ziemlich oft auf der Nase. Stimmt. Ich war auf einem Production-Racer, Baujahr 1993, unterwegs und habe versucht, die fehlende Leistung mit Einsatz zu kompensieren. Das endete öfters im Kies.? Im vergangenen Jahr lief es schon besser, immerhin gab`s den 15.Gesamtrang. Zwei siebte Plätze, unter anderem auf dem Nürburgring, waren deine besten Resultate. Kommt 1996 der endgültige Durchbruch? Ich hoffe. Ich möchte auf jeden Fall regelmäßig unter die ersten Zehn fahren und einige Topresultate liefern. 1996 bekomme ich Aprilia-Werksmaterial wie Peter Öttl, mein Team und besonders die Mechaniker leisten perfekte Arbeit, die Voraussetzungen sind also optimal. Irgendwann möchte ich dann in die 250er Klasse aufsteigen, doch das hat noch ein paar Jahre Zeit.? Du bist Profi. Kann man als GP-15. vom Rennsport leben? Sagen wir es so, 1994 habe ich überlebt. Die vergangene Saison war in Ordnung, weil ich gute Prämienverträge mit meinen Sponsoren hatte. Doch momentan ist für mich Erfolg wichtiger als Geld, wenn der kommt, dann kommt das Geld von selbst.? Du wohnst also noch nicht in Monaco, um Steuern zu sparen? Nein, in Altenmarkt. Dort helfe ich meinen Eltern im Gasthaus, wenn ich Zeit habe.? Wie bereitest du dich auf die Saison vor, wenn du nicht gerade mit MOTORRAD einen Dirt-Track-Kurs machst? Waldlauf oder Mountain Bike fahren gehören zum täglichen Konditionsprogramm. Außerdem spiele ich Eishockey und Squash.? Glaubst du, daß dir das Training auf der Ranch von Kenny Roberts etwas gebracht hat? Grundsätzlich ist Motorradfahren immer das beste Training. Bei den 125ern ist zwar das Driften, wie wir es jetzt drei Tage lang geübt haben, nicht so entscheidend wie in der 500er Klasse. Aber mit der kleinen 100-Kubikzentimeter-Maschine kannst du viel billiger und vor allem schmerzfreier als mit einer richtigen Straßenmaschine am Limit fahren. Dabei wird die Konzentration und das Balancegefühl enorm trainiert. Auch die Theorie-Stunden waren sehr aufschlußreich, insgesamt war es also eine tolle Sache für mich.? Das klingt sehr begeistert, fährst du wieder hin? Ja, ich habe auch mit Neil Hodgson schon darüber gesprochen, wir beide möchten diesen Winter auf jeden Fall noch mal auf die Ranch. Zu Hause werde ich aber erstmal meinen Crosser aus dem Schuppen holen und auf einem Feld ein wenig trainieren, damit ich besser mit den Schnellen mithalten kann.

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