Interview Bernd Eckenbach (Archivversion) Interview

Spätestens mit dem Werksvertrag von Husqvarna und seinem GP-Sieg in Österreich gehört Bernd Eckenbach zu den Großen im Cross-Geschäft.

? Sie haben in Schwanenstadt beim österreichischen WM-Lauf ihren ersten Grand Prix-Sieg errungen. Wie verarbeitet man den größten Triumph seiner Karriere?Das kann man gar nicht so richtig in Worte fassen. Es kamen so viele Menschen, die mir gratulierten, auf die Schulter klopften und sich freuten, daß ich kaum zum Nachdenken kam. Erst auf der Heimfahrt kam die eigentliche Freude auf. Doch eher eine stille Freude. Ich redete nicht viel und genoß diese Situation einfach. Es war ein tolles Gefühl.? Danach brachen Sie sich in Schweden eine Rippe. Inzwischen ist die Verletzung weitgehend verheilt. Sehen wir Sie in dieser Saison nochmal ganz oben?Ich wüßte nicht, was dagegen sprechen sollte. Ich schrammte schon vorher in der Schweiz nur durch die Kollission mit Joel Smets am Gesamtsieg vorbei.Also warum nicht?? Dafür ist Ihnen offensichtlich der Umstieg von der Zweitakt-Kawasaki auf die Viertakt-Husky gut gelungen.Mag sein, aber ich weiß, daß es besser geht. Beim Anbremsen im tiefen Boden irritiert mich noch immer die enorme Bremswirkung des Viertaktmotors. Außerdem lasse ich das Motorrad in den Kurven zuwenig rollen. Das heißt, ich bremse zu weit in die Kurven rein und benutze beim Beschleunigen zu oft die Kupplung. Mein Teamchef Jacky Martens verbrauchte als GP-Pilot in der letzten Saison insgesamt drei Satz Kupplungsbeläge. Meine sind jeden Sonntag abend hinüber.?Zur Zeit läuft die Fußball-WM. Die Medien berichten Tag und Nacht darüber, die Spieler verdienen Millionengehälter. Ihre Popularität und Ihr Verdienst sind dagegen lächerlich. Macht das nicht bitter?Nein, ich habe mich für Moto Cross entschieden. Der Sport macht mir soviel Spaß wie am ersten Tag und das macht mich zufrieden. Außerdem habe ich als Kind auch schon Fußball gespielt und ich muß zugeben, ich war eine absolute Null.?Fühlen Sie sich nicht dennoch unterbezahlt?Das kommt auf meine Leistung an. Mein Festgehalt ist niedriger als das meines Mechanikers. Wenn ich aber gute Resultate erreiche, lebe ich nicht schlecht davon.?Die 250er WM wird derzeit von der italienischen Firma Action Group intensiv betreut und vermarktet. Die meisten Läufe werden auf Eurosport live übertragen. Tritt die 500er WM - und damit ihre jüngsten Erfolge - dadurch nicht in den Hintergrund?Was Action Group geschafft ist, ist zu begrüßen. Sie versuchen den Weg, den die Formel 1 oder die Straßen-WM gegangen ist, einzuschlagen. Doch Moto Cross ist anders, das Publikum ist anders und deshalb bin ich mir nicht sicher, ob dies die richtige Entscheidung ist. Sportlich fühlen wir 500er Piloten uns nicht diskriminiert. Fahrer, die aus der 250er WM kommen wie Rob Herring oder auch Andrea Bartolini, müssen sich auch bei den 500ern langmachen, um mithalten zu können.? Dennoch wird die 250er Kategorie jetzt als Königsklasse bezeichnet.Die Halbliterklasse bekam den Namen Königsklasse dadurch, weil es eben am schwierigsten ist, eine 500er Maschine am Limit zu bewegen. Das ist noch immer so. Deshalb ist dies für uns als 500er Fahrer nicht schön zu hören. Doch die Medien haben die Macht, Wertigkeiten festzulegen. Das ist eben so.? Davon profitiert auch Pit Beirer. Sein dritter WM-Platz bei den 250ern ist vielumjubelt. Empfinden Sie Neid?Absolut nicht. Ich freue mich über seine Erfolge und kann auch bei seinen Ausfällen oder Stürzen mitfühlen. Wichtig ist, daß es überhaupt ein paar deutsche Fahrer gibt, die Erfolg haben. ?Warum gibt´s denn nur zwei Deutsche, die in der WM mithalten können?Wir haben gute Fahrer in Deutschland, doch die beschäftigen sich mit zuvielen anderen Dingen anstatt zu trainieren. Die Jungs müssen erkennen, daß es nicht reicht, die gefärbten Haare der Stars zu imitieren, aber nicht deren Biß und deren Einstellung, sich völlig in den Sport einzubringen. Auch wenn sich das etwas altklug anhören mag. ? Dennoch, vor Ihren aktuellen Erfolgen hatten Sie über viele Jahre hinweg immer wieder Top-Resultate in der WM. Den endgültigen internationalen Durchbruch scheinen Sie aber erst jetzt geschafft zu haben. Was hätten Sie im Rückblick anders machen sollen?Ich hätte die Ratschläge meines Vaters stärker berücksichtigen sollen. Doch man muß auch eigene Erfahrungen sammeln, auch wenn die negativ sind. Ich hätte auch das Angebot von Yamaha, als Testfahrer nach Japan zu gehen, annehmen sollen. Doch damals war ich 17 und habe davor einfach gekniffen.? Haben Sie sich schon mal überlegt, was Sie getan hätten, wenn Sie nicht Profi-Crosser geworden wären?Das, was alle Schüler tun. Bewerbungen schreiben und irgendeine Lehre machen. Danach hätte ich versucht, mich dort beruflich zu engagieren, wofür ich am meisten Interesse aufbringe.Irgendetwas im sportlichen Bereich. Im Sportmarketing oder als Trainer. ? Sie gelten, wie gesagt, als beinharter Sportsmann. Wenn es den Profi-Crosser Eckenbach nicht gegeben hätte, gäbe es dann den schwäbischen Olympioniken?Eher den schwäbischen Autorallyefahrer oder am wahrscheinlichsten den Mountainbike-Profi aus Hildrizhausen. Die Entscheidung stand vor neun Jahren, als ich mich schwer an der Schulter verletzt hatte und meine Moto Cross-Karriere wirklich auf der Kippe stand, sogar wirklich an.

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