Interview Dieter Junge (Archivversion) «Unter der Regie des DMSB wird im Sport etwas passieren, versprochen“

Ab dem 1. Januar 1998 wird der deutsche Motorsport neu organisiert. Die bisherigen Dachverbände OMK (Motorrad) und ONS (Auto) werden im Deutschen Motorsport Bund (DMSB) zusammengeführt. Dieter Junge vertritt darin die Interessen des Motorradsports.

? Herr Junge, Sie sind als einer der DMSB -Vizepräsidenten künftig für den Motorradsport verantwortlich. Können Sie bitte kurz die Struktur des neuen Verbands umreißen?Der DMSB wird künftig die Vertretung des Motorradsports und des Wagensports als alleinige Instanz in Deutschland wahrnehmen. Dafür bilden hochverantwortliche Funktionäre als Entscheidungsträger in den Fachausschüssen die Basis. Deren Eingaben werden im Exekutivkomitee diskutiert und im Präsidium dann beschlossen.? Dieser hohen Verantwortung wurden aber die wenigsten Funktionäre bislang gerecht. Die Arbeit dieser Personen wird vom Präsidium sehr genau beobachtet. Sollten sie sich als nicht fähig erweisen, können sie jederzeit ihres Amtes enthoben werden. ? Wenn der DMSB schon die Gesamtvertretung des deutschen Motorsports wahrnehmen will, sollte er sich dann nicht auch der vielen Amateur-Verbände annehmen?Der DMSB ist so konzipiert, daß er auch die Serien außerhalb der bisherigen Trägerverbände ausdrücklich in seine Struktur mit einbeziehen will.? Und was bringt es diesen Verbänden, sich dem DMSB anzuschließen?Der DMSB wird vom Deutschen Sportbund, dem DSB, anerkannt. Dadurch kann es möglich sein, an finanzielle Fördermittel heranzukommen. Auch auf politischer Ebene kann sich der DMSB nun als einzige Stimme des Motorsports stark machen, was unter Umständen Erleichterungen bei behördlichen Genehmigungen mit sich bringen wird.? Muß zur Öffnung für Hobbysportler nicht auch das sehr starre Regelwerk der OMK überdacht werden? Lizenzfreie Serien erleben nicht zuletzt durch weniger bürokratische Strukturen derzeit einen Boom.Abgesehen von Sicherheitsaspekten muß das Ziel des DMSB auf Amateurebene natürlich die Vereinfachung des Regelwerks sein. Wir werden sehr intensiv über dieses Thema nachdenken, und ich verspreche Ihnen, da wird etwas passieren.? Themawechsel. Der Streit um die Vermarktungsrechte der Superbike-DM zwischen der Motorrad-Industrie und der OMK schwelt noch immer. Wie wird der DMSB diese Angelegenheit lösen?Die eigentliche Problematik lag darin, daß keine klar geregelten Vertragsverhältnisse bestanden. Rechte und Pflichten waren nirgends festgeschrieben, so daß diese Serie dem Verband zu entgleiten drohte. Daher wird es für 1998 mit externen Vermarktern einer Serie klare schriftliche Abmachungen mit dem DMSB geben. Als Kenner der Automobilszene weiß ich, daß dies dort längst so praktiziert wird und auch funktioniert. Nicht zuletzt dafür wurde die Wirtschaftsdienst GmbH geschaffen. Sie wird künftig Vertragspartner eventueller privater Serienbetreiber sein.? Was soll sich Ihrer Ansicht nach im Motorradsport durch den DMSB kurzfristig ändern?Ein Ziel ist es, der sehr unüberschaubaren Rennszene klarere Konturen zu geben. Der DMSB möchte beispielsweise die Zahl der DM-Prädikate verringern, um die Wertigkeit dieser Titel zu erhöhen. ?Und was machen die Amateure?Unter dieser Spitzensportlern vorbehaltenen DM-Ebene wird es eine Cup-Ebene für ambitionierte Nachwuchsleute geben. In einer dritten Ebene soll der vielfältige Breitensport für Hobbysportler angesiedelt werden.? In Sachen Öffentlichkeitsarbeit haperte es im Motorradsport bisland gewaltig. Wird sich dies im DMSB ändern?Geplant ist ein Informationsbüro, das alle Ergebnisse der Top-Serien an die Presseagenturen weitergeben wird. Ziel ist es vor allem, mehr Präsenz in der Tagespresse zu erlangen, was bislang zugunsten von TV-Berichten vernachlässigt wurde. Außerdem werden wir als DMSB künftig auf den wichtigen Messen, Ausstellungen et cetera vertreten sein. ? Dennoch, die Zuschauerzahlen bei den Top-Ereignissen lassen in Deutschland immer noch zu wünschen übrig. Wird sich der DMSB auch für zuschauerfreundlichere GP einsetzen?Da muß man leider sagen, daß selbst der Weltverband FIM zur Zeit nicht mehr viel Einfluß auf die GP oder die Superbike-WM besitzt. Wir werden natürlich versuchen, mit den Rechtehaltern auf nationaler Ebene zu sprechen, um diese Veranstaltungen publikumsattraktiver zu machen. In Australien fuhren im Rahmenprogramm des GP beispielsweise Speed Karts. Das würde GP-Vermarkter Dorna in Europa nie und nimmer zulassen. Doch was woanders möglich ist, sollte künftig auch bei uns stattfinden können. Ich denke da nur an den Erfolg des Super Moto-Rennens bei der Superbike-WM in Hockenheim.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote