Interview Franz Berkmann, BMW Motorrad Leiter der R-Baureihe und Enduros (Archivversion) Interview

Franz Berkmann, bei BMW Motorrad Leiter der R-Baureihe und Enduros, zum Sieg der R 1200 R beim Alpen-Masters

Herr Berkmann, herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Alpen-Masters 2007 für die BMW R 1200 R. Waren Sie selbst schon mal mit dem Roadster in den Alpen?
Ja, ich selber fahre 10000 bis 20000 Kilometer im Jahr, vieles davon privat übers Wochenende, oft auch in den Alpen auf Boxer-Motorrädern. Dabei habe ich recht häufig die R 1200 R dabei. Ich genieße das Motorrad aufgrund seines spielerischen Handlings und seines kräftigen Drehmomentverlaufs.

Die Alpen sind ja prinzipiell auch ein hervorragendes Terrain zum Testen. Unternimmt BMW dort regelmäßig Testfahrten?
Die Boxer-Modelle haben einiges gemeinsam: Alle verfügen in ihren Segmenten über herausragende Allround-Eigenschaften, also ein Höchstmaß an Tourentauglichkeit bei gleichzeitig bester Dynamik und einfachster Fahrbarkeit. Alle diese Eigenschaften entwickeln und erproben wir natürlich auch dort, wo es für die Bewertung aus Kundensicht erforderlich ist. Da sind die Erprobungen in den Alpen sehr wichtig.

2007 fiel auf, dass Boxer-Modelle im Test spürbar besser funktionierten, etwa bezüglich Gasannahme, Schaltung oder Konstantfahrruckeln. Gab es in jüngster Zeit technische Änderungen in der laufenden Serie?
Im Umfeld des Zweizylinder-Wettbewerbs haben wir schon seit der Einführung der aktuellen Boxer-Baureihe einen hervorragenden Stand. Dennoch arbeiten wir permanent an Optimierun-gen und lassen diese selbstverständlich unseren Kunden zugute kommen.

Meinen Sie, dass das derzeitige Boxer-Konzept für die Zukunft gewappnet ist, Stichwort Luftkühlung?
Die konzeptionellen Vorteile des Boxer-Konzepts ergeben sich durch die Motoranordnung. Die Zylinderanordnung ermöglicht erst den Telelever mit dem tiefen Schwerpunkt. Das verschafft den Motorrädern das spielerische Handling und die hohe Fahrstabilität. Die längs liegende Kurbelwelle erleichtert die Umsetzung des wartungsfreien Kardanantriebs. Die Motorauslegung bringt das ge-wünschte hohe Drehmoment. Nicht zuletzt werden Zylinder und Zylinderköpfe besser als bei allen anderen Konzepten vom Fahrtwind angeströmt, und wir können dadurch auf eine Wasserkühlung verzichten. In Summe haben wir damit im Wettbewerbsumfeld nicht nur die leichtesten Konzepte, sondern auch einen einzigartigen Charakter. Ich sehe keinen Grund, hiervon was abzugeben. Wir werden die Vorteile des Boxer-Konzepts weiterhin konsequent nutzen und weiterentwickeln.

Wird die R 1200 R im kommenden Jahr ohne technische Änderungen den Titel verteidigen können?
Die R 1200 R wird auch im nächsten Jahr im Wettbewerbsumfeld eine herausragende Position einnehmen. Ich gehe aber davon aus, dass die Jury auch unsere neuen Produkte, die wir auf der Mailänder Messe EICMA vorgestellt haben, in die Auswahl einbeziehen wird. Da wird es der R 1200 R sicher nicht leicht gemacht, den Titel zu verteidigen. Insbesondere die neuen Enduros R 1200 GS und F 800 GS werden ein starkes Wort mitsprechen. Auch die neue F 650 GS wird mit der deutlich gesteigerten Dynamik gegenüber der Vorgängerin für Überraschungen gut sein. Ich bin sehr gespannt auf das Alpen-Masters 2008 und würde mich freuen, wenn der Pokal bei BMW bleiben würde.

Das Interview führte Gert Thöle

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote