Interview Harald Eckl und Alex Hofmann (Archivversion)

die k-frage

Wird es Kawasaki gelingen, 2005 in der MotoGP-Weltmeisterschaft einen entscheidenden Schritt nach vorn zu machen? Teamchef Harald Eckl bewertet das Potenzial des Reihenvierzylinders Ninja ZX-RR und
seines Schützlings Alex Hofmann – der muss erklären, wie er einen Platz in den Top Ten erobern will.

Die Interviews führten die MOTORRAD-Redakteure Michael Rohrer und Andreas Schulz
Ende Oktober beim Grand-Prix-Finale in Valencia.
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Hofmann, Alexander: Interview (Archivversion) - »Alex Hofmann muss professioneller werden“

Herr Eckl, wie beurteilen Sie die Leistung, die Ihr deutscher Fahrer Alex Hofmann in der Saison 2004 gezeigt hat?
Akzeptabel, aber nicht herausragend.
Trotzdem haben Sie ihn für 2005 wieder verpflichtet?
Ein einziges Jahr reicht nicht, um sich in der MotoGP-Weltmeisterschaft zu bewähren. Alex hat ab und zu mal angedeutet, wozu er fähig ist. Das hätte nur häufiger passieren müssen.
Hätte er bei Ihnen eine Chance bekommen, wenn er kein Deutscher wäre?
Sicher nicht. Ich halte es für wichtig, einen deutschen Fahrer in der MotoGP-WM zu haben. Unter anderem, um ein Signal für andere junge Talente zu setzen: Es ist auch einem deutschen Fahrer möglich, in ein Werksteam zu kommen.
Was empfehlen Sie Hofmann für das nächste Jahr?
Er muss seine Einstellung ändern, professioneller werden. Vor allem auch in der mentalen Vorbereitung, auf die Saison, auf die Rennen, auf jede einzelne Trainingssitzung. Ein extremes Beispiel: Was soll das, sich von seiner Boxencrew den Abstand zum zehnten Platz anzeigen zu lassen? Will er Zehnter werden? Sein Teamkollege Shinya Nakano geht da ganz anders ran. Der sagt: Wenn mal alles passt, kann ich gewinnen. Das ist die Racing-Einstellung, die es braucht.
Nakano war schon mal 250er-Vizeweltmeister.
Deshalb ist Alex auch nicht so schlecht, wie er von vielen gemacht wird. Hätte er einen Kameraden wie Andrew Pitt gehabt, der auf dem 15. Platz herumfährt, wäre Alex 15. WM-Schlussrang eine sehr ordentliche Sache. Er hat noch Potenzial. In Australien ist er rundenlang Sete Gibernau hinterhergefahren – dieselben Zeiten, ohne dabei ein hohes Risiko einzugehen. Vielleicht hat ihm nur noch niemand professionelles Arbeiten beigebracht.
Braucht er auch ein stärkeres Motorrad, das seltener kaputt geht?
Wir hatten zwei Probleme. Einmal waren es untaugliche Kolben, so dass wir auf Alternativen umsteigen mussten, die uns Leistung gekostet haben. Das andere Problem lag im Bereich des Ventiltriebs. Da haben wir es wahrscheinlich mit der Laufleistung übertrieben. Hätten wir wie Yamaha alle 300 Kilometer die Motoren gewechselt, hätten wir wohl nicht so viele Defekte gehabt.
Was wird sich an der Werks-Kawasaki für 2005 ändern?
Am wichtigsten sind Verbesserungen im motorischen Bereich, bei der Fahrbarkeit.
Yamaha benutzt wie Kawasaki einen Reihenmotor, allerdings nach dem Big-Bang-Prinzip, während Sie eine Screamer-Konfiguration bevorzugen. Wird das geändert?
Ich hoffe, es geht ohne Big Bang. Das ist für mich nach wie vor etwas Unnatürliches, Kastriertes. Niemand weiß so genau, was es tatsächlich bewirkt. Es muss über die Weiterentwicklung der Elektronik möglich sein, die Fahrbarkeit zu verbessern.

Hofmann, Alexander: Interview (Archivversion) - »Ich hatte immer einen wasserdichten Vertrag“

Alex Hofmann, Kawasaki-Racing-Teamchef Harald Eckl hat Sie
unmittelbar vor dem Start zum Saisonfinale in Valencia als MotoGP-Fahrer auch für 2005 bestätigt. Aber man konnte dennoch nicht von einer ruhigen Vertragsverlängerung sprechen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich den ganzen Rummel nicht verstanden. Ich hatte und habe mit dem Kawasaki Racing Team einen Vertrag, der absolut wasserdicht ist. Dort steht explizit drin, dass ich 2005 beschäftigt werde – und zwar als Rennfahrer, nicht als Tester oder Entwicklungsmann oder sonst irgendwas. Darüber hinaus ist das Vertragswerk so abgefasst, dass es für beide
Seiten gar keine Ausstiegsklausel gegeben hätte. Kawasaki und ich waren in jedem Fall für die MotoGP-Saison 2005 aneinander gebunden. So hatte Harald Eckl eigentlich keinen Grund und auch keine Chance, mich loszuwerden.
Dennoch gab es offenbar Gespräche zwischen Teamchef Eckl und einigen MotoGP-Starfahrern, die auf dem Markt waren, wie etwa Troy Bayliss oder Alex Barros.
Das hat mich zwischenzeitlich selbst verwirrt, auch weil ich denke, dass meine Leistungen in meiner ersten vollen MotoGP-Saison, also meinem Rookie-Jahr, durchaus zufrieden stellend waren. Beim Gesamtergebnis muss man außerdem die vielen technischen Probleme und Motorschäden mit einrechnen, die wir hatten.
Sie wurden oft mit dem Ducati-Privatfahrer Ruben Xaus
verglichen, der – ebenfalls in seinem Rookie-Jahr – Elfter der MotoGP-WM
wurde. Sie stehen in der Abschlusstabelle auf Rang 15.
Der Vergleich mit Xaus geht nicht in Ordnung, weil seine Vorjahres-Werks-Ducati mit Sicherheit unserer Kawasaki derzeit noch überlegen ist. Und dann darf man nicht vergessen, dass Xaus als Superbike-Vizeweltmeister gekommen ist, während ich zwei Jahre ohne volles Rennprogramm hinter mir hatte.
Haben Sie sich trotz Ihres gültigen Vertrages mit dem Gedanken beschäftigt, sich vielleicht doch ein anderes Team suchen zu müssen?
Ich hatte eigentlich nie die Befürchtung, aus der MotoGP-WM herauszufallen. Denn zum einen war da der Kawasaki-
Vertrag. Und zum anderen war ich mir sicher, dass meine auf-
steigende Leistungskurve in Verbindung mit der Tatsache, dass ein deutscher Fahrer in der MotoGP-WM dringend gebraucht wird, mir im entscheidenden Moment eine Tür geöffnet hätte.
Die MotoGP-Saison 2005 im Kawasaki Racing Team: Was muss sich ändern? Was erwarten Sie vom Team und sich selbst?
Nun, das Entscheidende wird sein, dass wir die Zuverlässigkeit der Maschinen in den Griff kriegen. Dann sollte es möglich sein, meinen 15. WM-Platz aus diesem Jahr deutlich zu verbessern und zudem meinen Teamkollegen Shinya Nakano mehr unter Druck zu setzen.

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