Interview Jürgen Lamberty––––– (Archivversion)

«Unser politisches Gewicht wird wachsen“

Vor 14 Monaten fusionierten die Verbände für den deutschen Motorrad- (OMK) beziehungsweise Automobilsport (ONS) zum Deutschen Motor Sport Bund (DMSB). MOTORRAD befragte Jürgen Lamberty, 42, der seit August 1998 die Geschäfte in der Motorradsparte des DMSB führt.

Herr Lamberty, wie wird man denn überhaupt Sportfunktionär?Über eine ganz gewöhnliche Stellenanzeige in der Frankfurter Rundschau. Das war 1985. Von der Ausbildung her bin ich zwar Lehrer, hatte aber schon immer eine Affinität zum Thema Motorrad. Kurz nach der Fusion von OMK und ONS versprach DMSB-Vizepräsident Dieter Junge gegenüber MOTORRAD, den Motorradsport zu entbürokratisieren. Was ist daraus geworden?Man darf eines nicht verkennen: Knapp über ein Jahr sind keine lange Zeit. Auch gilt es, »die »normalen Probleme«, die durch die Fusion von OMK und ONS entstanden sind, zu lösen. Neue Computersysteme, unser Internet-Auftritt, neue Personalstrukturen, all dies muß bewältigt werden. Und zwar zusätzlich zur normalen Tagesarbeit. Wir sind eben nur zehn Leute im Motorradbereich, und da kann nicht alles auf einmal erledigt werden. Auch wenn es schwierig ist, dies nach außen so rüberzubringen. Im vergangenen Jahr hat der DMSB seine Entscheidungsstrukturen maßgeblich verändert. Pro Disziplin entscheidet ein einziger ehrenamtlicher Ausschußvorsitzender über die Entwicklung des Sports. Der DMSB schreibt letztlich nur noch die Regeln nieder. Amateure fällen die Entscheidungen, Profis führen nur noch Protokoll. Ist diese Aufgabenteilung nicht widersinnig? Vordergründig vielleicht. Doch letztlich erfordern praxisnahe Entscheidungen auch den engen Kontakt zur Basis. Wir als Hauptamtliche können jedoch nicht überall vor Ort sein. Natürlich kommt der Auswahl der geeigneten Ausschußvorsitzenden enorme Bedeutung zu. Doch die ersten Erfahrungen haben gezeigt: Dieser Weg war richtig und hat gefruchtet.Muß ein Sport, der in der Spitze eben doch Profisport ist, nicht dennoch zwingend professionell gestaltet werden?Das wird sicherlich die Zukunft bringen. Der DMSB hat dazu die Deutsche Motor Sport Wirtschaftsdienst GmbH gegründet. Die professionelle Begleitung und Vermarktung des Sports ist dort klare Zielvorgabe. Dennoch wird beispielsweise die Pro Superbike-DM ab dieser Saison mehr denn je von einem externen Vermarkter, der Agentur Moto Motion, von außen bestimmt. Das wäre doch ein erster Job für die Wirtschaftsdienst GmbH gewesen, oder nicht?Die GmbH soll nicht zwangsläufig selbst die Vermarktung übernehmen. Sie soll vornehmlich geeignete Vermarktungs-Partner finden und mit denen Verträge aushandeln. Wer hat denn nun das letzte Wort bei Entscheidungen in der Pro Superbike-DM? Der DMSB oder Moto Motion?Im sportlichen Bereich der DMSB.Moto Motion behauptet aber genau das Gegenteil.Dazu nur soviel: Der DMSB hatte im Verhältnis zur Agentur Moto Motion eine bewegte Vergangenheit. Die Meinungsverschiedenheiten sind nun ausgeräumt, und dabei soll es auch bleiben. Es sind aber bei weitem nicht alle Serien vermarktungsfähig. Was geschieht mit denen, die keine Sponsoren und TV-Sendezeiten besitzen?Sehen Sie, um die - und das ist die überwältigende Mehrheit der Motorradsport-Szene - kümmert sich niemand. Außer der DMSB.Dennoch legte der DMSB gerade diesen Serien-Betreibern, wie etwa der Veranstalter-Gemeinschaft der Moto Cross- oder Speedway-DM, kürzlich einen Vertrag zur Unterschrift vor, in dem sie ihre Werberechte abtreten und für die TV-Rechte noch bezahlen sollen. Drückt sich so die Fürsorge des DMSB aus?Die Summe für die TV-Rechte ist nur ein symbolischer Betrag. Doch die Rechte für die DM-Serien liegen eben beim DMSB, und das sollten die Veranstalter anerkennen.Und was passiert mit den Veranstaltern, die Ihren Vertrag nicht unterschreiben?Ich gehe davon aus, daß alle unterschreiben. Bei der Nachwuchsförderung greift der ADAC mit dem Junior-Cup auf der Straße und im Moto Cross in die Belange des DMSB ein. Fühlen Sie sich da nicht ausgebootet?Nein, wie gesagt stimmen wir uns in der Förderung mit dem ADAC und dem DMV ab. Mit dem ADAC-MX-Junior-Cup erhalten zum Beispiel Fahrer der 80er Klasse eine Förderung durch den ADAC. Für Fahrer, die in der 125er EM starten, fließen dann nicht unerhebliche Mittel vom DMSB. Wir erkennen aber auch die Nachwuchsarbeit vieler anderer Verbände an. Das sieht man beispielsweise an der Einführung der DMSB-Straßenrennfahrerschule in Zusammenarbeit mit MOTO aktiv. Der Nachwuchs liegt Ihnen offenbar am Herzen.Absolut. Für die Jugendförderung muß Engagement und Geld da sein. Dennoch brauchen die Amateurverbände den DMSB nicht. Wie wollen Sie es schaffen, daß diese Verbände unter die Decke des DMSB schlüpfen?Auch diese Verbände haben erkannt, daß der Motorsport in Deutschland auf politischer Ebene mit einer Stimme sprechen muß. Jemand muß politischen Strömungen gegen den Motorsport entgegentreten können. Diese Aufgabe kann der DMSB übernehmen. Hat der DMSB dazu überhaupt genügend politisches Gewicht?Unser Gewicht wird wachsen, denn der DMSB ist Mitglied im Deutschen Sportbund, der bei sportpolitischen Entscheidungen von der Poltik gehört wird. Über den DSB fließen auch die Gelder für die staatliche Sportförderung. Klingeln im Motorradsport bereits die Kassen?Leider nicht, die Gelder sind sehr rar. Unser Konzept zur Jugendförderung wird dem DSB aber bald vorgelegt. Um die Amateurverbände zu locken, müßte der DMSB aber auch sein Regelwerk entrümpeln und vereinfachen. Beispielsweise die Abschaffung der Helmabnahme. Schließlich können Rennfahrer auf der ganzen Welt mit modernen, nach gültigen ECE-Normen geprüften Helmen antreten, nur in Deutschland müssen die Helme noch mal gesondert vom DMSB zugelassen werden.Wenn ein Helm in Spanien oder Italien nach der ECE-Norm geprüft wird, fällt diese Prüfung viel lockerer aus als hier in Deutschland. Um dennoch einen maximalen Schutz für unsere Lizenznehmer zu gewährleisten, möchten wir auf diese Prüfung nicht verzichten.Dennoch steht dem DMSB deshalb ein Prozeß eines Helmherstellers vor dem Europäischen Gerichtshof ins Haus. Eine Abschaffung ist trotzdem nicht in Sicht?Nein.Das Interview führte Peter Mayer
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Lamberty, Jürgen: Interview (Archivversion)

Faxen dicke Wer wagt da noch zu behaupten, Motorradsport sei nicht vielfältig. Zwischen deutscher Motoball-Liga und Pro Superbike-Meisterschaft tummeln sich derzeit über 60 verschiedene Serien, Cups, Pokale und Meisterschaften. Zuviele, um auch speziell Interessierte in der Bleiwüste der Ranglisten verdorren zu lassen. Ab sofort bietet der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB)unter der Faxabruf-Nummer030/6179980daher einen aktuellen Ergebnisdienst an. Bis spätestens Mittwoch nach den jeweiligen Veranstaltungen sind dort die Resultate und Meisterschaftsstände aller mehr und minder bedeutenden Serien abrufbar.

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