Interview mit Harald Eckl (Archivversion) Interview

Harald Eckl (Foto) hat nichts mehr zu lachen – Kawasaki will ihn loswerden. Von Beginn an
leitete der Deutsche die MotoGP-Aktivitäten des Motorrad-Herstellers als Teammanager.

Herr Eckl, laut Vertrag sollten Sie das Kawasaki-MotoGP-Werksteam mindestens bis Ende 2007 führen. Jetzt will Kawasaki sich vorzeitig von Ihnen trennen – warum?
Mir wird vorgeworfen, dem Ilmor-Team beim Einstieg in die MotoGP-WM behilflich gewesen zu sein, und das
wäre eine Missachtung der Kawasaki-Interessen. Dabei hat
Kawasaki mich 2004 beauftragt, einen Motorenhersteller zu
finden, der für sie ein konkurrenzfähiges Triebwerk fertigen kann. Ich habe sie mit Ilmor-Besitzer Mario Illien zusammen- gebracht. Anschließend wurde ich aus den Verhandlungen zwischen Ilmor und Kawasaki herausgehalten, später wurde das Projekt von Kawasaki abgeblasen. Illien hatte zu dem Zeitpunkt aber schon investiert – ich fühlte mich persönlich dazu verpflichtet, ihn zu unterstützen.
Mit dem Einstieg des ehemaligen Yamaha-Ingenieurs Ichiro Yoda Anfang 2005 begann Ihr
Einfluss im Kawasaki-Werks-Team zu schwinden. Dabei gab es keine Anzeichen dafür, dass Sie etwas falsch gemacht hätten. Im Gegenteil, der Rückblick zeigt, dass Kawasaki 2004 unter Ihrer Regie sein bisher erfolgreichstes Jahr in der MotoGP-WM feierte.
Yoda hat mir beim Sachsenring-GP 2004 angeboten, für Kawasaki zu arbeiten, daraufhin habe ich ihn für 2005 verpflichtet. Dass ausgerechnet er mir jetzt vorwirft, ich hätte durch mein Engagement für Ilmor Kawasaki verraten, erstaunt mich schon. Der soll doch mal darüber nachdenken, was er selbst getan hat. 2003 war ein Lehrjahr für uns, 2004 hatten wir mit Nakano auf Platz zehn und Hofmann auf 15 wirklich eine tolle Saison. Doch danach wurde Rennleiter Shugetsu Takata, mit dem ich geplant hatte, entlassen. Das sah für mich damals schon wie ein erster japanischer Rundumschlag aus.
Was für Probleme hatte Kawasaki denn mit
Ihren Vorstellungen?
Takata und ich wollten auch den Motor
in Europa bauen lassen, mit dem Fahrwerk des heutigen Ilmor-Partners Eskil Suter war dieses Rezept 2004 für Kawasaki ja bereits erfolgreich. Aber die Japaner wollten plötzlich alles selbst und bei sich zu Hause machen.
Wie geht es nun für Sie weiter?
Keine Ahnung. Kawasaki hat mich schwer enttäuscht, meine Leute und ich haben uns in der Aufbauphase des Teams über die Maßen reingehängt – auch weil Kawasaki uns eine
langfristige Perspektive versprochen hat. Meine
Kalkulation war auf fünf Jahre angelegt. Geht sie nicht auf, habe ich ein Problem. Im Moment gehe ich davon aus, dass ich einen Vertrag bis Ende 2007 habe. Jetzt reden die Rechtsanwälte.

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