Interview mit Klaus Nöhles (Archivversion) »Ich bin schockiert“

Der gescheiterte Nachfolger von Ralf Waldmann im deutschen 250er-Aprilia-Werksteam sprach mit MOTORRAD über seinen Karriereknick, seine Kündigung und seine Zukunft.

Klaus, warum bist du schon in Valencia nicht mehr angetreten?Am Donnerstagabend haben wir uns auf eine einvernehmliche Trennung geeinigt, die ich am Freitagmorgen von meinem Anwalt prüfen ließ. Aprilia hat die zehn Minuten nicht warten können, um die das unterschriebene Papier zu spät vorlag, und mich nach zwei Runden aus dem freien Training geholt. Ich bin schockiert, dass die Jungs so eine harte Gangart an den Tag legen. Nach diesem Tiefschlag war an konzentriertes Weiterfahren nicht zu denken. Was hat zu deiner Kündigung geführt?Ich kann verstehen, dass Aprilia von den Ergebnissen enttäuscht ist. Da ist keiner zufrieden, am wenigsten ich selbst. Doch dass man einen Fahrer, den man zwei Jahre lang aufbauen wollte, mitten in der ersten Saison rauswirft, obwohl er bei allen Rennen in die Punkte gefahren ist, sofern das Motorrad gehalten hat, dafür habe ich überhaupt gar kein Verständnis. Ich kann mir nur vorstellen, dass Aprilia Geld sparen will. Ich weiß nicht, was sonst dahinter stecken soll. Es macht keinen Sinn, mich mitten in der Saison rauszutreten. Warum bist du in die Krise geraten?Vielleicht bin ich das Ganze früher lockerer angegangen, befreiter. Ich bin abends mal länger weggegangen, habe einfach mal ein bisschen auf die Pauke gehauen, ein bisschen Halligalli gemacht. Das fehlte diesmal. Mit den ersten Grand Prix habe ich zum ersten Mal auch richtigen Druck kennen gelernt. Von den Medien, aber ebenso aus den eigenen Reihen, im Team, von Sponsoren. Ich war, seit ich Motorradrennen fahre, immer erfolgreich, und habe mir über die Sachen nie einen Kopf machen müssen. Plötzlich einen Niederschlag nach dem andern hinnehmen zu müssen, das war eine neue Situation. Das hat mir so ein bisschen einen Knacks versetzt.Vielleicht hätte ich eine größere Lockerheit im Team gebraucht. Wenn ein Fahrer Misserfolge hat, ist er ohnehin schon geknickt und sehr betrübt, und wenn das Team das auch noch ausdrückt, dann wird die Sache nicht besser, sondern das schlechte Gefühl nur bestätigt.Hat dir ein Teamkollege gefehlt?Es hätte die Last und die Aufmerksamkeit ein wenig von mir genommen. Als Jeremy McWilliams kam und gewisse Ergebnisse einbrachte, besserte sich die gesamte Grundstimmung im Team. Aber daran will ich meine schlechten Resultate nicht festmachen.Was macht Jeremy mit dem gleichen Motorrad anders als du?Hm. Dasselbe wie zuvor schon Ralf Waldmann. Die gehen einfach kompromissloser zu Werke. Dieses harte Bremsen, das Motorrad extrem in die Ecke schmeissen, das schlagartige Wiederaufrichten vom Motorrad – das ist vielleicht ein halbes Zehntel beim Reinfahren, ein halbes Zehntel beim Rausfahren. Doch aneinandergereiht macht es am Ende einer Runde eine Sekunde aus.Also keine Set-up-, sondern eine Kopfsache?Das ist schon zum großen Teil eine Kopfsache gewesen bei mir in diesem Jahr. Das Motorrad war, glaube ich, die ganze Zeit in der Lage, relativ schnell zu fahren. Erst die allerletzte Sekunde hängt vom Set-up ab. Dem Jeremy, da bin ich mir sicher, verdrehe ich das Fahrwerk, und der fährt nur eine halbe Sekunde langsamer.Was sind deine Zukunftspläne?Die Trennung ist kein Niederschlag, sondern wird mich noch mehr anspornen, im nächsten Jahr zu beweisen, dass ich’s doch kann. Falls ich bei den 250ern keine anständige Lösung finde, kann ich bei den 125ern mit einem konkurrenzfähigen Motorrad zur alten Stärke und zur eigenen Motivation zurückfinden, um dann mit dem nötigen Aufwind und finanziellen Background den Wiederaufstieg in die 250er-Klasse zu machen. Alzamora und Locatelli haben dasselbe Spiel auch gemacht, sind ebenfalls zurückgegangen und haben bei den 125ern recht große Erfolge eingefahren - und sind jetzt bei den 250ern wesentlich besser zurechtgekommen als im ersten Versuch.Die Fragen stellte MOTORRAD-Redakteur xxxxxx yyyyyy

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