Interview mit Loris Reggiani (Archivversion) «Vehemente Wheelies”

? Sie waren 1994 der Zweizylinder-Pionier in der Halbliterklasse. Glauben Sie noch an die Formel?! Unbedingt. Honda hätte die Weltmeisterschaft mit der NSR 500 V im Handumdrehen gewinnen können - wenn sie wirklich gewollt hätten.? Was fehlt der Aprilia 500?! Die Honda wurde von vornherein als Halblitermaschine konzipiert, größer und länger als eine 250er. Die Idee bei Aprilia war, mit einer aufgebohrten 250er anzutreten. Jan Witteveen wollte einen hochdrehenden Motor und war lange auf den Hubraum von 400 cm3 fixiert. Doch die Power war nicht da. Anvisiert waren 140, 145 PS, aber im ersten Jahr hatten wir nur 115, im zweiten dann 132. Später wurde der Hubraum schrittweise auf 420, 440, 460 und schließlich 500 cm3 erhöht. Der kurze Radstand sorgte dann für Probleme, von dem wir eigentlich Vorteile erwarteten. So war ich auf den schnellen zwei Dritteln der Donington-Strecke zum Beispiel nur eine Zehntelsekunde langsamer als Mick Doohan. Im langsamen Schluss-Stück mit den beiden Spitzkehren verlor ich dann acht Zehntel - wegen der vehementen Wheelies.? Wie schaffte Aprilia mit der 250er den großen Durchbruch?! Schon 1992 war die Maschine sehr konkurrenzfähig, 1993 war sie dann wieder kreuzlahm, weil eine neue Zündelektronik verwendet wurde. Vor dem Jahr 1994 hatten die Aprilia-Ingenieure besonders Angst, weil die erste Stufe der jetzigen Bleifreibenzin-Vorschrift in Kraft trat. Dann stellte sich bei Prüfstandstests heraus, dass der Motor plötzlich zwei PS mehr hatte. Im Werk knallten die Sektkorken, und Biaggi holte drei WM-Titel hintereinander!

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