Interview mit Peter Öttl (Archivversion)

Peter Öttl erklärt im Interview mit MOTORRAD-Reporter Friedemann Kirn, warum er im UGT 3000-Team aufhören mußte - und die Hoffnung auf ein Comeback noch nicht aufgegeben hat.

? Wie siehst Du nach einigen Wochen Abstand Deine Beurlaubung durch das UGT 3000-Team? Generell bin ich mit der Entscheidung nicht einverstanden. Andererseits war die Situation mit meiner 125er Aprilia alles andere als zufriedenstellend. Statt mit Fahren war ich mit Technikproblemen beschäftigt, weil mein Motorrad deutlich langsamer war als im Vorjahr. Das hat Konzentration gekostet, und darunter hat meine Leistung gelitten.? Warum lief Deine Aprilia unter Tex Geissler am Nürburgring wie eine Rakete? Mein italienischer Aprilia-Teamchef Stefano Cappanera hatte von UGT 3000-Teambesitzer Ralf Schindler Druck. Außerdem hatte sich mein Techniker Pierluigi Aldrovandi wegen ausstehender Gehaltszahlungen von Cappanera getrennt. Er mußte sich also auf zwei Seiten rechtfertigen. Ich kann nur vermuten, daß er das durch Teile aus dem Material meines Kollegen Kazuto Sakata bewerkstelligt hat, denn sein Motorrad lief stets einwandfrei.? Was waren die wahren Gründe für Deine Beurlaubung? Zwei davon, meine Verletzungen und Geisslers dritter Platz, standen in der Presse. Doch es gibt drei weitere: Ich habe zu offen über meine technischen Probleme geredet; weil ich intern Druck ausübte, war ich für Cappanera unangenehmer als der unkritische Geissler. Außerdem war die Situation aussichtslos, weil Cappanera das von Schindler bezahlte Budget schlecht einteilte und seine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen konnte. Öhlins baute am Ring die unbezahlten Federelemente aus, statt fünf Mechanikern hatte ich nur noch zwei und statt zwei Motorrädern nur noch eines zur Verfügung. Den Fahrer zu tauschen war der leichteste Weg. Ich war der Dorn im Auge.? Wie attraktiv ist Ralf Schindlers Angebot, künftig als Teammanager bei UGT 3000 zu arbeiten? Das Aufgabenpaket ist wahnsinnig umfangreich und reicht von Nachwuchsarbeit bis zum WM-Team. Ich schaue mich derzeit bereits bei DM-Läufen um - und versuche auf Anfrage von Bert Poensgen nebenbei, seiner Tochter Katja fahrerisch weiterzuhelfen.? Außerdem bist Du als Bridgestone-Testfahrer unter Vertrag? Ja, von Mitte September bis Mitte Oktober werde ich 14 Testtage auf vier verschiedenen Strecken absolvieren. Dabei bleibe ich fahrerisch im Training.? Du gibst den Gedanken an ein Comeback also nicht auf? Ich habe immer gesagt, daß ich aufhöre, wenn ich fahrerisch nicht mehr mithalten kann. Doch in Jerez, wo meine Maschine halbwegs lief, wurde ich mit nur acht Sekunden Rückstand auf den Sieger Sechster. Im Training war ich fünf Hundertstel hinter Rossi. Das spricht für sich selbst.Bridgestone hat die Möglichkeit von GP-Einsätzen 1998 angedeutet, aber das waren lockere Überlegungen, an die ich mich nicht klammern will. Auch die Superbike-DM wäre interessant, wenn sich eine langfristige Option mit einem starken, erfahrenen Teamkollegen ergäbe. Andernfalls sind mir die langfristigen Aufgaben für UGT 3000 lieber.

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