Interview mit Stefan Bradl (Archivversion)

Trotz seiner noch sehr jugendlichen 17 Jahre befindet sich die deutsche Grand-Prix-Hoffnung Stefan Bradl schon im dritten Frühling. Im Gespräch mit MOTORRAD-Grand-Prix-Reporter Friedemann Kirn reflektiert er seine noch kurze, aber schon bewegte Karriere und Zukunftspläne.

Stefan Bradl, 2008 fahren Sie eine Aprilia-Werksmaschine. Wird die Achterbahnfahrt Ihrer bisherigen Karriere damit zum Beginn einer Erfolgsstory?
Auf alle Fälle ist das eine Riesenchance. Ich habe mehrere Angebote gehabt, zum Schluss haben wir uns mit Kiefer Racing geeinigt, weil ich die Leute kenne und weiß, dass das Team eine gute Infrastruktur hat. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gute Resultate einfahren können.

Das Blusens-Aprilia-Team hat Ihnen nach der Trennung von Repsol-Honda im vergangenen Frühjahr die Comeback-Chance in der spanischen Meisterschaft gegeben. Lag es nicht nahe, ihm die Treue zu halten?
Ich habe auf Anhieb gute Ergebnisse eingefahren, das war gut für mich und gut fürs Team. Beim GP in Assen Ende Juni kam jedoch Teamchef Stefan Kiefer auf mich zu und sagte, dass er für 2008 ein 125er-Team mit guten Aussichten auf Top-Material aufziehen will. Danach sprach ich offen und ehrlich mit meinem Blusens-Team über das Kiefer-Angebot. Mitte August wollte Blusens wissen, ob ich bleibe. Ich habe dann erklärt, dass ich wechseln werde, weil das Kiefer-Team für mich ein besseres Umfeld bietet. Ich darf trotzdem die WM bei Blusens zu Ende fahren, dafür bin ich sehr dankbar.

Eine Schlüsselrolle dabei spielen das in Zypern ansässige Unternehmen Grizzly Gas und dessen österreichischer Besitzer Alfred Gangelberger. Wie hat sich dieser Kontakt ergeben?
Gangelberger ist auf meinen Vater zugekommen, hat ihn angerufen. Das war, glaube ich, zwei oder drei Tage nach meinem Ausstieg bei Repsol-Honda. Wir hatten bis oben die Schnauze voll. Und dann rief er an und sagte, er fände es nicht schlecht, was ich gemacht habe – dass ich meine Meinung gesagt und Spanien den Rücken gekehrt habe. Alfred sagte, falls es doch weitergehe, wolle er mich gern unterstützen. Ich konnte so bei Blusens einen Sponsor mitbringen.

Wissen Sie, welche Interessen Grizzly Gas auf dem deutschen Markt verfolgt?
Sie möchten Gas-Tankstellen auch in Deutschland errichten. Es gibt ja mehr und mehr Autos mit Gasbetrieb, deshalb möchten sie auf den deutschen Markt kommen. Um mitzuhelfen, bin ich der ideale Mann für sie.

Blenden wir ein Jahr zurück. Damals hatten Sie Mühe, auf zwanzigste Plätze zu kommen, jetzt fahren Sie in der Spitze mit. Was verursacht so enorme Leistungssprünge?
Am Motorrad lag’s im letzten Jahr sicher nicht. Die KTM ist eine Werksmaschine und war sicher nicht der Grund, dass ich und Michi Ranseder relativ schlecht waren. Aber man kann nicht, wie KTM das macht, einen Nachwuchsfahrer ein Jahr in die WM reinstopfen und dann sagen: Okay, hat nichts gebracht, also lassen wir es wieder bleiben. Das ist nicht der richtige Weg.

Wie haben Sie nach der KTM die Repsol-Honda empfunden?
Die Honda ist ein Motorrad wie jedes andere. Vom Motor her sehr schnell, vom Fahrwerk her ist mir die Aprilia lieber, weil ich damit mehr übers Vorderrad fahren kann.

Der Grund für die Trennung von Repsol-Honda war allerdings, wie bei KTM, nicht das Motorrad.
Ganz sicher nicht. Das war die Mentalität dort. Ich bereue es nicht, dass ich diesen Schritt getan habe. Sicher war’s danach ein bisschen schwierig, aber kein Mensch ist wie der andere.

Was ist für Sie die richtige Art des Umgangs, und was war bei Repsol-Honda unerträglich?
Am Anfang hieß es, dass ich nach Spanien muss, zum Konditionstest, Fitnesstest, Motocross-Fahren und so weiter, die Saison aber grundsätzlich von daheim aus erledigen kann wie jeder andere Fahrer. Während Testfahrten in Jerez bekam ich eine E-Mail, dass ich jetzt einen Monat bleiben soll wegen irgendwelcher Ausdauertests. Als ich bei unserem Koordinator Raul Jara nachgefragt habe, was das soll, sagte er zu mir: Fahr’ nach Hause, mach’ Dir Gedanken darüber. Wenn Du weitermachen willst, komm’ wieder. Sicher war das hart für mich. Ich bin heimgefahren und habe gespürt, dass ich Motorradrennen fahren will, aber nicht unter solchen Bedingungen. Deshalb habe ich den Schlussstrich gezogen.

Wie haben Sie eigentlich das Motorradfahren für sich entdeckt? Ich erinnere mich, dass Ihr Vater Helmut Bradl, 1991 immerhin 250er-Vizeweltmeister, bei Ihrer Geburt 1989 sagte: »Zum Rennfahrer werde ich ihn nicht erziehen.«
Mein Vater hatte aus Japan so ein kleines Motocross-Ding mitgebracht, auf das ich mich zwei Jahre lang gar nicht draufgehockt habe, weil ich mich nicht traute. Mit vier bin ich dann zum ersten Mal damit gefahren. Danach bin ich halt jeden Tag herumgegurkt daheim, und das hat mir Spaß gemacht. Als ich 2002 die erste Dark-Dog-Cup-Sichtung in Hockenheim angeschaut habe, wusste ich: Das will ich probieren. Ich habe die Sichtung für 2003 bestanden und bin den Cup gefahren. 2004 ging’s dann bei KTM in der 125er-IDM los, 2005 habe ich den IDM-Titel gewonnen.

Haben Sie ein Vorbild, ein Idol? Den Vater vielleicht?
Sicher. Und ich will eines Tages einen Platz besser sein als er mit seiner Vizeweltmeisterschaft.

Wie sieht Ihr Ziel für die nähere Zukunft aus?
Mein Traum wäre, 2008 für das neue Team einen Podiumsplatz zu erreichen.

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