Interview mit Toni Mang (Archivversion) »Wie Wimmer«

Toni Mang war fünfmal Weltmeister - und hat seine eigenen Ansichten über Ralf Waldmanns Niederlage im Titelkampf.

? Warum ist Ralf Waldmann am WM-Titel gescheitert? Wenn Ralf Waldmann gelegentlich im Porsche-Cup fährt und trainiert, dann ist das schon eine Parallele zu meinem ehemaligen Konkurrenten Martin Wimmer. Ich kann nicht mal in Gedanken und in der Praxis schon gar nicht zwei und vier Räder verbinden. Das sind zwei Welten, doch du kannst nur in einer Welt leben. Wenn Waldmann sich auch nur um ein Prozent aus seiner Welt entfernt, geht ihm dieses Prozent beim nächsten Grand Prix ab. Ich bin in meiner ganzen aktiven Zeit noch nicht mal mit dem Serienmotorrad gefahren, weil das die Fahrweise verhunzt und mit Eleganz nichts mehr zu tun hat. Vielleicht gibt´s solche Talente, die zwei Dinge kombinieren können. Aber der Waldi ist keins.? Was hätte im Team anders laufen müssen?Eine Unsitte ist, zu sehr auf Trainingszeiten und Pole Positions zu schauen. Das kommt aus alten HB-Zeiten, denn da waren Leute dabei, die sich schon am Samstag abend im ersten Erfolg sonnen wollten. Der Stappert ist mitverantwortlich, denn mit guten Trainingszeiten steht er gut da bei den Leuten, die ihm sein Brot geben. Aber Motorradsport ist nicht wie die Formel 1, wo du nach einem vermasselten Start keine Chance mehr zum Überholen hast. Ich habe jedenfalls nie auf die Pole Position geschaut und mich immer nur darauf konzentriert, mein Motorrad fürs Rennen richtig hinzukriegen.? Stappert war auch mit seinen Äußerungen in Phillip Island im Kreuzfeuer der Kritik...Da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Das, was der Waldi in Österreich so alles über den Jacque gesagt hat, war auch nicht druckreif. Wenn der eine mit schlechtem Beispiel vorangeht, kannst du dem anderen nicht böse sein.? Dort in Österreich ließ Waldi Jacque innen vorbei. Was muß er tun, um härter zu werden?Er muß nicht härter gegen andere werden, sondern härter gegen sich. Es hilft nichts, mit dem Radl zu fahren und hier und dort Konditionstraining zu machen, denn da bleibst du immer unter deinen Grenzen. Beim Rennfahren spielt nicht die Kondition eine Rolle, sondern zu lernen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Es muß dich einer antreiben, bis du kotzt. Ich habe einen Trainer gehabt, der war Sportlehrer, 1,85 Meter groß und zwei Zentner schwer. Du kannst dir vorstellen, was da los war - der hat mich getrieben, bis mir schwarz vor den Augen geworden ist.? Bei einigen Rennen wurde auch das Schlögl-Spezialfahrwerk kritisiert.Ein absoluter Schwachsinn. Wenn es stimmt, daß Waldi beim Abstimmen des Fahrwerks manchmal Schwierigkeiten hat, muß man dem Sepp ein Kompliment machen, daß er´s immer wieder so zum Laufen bringt. Er kann ja nicht das Motorrad fragen. Und das Data Recording beantwortet nicht alles.

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