Interview mit Udo Mark (Archivversion) «Das hat perfekt geklappt“

Fliegender Wechsel beim ehemaligen Superbike-Meister Udo Mark: Der 35jährige Schwarzwälder hängt den Helm an den Nagel und wird Supersport-Teammanager bei Yamaha Deutschland.

Herr Mark, nach 14 Jahren als aktiver Rennsportler wechseln Sie nun die Fronten und werden Teammanager. Wie kam es zu dem Engagement bei Yamaha Deutschland, wo Sie künftig für das Supersport-Team im Weltcup verantwortlich sind?Ich habe mir schon längere Zeit intensive Gedanken über meine Zukunft gemacht, denn die letzten zwei Jahre als Fahrer bei Suzuki haben mich viel Substanz gekostet. Mit Yamaha Deutschland war ich bereits seit Sommer 1996 wegen einer Zusammenarbeit nach meiner Karriere im Gespräch. Nun hat sich die Sache konkretisiert. Darüber bin ich sehr glücklich.Daß der deutsche Meister Jörg Teuchert für Yamaha in den Supersport-Weltcup geht, war klar. Nun wurde auch der DM-Vierte Christian Kellner verpflichtet. Haben Sie Ihren ehemaligen Suzuki-Teamkollegen quasi zum Einstand auf dem Silbertablett zu Yamaha mitgebracht?Ja, das war gewissermaßen meine erste Amtshandlung, obwohl ich den Job offiziell erst am 1.November antrete. Ich kenne Christian Kellner schon mehrere Jahre und wollte ihn auf jeden Fall haben, egal für welches Team ich letztlich gearbeitet hätte. Jetzt ist Yamaha sehr happy, denn die hatten mit Kellner gar nicht mehr gerechnet. Das hat perfekt geklappt.Was schätzen Sie an Christian Kellner besonders?Er ist sehr ehrgeizig, trainiert eifrig und hat kapiert, daß Talent allein nicht ausreicht, um Erfolg zu haben.Und an Jörg Teuchert?Er hat ein gutes Gefühl fürs Motorrad und einen hohen Grundspeed. Ich will aber keinen Fahrer bevorzugen. Mein Vorbild ist das Formel 1-Team von McLaren-Mercedes und dessen Motto: Gemeinsam sind wir stark.Liegt die Meßlatte für den Erfolg bei Ihnen auch so hoch wie bei den britisch-schwäbischen Silberpfeilen?Nein, wir fangen in der nächsten Saison bei Null an, und da wäre es vermessen, gleich an den Titel zu denken. Aber wir wollen uns im Supersport-Weltcup in den Top-ten etablieren.Wie wollen Sie Ihre neue Aufgabe anpacken, wo liegen die Prioritäten?Ich will versuchen, Harmonie ins Team zu bringen und den Fahrern den Rücken zu stärken. Sie sollen keine Existenzangst bekommen, wenn es mal nicht läuft. Sie sollen Spaß an ihrem Job haben und geil aufs Motorrad fahren sein, wenn sie zum Rennen kommen. Ich will mich auch nicht auf die Rolle des Teammanagers beschränken, sondern aufgrund meiner großen Erfahrung für die Fahrer ebenso Betreuer und Trainer sein. In anderen Sportarten hat auch jeder Star einen Trainer. Einer, der ihm einen Tritt verpaßt, wenn er mal einen Durchhänger hat, oder der ihn bremst, wenn er zu euphorisch wird.Das heißt, Sie werden bei den Rennen nicht nur in der Boxengasse zu finden sein.Ja, ich möchte die Fahrer beim Training auch draußen auf der Rennstrecke beobachten, sie analysieren und ihnen Hilfestellung geben, wenn es notwendig sein sollte. Ich habe das Potential, andere Fahrer zu fördern und schneller zu machen. Obwohl ich mich als Nachwuchsbetreuer bei Hein Gericke nur kurze Zeit um Talente wie Christian Kellner oder Stefan Nebel kümmern konnte, waren die Verbesserungen schon sehr schnell an der Stoppuhr abzulesen. Wenn man so will, bin ich künftig passiver Rennfahrer.Zurück zu Ihrer aktiven Zeit. Was bleibt nach all den Rennjahren mit zwei Titeln in der Superbike-DM, einem in der EM und dem Gesamtsieg in der Thunderbike-World Trophy?Die Karriere war ein Traum für mich. Ich hatte meinen Spaß und konnte dabei sogar noch Geld verdienen. Es konnte mir nichts Besseres passieren.Gerade in der letzten Saison ging aber nicht alles glatt. Am Anfang gab`s einen Beinbruch beim Dirt Track-Training auf der Kenny Roberts-Ranch, dann kamen die Schwierigkeiten mit der Einspritzer-Suzuki. Erst mit der Vergasermaschine lief`s wieder besser. Wo lag das Problem - bei Ihnen oder bei Suzuki Deutschland?Wie bereits gesagt: Die letzten zwei Jahre in diesem Team haben mich viel Substanz gekostet. Ich bin ein ehrgeiziger Fahrer, der nur des Erfolgs wegen Rennen fährt. Suzuki und ich hatten in dieser Beziehung unterschiedliche Vorstellungen. Wir paßten einfach nicht zusammen. Aber ich will im nachhinein keine schmutzige Wäsche waschen. Ich habe mich von Suzuki im guten getrennt - wie von den anderen Teams zuvor auch.Die PR-Arbeit der Pro Superbike-Vermarkter konzentriert sich im wesentlichen auf den Spartensender DSF. Wie beurteilen Sie das System?Ich habe stark davon profitiert, zum Beispiel 1991, als ich mit Yamaha zum ersten Mal Meister geworden bin. So gesehen, kann ich der Sache nur positive Seiten abgewinnen. Aber die Präsenz der Serie in der überregionalen Tagespresse und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läßt doch stark zu wünschen übrig. Bei den Tageszeitungen in meiner Region habe ich die Erfahrung gemacht, daß die schon etwas von den Superbike-Rennen bringen - wenn man sie nur mit Material beliefert.

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