Interview mit UGT-Chef Ralf Schindler (Archivversion) «Sponsoren werden vergrault“

Ralf Schindler, 42, Besitzer des UGT 3000-Racing Teams, fordert mehr Professionalität und bessere Umgangsformen in der Rennsport-Szene.

Ralf Schindler, sie haben als Chef von UGT, dem größten deutschen Motorrad-Grauhändler 1997 mit neun Fahrern in fünf Rennserien das größte deutsche Racing Team seit Menschengedenken an den Start geschickt. Ihre Bilanz war aber nicht gerade dem riesigen Aufwand entsprechend.Ganz so schlimm war es auch nicht. Tomomi Manako aus unserem Honda-Grand Prix-Team wurde 125 cm³-WM-Dritter, Kazuto Sakata aus dem UGT 3000-Aprilia-Team Vierter.Andererseits war die Zusammenarbeit mit dem Aprilia-Team nicht ohne Probleme und mußte auch für 1998 reorganisiert werden. Im 125er DM-Team, das ist richtig, da gab es tatsächlich größeren Ärger.Ihr neuartiges Konzept, unter der Marke »UGT 3000« auch branchenfremde Sponsoren zu interessieren, und am Ende für Ihren Stammbetrieb vielleicht sogar Gewinn zu erwirtschaften, funktionierte nicht. War dazu der Erfolg zu gering?Nicht unbedingt der Erfolg, eher bei einer ganzen Reihe von Teammitgliedern die professionelle Einstellung. Das gilt übrigens nicht nur für die Fahrer, sondern auch für manchen Teamchef, ganz besonders aber auch für die Funktionäre in den Verbänden, auch und gerade im ADAC.Das klingt wie ein Rundumschlag, der nur den Rückzug zur Folge haben kann. UGT 3000 unterstützt aber ganz im Gegenteil 1998 sogar zehn Fahrer.Das stimmt. Aber einerseits sind vier der zehn ADAC-Junior-Cup-Teilnehmer, die von unseren Händlern halt mit der Maschine ausgestattet werden. 1997 hatten wir nur einen. Und zum anderen wollen wir ja Motorsport betreiben. Ich sehe im Rennsport durchaus eine vernünfte werbebühne für UGT, aber nicht, wenn vermeintliche Partner auf Seiten der Teams und Fahrer in wirklichkeit nur Abzocker sind. Wir machen 1998 weiter, aber wenn sich nichts wenesentliches ändert, sind auch wir 1999 nicht mehr dabei. Es müssen strukturelle Änderungen her, ohne die der Motorradrennsport in Deutschland, aber auch international, ruck-zuck vor die Hunde gehen wird.Wie sollte dies aussehen?National brauchen wir klar erkennbare Aufstiegsszenarien. So muß die Einsteiger-Klasse im ersten Jahr für alle Fahrer eine Standard-Klasse sein, in der nur streng überwachte 125er Production Racer zugelassen sind. So lernt der Anfänger, mit ernsthafter Renntechnik umzugehen, hat aber keine Möglichkeiten, sich durch finanziellen Einsatz einen technischen Vorteil zu schaffen. In der zweiten Stufe kann man eingeschränktes Tuning, das nicht allzu kostenintensiv ist, freigeben.Frühestens im dritten Jahr würden die jungen Fahrer dann mit Material antreten, das dem jetzigen in der DM entspricht.Im Viertaktbereich stelle ich mir eine analoge Regelung mit Supersport 600-Maschinen vor.Damit hätten die jungen Fahrer einerseits eine klare Perspektive, müßten sich aber auch erstmal beweisen. Deswegen käme es erst gar nicht zu Situationen, wie sie heute im Nachwuchsbereich gang und gäbe sind.Da kommt so einer daher mit seinem Teamchef oder noch besser, Vater, und stellt Forderungen: Vom Helm-Styling über den genauen Lederkombi-Typ bis hin zu Kit-Teilen, edlen Fahrwerks-Komponenten und am Ende noch eine Fahrergage, ist aber noch keinen Meter gefahren.Die Anspruchshaltung der Nachwuchsfahrer ist also zu groß?Es ist die Haltung der ganzen Szene. Da wird ein Sponsor angebaggert. Der beißt an und wird in einer einzigen Saison ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Er kriegt aber nichts zurück. So ist es nur logisch, daß er nach einem Jahr wieder aussteigt. Auf diese Weise werden potente und gutwillige Geldgeber vertrieben und engagieren sich nie mehr im Motorradrennsport.Das ist nichts weiter als Bettelei. Und wir reden über richtig viel Geld. Ein Fahrer in der 125er DM kostet 120000 Mark pro Saison, und wenn er auch noch Europameisterschaft fahren will, 200000 Mark. Für einen Supersport 600-DM-Fahrer hast du 1993 rund 20000 Mark ausgegeben, heute reichen 100000 Mark nicht. Und was kriegt der Sponsor zurück auf dieser Ebene?Die nationalen Rennen für Sponsoren attraktiver zu machen, setzt aber voraus, daß alle beteiligten Instanzen wie Industrie, Verbände, Teams und Sponsoren endlich an einem Strang ziehen.Genau hier passiert überhaupt nichts. Das sind doch alles Eigenbrödler, die sich nicht für die Gesamtsituation interessieren. Der ADAC und in seinem Kielwasser auch der neue Dachverband DMSB sind schlecht und unprofessionell organisiert. Selbst grundsätzlich lobenswerte Dinge wie der ADAC-Junior-Cup werden schlampig gemanagt. So haben sie es geschafft, einen Sponsor wie Hein Gericke aus dem Junior Cup zu vertreiben.Aber auch die Industrie verhält sich nicht gerade euphorisch, wenn es darum geht, den Geldbeutel für den Rennsport zu öffnen.Die kriegen ja auch nichts dafür. In einem weltweit härter werdenden Motorradmarkt sehen die großen Firmen immer klarer, welche PR-Maßnahmen was bringen und welche nicht. Zum Beispiel hatte Honda mit dem Waldmann/Stappert-Team ja wirklich sehr erfolgreiche Partner. Aber der PR-Wert war viel zu gering, weil das Team und Waldmann nichts daraus gemacht haben. Wenn Honda stattdessen Fernsehwerbung macht, haben sie am Ende mehr davon, vor allem viel weniger Schwierigkeiten.Sie zeichnen die Situation des Motorradrennsports recht düster. Wie könnte ein Ausweg auf internationaler Ebene aussehen?Die ganze Geschichte muß endlich von Profis gemanagt werden. Die WM-Promotion-Agentur Dorna muß endlich von ihrem hohen Roß herunter. Die ahmen nur die Formel 1 nach. Das ist Quatsch. Sie sehen nicht den Welten-Unterschied.Auch im GP werden Sponsoren schlecht behandelt und langfristig vergrault. Die Fahrer haben einen zu hohen Stellenwert und machen nichts daraus. Noch einmal das Beispiel Waldmann: Der wird mit einer sportlich einwandfreien Leistung Vizeweltmeister. Und alle potentiellen Geldgeber wenden sich von ihm ab, warum? Weil er sich nach außen nicht professionell verhält und seine ganzen sportlichen Erfolge verpuffen. Wer so viel Geld verlangt wie er, muß auch einen Gegenwert in der Öffentlichkeit bringen.Was kann also helfen?Es zwar immer leicht, nach einem Bernie Ecclestone in der Motorrad-Welt zu schreien. Aber eine Person, welche, von allen Seiten akzeptiert, das Zepter fest in der Hand hält und auch in der Lage ist, die ganze Szene nach außen zu vertreten und vor allem glaubhaft auch für eine insgesamt profesionelle Struktur steht, würde schon weiterhelfen.

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