Interview Ralf Waldmann (Archivversion) »Der Fall ist erledigt“

? Ralf Waldmann hört auf – mit dieser Nachricht wird den deutschen Motorradsport-Fans Weihnachten aber gehörig verdorben. Ist’s wirklich wahr?Ja, der Fall ist erledigt. Meine Motorradsportkarriere ist definitiv beendet.? Aber Sie hatten doch ein Angebot von Aprilia, als zweiter Werksfahrer neben Troy Corser in die Superbike-WM umzusteigen.Das hat sich in Luft aufgelöst. Beim letzten GP in Australien legte mir Aprilia einen Vertrag zur Unterschrift vor. Doch ich wollte vorher mit dem Superbike fahren. Ich wusste zwar, dass ich bei den Tests mit dem Kawasaki-Superbike Ende ´98 einen guten Auftritt hatte, wollte aber einfach auf Nummer sicher gehen, dass mir der Umstieg gelingt. Den ersten Test in Valencia hatte ich wegen den Tests mit dem DTM-Mercedes in Hockenheim sausen lassen. ? Und Termin Nummer zwei? Dafür hatten wir, das heißt Sepp Schlögl, Dieter Stappert und ich, bereits die Flüge gebucht, und tags zuvor habe ich noch mal sicherheitshalber bei Aprilia angerufen. Da erfuhr ich, dass inzwischen Régis Laconi verpflichtet worden sei. ? Ein sauberer Abgang. Sie haben in der Saison 2000 immerhin zwei GP für Aprilia gewonnen und sind bester Aprilia-Fahrer in der 250er-WM.Klar, ein bitterer Nachgeschmack bleibt über die Art, wie mir abgesagt wurde. Aber sonst kann ich über die Italiener wirklich nichts Schlechtes sagen. Die Unterstützung während der Zeit bei Aprilia war immer erstklassig. Und ich wette, wenn Entwicklungschef Witteveen das letzte Wort in dieser Sache gehabt hätte, wäre ich 2001 Superbike gefahren. ? Es gab aber doch Alternativen? Zum Beispiel die Werks-Honda, die mit Geld vom Achterbahn-Verlag, dem Herausgeber der Werner-Comics, finanziert werden sollte.Für die Werks-Honda ist die Bestellfrist bereits abgelaufen. Der Deal mit dem Verlag war sowieso noch nicht unter Dach und Fach. Die Geschichte war mir zu unsicher. Mit zweitklassigem Material will ich auf gar keinen Fall antreten.? Tut ein unfreiwilliger Rückzug nach einer solchen Karriere nicht weh?Ehrlich gesagt war ich seelisch und moralisch bereits darauf vorbereitet, dass irgendwann mal einer kommt, der schneller ist. Weh tut jetzt nur, dass ich gehen muss, obwohl ich noch immer der schnellste Deutsche bin. Ein, zwei Jahre wäre ich schon noch gern gefahren. ? Und was macht Waldi nun?Waldi fährt Autorennen. In welcher Serie und in welchem Team will ich zwar noch nicht verraten, doch habe ich bereits ein unterschriftsreifes Angebot von einem Automobil-Team vorliegen. Komplett finanziert, mit Sponsoren und allem. Man muss sich das mal vorstellen: Die Auto-Leute konnten mit meinem Namen, einem Nobody im Vierradsport, auf Anhieb Sponsoren finden, und im Motorradsport blitze ich als GP-Sieger ab. Das ist doch der Wahnsinn. Da kann es mir um den Motorradsport und den Nachwuchs hier nur noch leid tun.? Das bedeutet also wirklich Schluss, Aus, Amen? Haben wir keine Chance, Waldi jemals wieder auf zwei Rädern auf der Rennstrecke zu sehen?Sagen wir mal so: Wenn sich ein Top-Fahrer verletzt oder sich sonst eine gute Chance ergibt, so wie bei Garry McCoy, der ja auch schon zurückgetreten war, als Yamaha ihn geholt hat, dann müsste man sich das gut überlegen.

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