Interview Walter Kafitz (Archivversion)

«Mit aller Macht um den Grand Prix kämpfen“

Walter Kafitz erwischte einen optimalen Start als neuer Nürburgring-Manager. Und er wird sich dafür stark machen, den 1995 zurückgewonnenen Motorrad-Grand Prix auf Dauer in der Eifel zu halten.

? Ihr erstes Amtsjahr als Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH war ein voller Erfolg. Nach jahrelanger Durststrecke kamen 1995 mit dem Motorrad-Grand Prix und der Formel 1 gleich zwei sportliche Highlights an den Ring zurück. Haben Sie in der Eifel Ihren Traumjob gefunden?Es war ein abwechslungsreiches Jahr, und es wurde nie langweilig. So einen Job kann man sich als Manager nur wünschen. Zum Erfolg des Motorrad-Grand Prix haben natürlich auch maßgeblich die Partner ADAC und Moto Motion sowie die Industrie beigetragen. Dazu hatten wir das Glück, daß es zuvor große Probleme mit dem GP in Hockenheim gab. Ich war wohl zur rechten Zeit am rechten Ort.? Kaum war der Grand Prix am Ring gelaufen, da tönte die Promoter-Agentur Moto Motion aber bereits, man wolle 1996 doch lieber nach Hockenheim gehen, wo sich wahrscheinlich mehr Profit machen läßt. Sahen Sie Ihre Felle schon wieder davonschwimmen?Natürlich hat mir das im ersten Moment gestunken. Aber das Ganze war nur ein Spiel von Geschäftsleuten. Die wollten ausloten, wie sie das Beste aus der Sache herausholen können. Moto Motion hatte bestimmt nicht die Absicht, wirklich nach Hockenheim zu gehen, schließlich gibt es einen Vertrag mit uns bis 1996. Und da wären sie auch nicht so einfach wieder herausgekommen.? Ist Moto Motion ein fairer und zuverlässiger Geschäftspartner, der Ihr Vertrauen genießt? Einige Leute in der Rennszene haben da gegenteilige Erfahrungen gemacht...Das mag schon sein, aber ich kann nur in bezug auf die Nürburgring GmbH und den Motorrad-Grand Prix sprechen, und da haben die Leute von Moto Motion einen guten Job gemacht. Sie haben sehr viel investiert, um den GP am Ring populär zu machen. Moto Motion ist ein harter Verhandlungspartner, der bis an die Grenze des Möglichen geht.? Am 7. Juli 1996 wird der deutsche WM-Lauf also erneut in der Eifel gestartet. Was passiert danach? Bleibt der Ring im Grand Prix-Kalender? Ich gehe davon aus, daß wir auch nach 1996 einen Motorrad-GP am Ring haben. Dafür werde ich jedenfalls mit aller Macht kämpfen.? Das Management der Hockenheimring GmbH könnte sich vorstellen, daß der Motorrad-Grand Prix in Zukunft wieder im jährlichen Wechsel auf dem Ring und im Motodrom stattfindet. Sie auch? Haben Sie mit den Kollegen aus Hockenheim schon einmal darüber gesprochen?Natürlich reden wir unter Kollegen. Ich stehe einem möglichen Wechsel grundsätzlich positiv gegenüber, wenn wir die Formel 1 in dieses Thema integrieren. ? Wie viele Zuschauer kamen 1995 zu den Rennveranstaltungen am Ring?Es wurden 650 000 Eintrittskarten verkauft. Das waren 250 000 mehr als im Jahr zuvor.? In welchem Umfang profitierte die strukturschwache Region vom Andrang der Fans?Das ist schwer in harte Zahlen zu fassen. Wir schätzen aber, daß von jeder Mark, die an der Rennstrecke ausgegeben wird, das drei- bis vierfache in der Region hängenbleibt. Im Februar haben wir zum Beispiel für zwei Millionen Mark die Strecke umgebaut. Den Auftrag bekam eine regionale Baufirma.? Zum Formel 1-Lauf im Oktober entstand die neue Mercedes-Tribüne am Castrol-S nach Start und Ziel. Wird sie auch beim nächsten Motorrad-Grand Prix geöffnet sein?Ja. Das ist ein Bauwerk, um das uns die Rennsportwelt beneidet. Mit 3300 Plätzen, der besten Sicht am Ring und mit sehr hohem Komfort.? Kurz nach Ihrem Amtsantritt vor einem Jahr sprachen Sie von zwei neuen Projekten, einem Freizeitpark und einem Gewerbepark. Was ist daraus geworden?Mit dem Bau des Freizeitparks wird im Mai 1996 begonnen. Die Einweihung ist ein Jahr später als Höhepunkt der Feier zum 70. Ring-Jubiläum vorgesehen. Im Anschluß an das Museum, also parallel zur Haupttribüne, wird ein zweistöckiges Gebäude hochgezogen. Im Erdgeschoß entsteht eine Indoor-Kartbahn. Obendrauf kommen zwei Etagen mit einer bunten Erlebniswelt. Dort wird es zum Beispiel Fahr- und Flugsimulatoren geben. Das ganze Objekt hat einen Wert von 50 Millionen Mark. Es wird mit Eigenmitteln, Fremdkapital und durch Sponsoren finanziert.? Wann ist mit dem Gewerbepark an der Döttinger Höhe zu rechnen?Ich gehe davon aus, daß er Ende 1996 in Betrieb genommen wird. Die Firmen werden von dem Gelände aus einen direkten Zugang zur Nordschleife haben. 40 Betriebe, viele davon aus der Tuningbranche, haben ihr Interesse bekundet. Unser Ziel ist es, dort mindestens 300 neue Arbeitsplätze zu schaffen.? In Ostdeutschland sind drei neue permanente Rennstrecken projektiert. Sehen Sie da gefährliche Konkurrenz für den Nürburgring erwachsen?Nein. Es gibt viele Waschmittel, aber nur ein Persil. Deshalb sehe ich da keine Probleme auf uns zukommen. Ich bewerte das Ganze positiv, denn das Interesse am Motorsport in Deutschland übertrifft sicher die Kapazitäten von Nürburg- und Hockenheimring.
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Kafitz, Dr. Walter: Interview (Archivversion) - Volkes Stimme

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Wie alt sind die Grand Prix-Besucher? Mit welchem Fahrzeug reisen sie zum Ring, wo übernachten sie, was wollen sie an der Rennstrecke sehen, waren sie zufrieden, und kommen sie im nächsten Jahr wieder? Fragen, auf die der Veranstalter Moto Motion beim Nürburgring-Grand Prix 1995 eine Antwort suchte. In einer repräsentativen Umfrage wurden deshalb 1596 Rennbesucher von Mitarbeitern der Uni Trier am GP-Wochenende interviewt. Ein Teilergebnis zeigen die Grafiken links. Ansonsten stellte sich heraus, daß 68,6 Prozent der Befragten Motorradfahrer sind, die meisten (42,4 Prozent) auf Campingplätzen übernachtet haben, 67,9 Prozent das preisgünstige Wochenend-Ticket kauften, 25,3 Prozent die Veranstaltung gut, 59,2 Prozent sogar sehr gut fanden und 81,6 Prozent auch 1996 wieder zum GP in die Eifel fahren wollen.

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