Interview zu Bioethanol (Archivversion)

Reiner Brendicke, Geschäftsführer des ­Industrie-Verbands Motorrad, zu Bioethanol.

Die Bundesregierung plant, den Anteil an Bioethanol in Kraftstoffen bis 2009 auf zehn Volumenprozent (E10) hochzusetzen. Wie sieht die Motorradindustrie diese Erhöhung?
Aus Biomasse gewonnenes Ethanol ist ein nachwachsender Energieträger, der gegenüber fossilen Energieträgern Vorteile im Bereich CO2-Ausstoß bietet, jedoch sind Anbau und Herstellungsprozess insgesamt nicht CO2- oder gar klimaneutral. Eine abschließende Beurteilung steht noch aus. Das Umweltministerium sammelt zurzeit sehr sorgfältig alle Fakten.

Welche Auswirkungen könnte die geplante Quote von E10 bei älteren Motorrädern haben? Gibt es Empfehlungen?
Ethanol ist ein stark lösendes Mittel und kann beispielsweise Kunststoffe angreifen. Allerdings sind in den USA bereits E10-Beimischungen weit verbreitet. In Brasilien kommt E25 bereits seit geraumer Zeit zum Einsatz. Sicherlich können unsere Mitglieder von den dort gesammelten Erfahrungen profitieren. Eine generelle Aussage zur Verträglichkeit lässt sich aufgrund der sich stetig verändernden Materialien im Motorradbau nicht machen. Der Fahrzeughersteller ist hier die erste Adresse. Teilweise gibt es in den Bedienungsanleitungen schon heute Empfehlungen zum Thema Kraftstoff. Da in Deutschland aber noch eine große Anzahl von älteren Motorrädern zugelassen ist, wird es wohl auch Fälle geben, für die keine verbindliche Aussage mehr getroffen werden kann.

Worauf sollten Motorradfahrer beim Tanken künftig achten? Wer muss teures Super Plus tanken?
Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Kraftradmodellen schreibt der Hersteller bereits heute die Verwendung von Super Plus vor. Im Zweifelsfall würden wir ebenfalls das Tanken von Super Plus empfehlen. So ist der Kunde so lange auf der sicheren Seite, bis ihm andere oder detailliertere Informationen von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden können.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel