Interview (Archivversion) Interview

Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verband Motorrad, zu den Plänen der Gesundheitsministerin

?Gesundheitsministerin Ulla Schmidt erwägt, ob Motorradfahren als Risikosportart einzustufen sei, und will eventuell private Zusatzversicherungen einführen. Was halten Sie davon?Ohne Zweifel hat das Thema »Motorisiertes Zweirad« auch sportliche Komponenten. Jedoch setzen die Motorradfahrerinnen und -fahrer in Deutschland ihr Zweirad als das ein, wozu es konzipiert wurde: als Fortbewegungsmittel. Übereinstimmend mit vielen Verbänden und Politikern ist auch der Industrie-Verband Motorrad der Meinung, dass Motorräder und Roller eine echte Alternative für den Individualverkehr darstellen, die gerade in Zeiten von staubelasteten Metropolen und Ballungszentren weiter gefördert werden muss. 75 Prozent aller verunfallten Zweiradfahrer werden ohne Eigenverschulden in einen Unfall verwickelt, so dass eine eventuelle Zusatzversicherung ohnehin nicht in eine Zahlungsverpflichtung kommen würde. Es ist daher keine zielführende Methode, auch auf Kosten der Motorradfahrer die Lücken des Gesundheitssystems zu stopfen.?Welche Konsequenzen befürchten Sie?Die Einführung einer solchen Versicherung führt zu einer Diskriminierung der Faszination Zweirad hin zum Bild eines gefährlichen Hobbys und würde darüber hinaus den Unterhalt eines Motorrades oder Rollers verteuern. Hier könnte eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, die später nur noch schwer zu bremsen sein dürfte. Was heute für Motorradfahrer gelten soll, könnte morgen auch schon für Automobilisten und Radfahrer gefordert werden, die sich aufgrund ihrer Form der Mobilität den durch den Verkehr verursachten Gefahren aussetzen.

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