Interview (Archivversion)

»Design muss erfolgreich sein...“

? Herr Kasten, welche dieser Motorräder hätten sie für ihre persönliche Hitliste ebenfalls ausgesucht?! Ganz ohne Zweifel die Ducati und die Harley-Davidson. Beides sind Motorräder, die über ihre gelungenen Proportionen die Dynamik zweier unterschiedlicher Arten Motorrad zu fahren, perfekt transportieren. Die Ducati ist in dieser Hinsicht schon ein Klassiker, die V-Rod wird ohne Zweifel einer werden und noch zusätzliche Ableger bekommen. So gründet man eine Familie. ? Das hat die Yamaha R1 mit ihrem Ableger R6 auch schon getan. Trotzdem kein Klassiker?! Wenn ich’s mir recht überlege, schon. Doch, die würde auch in meine Liste gehören. Das Motorrad ist zwar nicht überall stimmig, hat aber Charakter, einen hohen Wiedererkennungswert.? Wie kommt es, dass unter den hier ausgewählten Motorrädern nur ein Nippon-Vertreter ist?! Weil in Japan der Design-Prozess anders vonstatten geht. Da sitzen 30 Leute um einen Tisch, auf dem gute Entwürfe liegen. Aber sobald irgendjemandem etwas nicht gefällt, verschwindet es in der Schublade und wird nie wieder gesehen. Dabei ist völlig klar: Um Charakter zu schaffen, kann ich nicht jedem gefallen. Genau das versuchen die Japaner aber immer wieder.? Und wieso ist das in Europa anders?! Weil wir in dieser Hinsicht eine andere Tradition haben. Der Motorrad-Bau, aber auch der Automobilbau sind viel tiefer verwurzelt, das Selbstbewusstsein ist größer. Nehmen sie Massimo Tamburini. Meinen sie, der hätte die 916 anders entworfen, nur weil sie einem Kollegen nicht gefiel. Der wusste genau, was er wollte. Wohl auch, weil er im Prinzip Teil seiner eigenen Zielgruppe ist.? Stichwort Tamburini: Der 916-Nachfolger 999 von Pierre Terblanche wird in der Fangemeinde schwer diskutiert?! Ich gebe zu: die Aufgabe, eine Nachfolgerin für die 916 zu machen, ist schwer. Es gibt zwei Möglichkeiten: Den Charakter bewahren und moderne Features und Technologie in das bestehende Image einzubauen – dies wäre der sichere Weg gewesen. Herr Terblanche hat den riskanteren Weg gewählt und ein neues Erscheinungsbild zu kreieren versucht. Das polarisiert natürlich. ? Herr Kasten, nochmal: Wie hätte ihre persönliche Hitliste ausgesehen?! Die Ducati, die Harley und die Yamaha habe ich schon genannt. Hinzu käme in der Kategorie »Naked Bike« die Ducati Monster. Außerdem hat mich die BMW K 1200 LT in ihrer Konsequenz immer beeindruckt, weil sie das High End des Tourens für mich verkörpert. Und dann wäre da noch die Honda Transalp/Africa Twin. Als Reiseenduro zwei der wenigen echten japanischen Innovationen im Design der letzten Jahre und konsequent dem Einsatzzweck angepasst..
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Kasten, Hans-Georg: Interview (Archivversion) - Hans-Georg Kasten

geboren am 01.10.1946 in Hamburg, Studium an der FH Hamburg, Bereich Fahrzeugtechnik, Schwerpunkt Fahrzeugdesign. Von 1970 bis 1977 bei Porsche (928), von 1977 bis 1979 bei BMW Motorrad (GS 80, Grundstein K-Serie). Ende 1979 zusammen mit Jan Felstrom und Hans A. Muth Gründung von target DESIGN. Entwurf der Suzuki-Katana-Modelle, Paris-Dakar-BMW, Egli-Einzylinder, zuletzt der Studie Sachs Beast. target-Design ist außer für die Motorrad- und Automobilindustrie auch in allen anderen Bereichen klassischen Produktdesigns tätig und hat heute zehn Mitarbeiter. Firmensitz: Seefeld

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