Interview (Archivversion) Interview

Albert Lechner von der Verkehrspolizeiinspektion Tübingen über Geräuschkontrollen und Grenzwerte bei Motorrädern

Was halten Sie von einer weiteren Herabsetzung der Geräuschgrenzwerte, wie sie in der Europäischen Union geplant ist?Die derzeit gültigen Grenzwerte werden durch eine immer größer werdende Anzahl von Fahrzeugen überschritten. Genau die tragen zum subjektiven Eindruck in der Öffentlichkeit bei, Motorräder seien generell zu laut. Eine weitere Herabsetzung ändert nichts. Motorradfahrer werden noch leisere Serienfahrzeuge noch weniger akzeptieren und verstärkt zum Zubehörauspuff greifen. Zuerst müssen wir versuchen, die Einhaltung des aktuellen Grenzwerts durchzusetzen. Welche Schwierigkeiten hat die Polizei bei Geräuschkontrollen?Leider ist die Messung des Fahrgeräusches umständlich und wird deshalb selten durchgeführt. Viele Motorräder bleiben bei der üblichen Standgeräuschmessung unbeanstandet, obwohl sie akustisch negativ auffallen, weil sie den Grenzwert für das Fahrgeräusch, der derzeit bei 80 dB (A) liegt, erheblich überschreiten. In erster Linie handelt es sich um Zubehörauspuffanlagen mit EG-Genehmigung und um Fahrzeuge mit EG-Betriebserlaubnis, häufig von italienischen Herstellern, die bereits im Serienzustand zu laut sind. Dann gibt es Motorräder, an denen geräuschrelevante Umbauten vorgenommen und nachträglich in die Papiere eingetragen worden sind. Die Sachverständigen korrigieren häufig den Serienstandgeräuschwert, der keiner Vorschrift unterliegt. Werte bis zu 104 dB(A) sind keine Seltenheit. Den Fahrgeräuschwert belassen sie aber im Serienzustand. Wenn wir aber diesen nachprüfen, sind derartige Bikes oft mehr als 10 dB (A) zu laut. Welche Lösungsvorschläge haben Sie?Wirksame Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. Hersteller und Anbieter, die die Grenzwerte trotz EG-Genehmigung nicht einhalten, müssten mit hohen Geldbußen belegt werden. Zudem brauchen wir einfacher zu bedienende Messgeräte und mehr Polizeibeamte in diesem Überwachungsbereich. Das Bußgeld für Manipulationen am Auspuff beträgt seit 25 Jahren nur 100 Mark. Es muss deutlich angehoben werden. Die Überwachung der Arbeit der Sachverständigen und Prüfingenieure sollte verbessert werden. Bei jeder geräuschrelevanten Änderung muss eine Fahrgeräuschmessung folgen.

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