Interview (Archivversion) Die Qualität muss potenziert werden

Aprilia- und Guzzi-Chef Ivano Beggio, 56, über die Zukunft von Moto Guzzi.

Vor wenigen Tagen wurde der Aktientransfer abgeschlossen, Sie sind seither ganz offiziell Präsident von Moto Guzzi. Was haben Sie insgesamt für Moto Guzzi bezahlt?Umgerechnet rund 130 Millionen Mark, die Übernahme der bestehenden Schulden eingeschlossen. Was müssen Sie investieren, um Guzzi wieder auf Vordermann zu bringen?Bestimmt noch mal die gleiche Summe. Unser Investitionsplan sieht für die nächsten drei Jahre für alle unsere Marken und Werke, also Aprilia, Guzzi und Laverda, 350 Millionen Mark vor. Viele Leute denken, dass wir für Guzzi staatliche Subventionen bekommen, aber das ist fraglich. Von Regierungsseite hat man mir zwar dafür gedankt, dass wir Guzzi mitsamt seiner Belegschaft sozusagen gerettet haben, aber finanzielle Zusagen gibt es nicht.Wollen Sie bei Guzzi neue Leute einstellen?Guzzi hat 1999 nur 5500 Motorräder gebaut. Wir wollen und werden die Produktion natürlich steigern, aber das braucht etwas Zeit, weil wir praktisch bei Null anfangen. Eine Technikabteilung und Prototypen existierten existierten bei der Übernahme nicht. Die Technik werden wir mit frischen jungen Leuten aufbauen, ansonsten reicht vorläufig die bestehende Belegschaft.Bleiben die momentanen Guzzi-Modelle V11, California und Nevada erhalten?Ja. Wir arbeiten an der kompletten Guzzi-Palette, und zwar mit dem ganzen Know-how, das bei Aprilia vorhanden ist. Vor allem geht es erst mal darum, die Qualität der Motorräder nicht nur zu verbessern, sondern tatsächlich zu potenzieren.Was passiert mit dem steinalten Werk in Mandello? Kann man dort überhaupt moderne Motorräder bauen?Wie wir von Anfang an betont haben, bleibt das Werk erhalten. Wir haben dort etwas ganz Besonderes vor, nämlich eine Mischung aus Industriemuseum und Produktion. Es wird in Mandello eine Rundtour für Besucher geben, bei der sie eine Motorradproduktion mit modernsten Mitteln sehen und daneben die alten Anlagen. Es ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, und bis wir so weit sind, wird es natürlich eine Weile dauern, wir haben Guzzi ja erst vor ein paar Monaten übernommen. Stören ständige Besucherströme nicht die Produktion?(Lacht) Nein, das glaube ich nicht. Interessierte Besucher sollten eher motivierend auf die Belegschaft wirken.Neben der bestehenden Palette braucht Guzzi natürlich auch neue Modelle. An was arbeiten Ihre Ingenieure?Das möchte ich im Moment noch nicht verraten. Nur so viel: Die klassischen Bestandteile, also der V-Motor und der Kardan, bleiben bestehen. Und vielleicht zeigen wir schon in Mailand im Herbst 2001 eine kleine Neuheit.Wird es wie früher schon mal auch kleinvolumige Guzzi-Modelle geben, etwa mit 350er-Motor?Vorläufig nicht. Ich denke, eine moderne Moto Guzzi sollte mindestens 750 cm3 haben.Wo wollen Sie Guzzi auf dem Markt positionieren?In einer ganz klassischen Richtung zwischen BMW und Harley-Davidson. Etwa mit einer Modellreihe, die mehr in Harley-Richtung geht, und einer, die mehr BMW zuneigt.Weil von Guzzi in den letzten Jahren nicht mehr viel kam, hat sich gerade in Deutschland eine sehr aktive Szene von Guzzi-Tunern und ­Veredlern entwickelt. Was passiert mit denen in Zukunft?Wir sind froh, dass es diese Leute gibt, und wir danken ihnen, denn sie haben dazu beigetragen, die Marke überhaupt am Leben zu erhalten. Für sie wird es mit Sicherheit auch in Zukunft Platz geben, auch wenn wir natürlich das eine oder andere Sondermodell selber machen werden, wie etwa die limited edition V11 Rosso Mandello, die wir im September auf der Intermot in München präsentiert haben.Guzzi hat eine ruhmreiche sportliche Vergangenheit. Möchten Sie mit der Marke wieder auf die Rennstrecke?Es stimmt, Guzzi hat insgesamt 3.300 Rennen und zwölf Weltmeisterschaften gewonnen. Aber im Moment haben wir andere Prioritäten. Für die fernere Zukunft will ich eine Rückkehr zum Rennsport nicht ausschließen, aber wir müssen erst mal schauen, wie sich die Marke entwickelt.Sie haben kürzlich auch Laverda übernommen. Was passiert mit dieser anderen traditionsreichen Marke innerhalb der Aprilia-Gruppe?Die Übernahme ist erst gut einen Monat her, es ist noch zu früh, um über unsere Pläne für Laverda zu reden. Aber mit Sicherheit werden wir auch diese Marke wieder beleben.Aprilia hat sich vom Roller-Hersteller zu einem Konzern mit drei Motorradmarken gemausert. Wollen Sie weitere Marken dazu kaufen? Es gibt Gerüchte um Ducati und Piaggio.Nein, ich denke, es reicht. Ducati ist ein direkter Konkurrent von Aprilia und passt daher nicht in die Gruppe. Das gleiche gilt für Piaggio. Denkbar ist, dass wir irgendwann in der Zukunft Motoren oder Komponenten gemeinsam produzieren. Darüber kann man reden, schließlich sind wir alle europäische Hersteller.

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