Interview (Archivversion) «Kein geregelter Kat nötig“

Der IVM plädiert dafür, jene Motorräder als schadstoffarm einzustufen, die heute bereits die Grenzwerte von 1997/98 erfüllen.

Sie haben Grenzwerte vorgeschlagen, die vermutlich nur von Motorrädern mit geregeltem Kat erreicht werden können?Das Gegenteil ist der Fall. Die Grenzwerte der zukünftigen Euro 1-Norm setzen keinen geregelten Katalysator voraus. Sie sind - auch für viele ältere Maschinen - mit einem Nachrüst-Kat zu erfüllen oder mit Hilfe einer Abgasrückführung oder eines Sekundärluftsystems.Wie viele der neuen Motorräder erfüllen schon heute diese Norm?Zirka 25 Prozent. Kam es bei der Erstellung dieser Forderungen nicht zu Unstimmigkeiten im IVM? Es ist ja bekannt, daß BMW jedes Motorrad mit G-Kat ausrüstet, während beispielsweise Suzuki auf Vorgaben des Gesetzgebers wartet.Es gibt hier in der Tat unterschiedliche Auffassungen, aber die Initiative des IVM wird von allen Mitgliedern unterstützt. BMW ging damit zwar hinter Positionen zurück, die technisch bereits realisiert sind, aber Fakt ist auch, daß BMW Motorräder im Programm hat, die nicht mit geregeltem Katalysator ausgestattet werden können. Warum ist der IVM mit eigenen Vorschlägen in die Offensive gegangen?Die Politik kümmert sich zunächst einmal ums Automobil, das Motorrad wird in der Regel vergessen. Und wenn die Verantwortlichen dieses Manko realisieren, neigen sie zu Schnellschüssen. Ein Beispiel dafür ist das Fahrverbot bei Ozon-Alarm. Da wurde das Motorrad dem Auto gleichgestellt, was im Vorfeld, als es um Steuerbefreiung für Motorräder mit Kat ging, nicht der Fall war.Apropos Steuerbefreiung: Der Bundesfinanzhof hat kürzlich die Klage eines Motorradfahrers abgewiesen.Hier wurde nur entschieden, daß die Verweigerung einer Steuerbefreiung keine Diskriminierung darstellt. Jetzt ist die Politik gefragt.Gibt es hier neue Entwicklungen?Die Umweltministerkonferenz hat ein Papier verabschiedet, in dem steuerliche Vergünstigungen für Motorräder gefordert werden. Allerdings steht darin auch eine Menge Unsinn - so der Wunsch nach einem Zwei-Liter-Motorrad und verschärften Geräuschbestimmungen. Diese Forderungen widersprechen freilich europäischem Recht, sind also nicht durchzusetzen und haben eher Appellcharakter.Das Motorrad wird oft als Freizeit- und Spaßgerät bezeichnet. Schneidet sich die Industrie da nicht ins eigene Fleisch? Schließlich läßt sich ein »Spaßgerät« leichter von der Straße holen als ein notwendiges Fortbewegungsmittel.Vor allem viele Politiker denken so. Der IVM arbeitet deshalb auf europäischer Ebene an einer Studie mit, in der wir nachweisen, daß Motorrad und Roller effektive und ökologisch sinnvolle Fortbewegungsmittel sind.

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