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Motorrad des Jahres 2009: die europaweiten Wahlergebnisse; Interview mit „Wetten dass ...“-Wettkönig Lothar Schauer; Wüdo macht zu; Victory Capone

Europa-Wahl
Über 68000 Leser aus 13 Ländern wählten die Motorräder des Jahres 2009.

Jedes Land hat, auch was die Lieblings-Motorräder betrifft, seine Besonderheiten. In Deutschland beispielsweise räumt seit jeher BMW bei der Leserwahl groß ab (siehe Seite 100 ff.). In Italien sind es hauptsächlich Modelle italienischer Hersteller, und in Österreich – gewählt von den Usern des Onlineportals 1000PS.at – holt, wie sollte es anders sein, KTM vier von acht Titeln. Zählt man jedoch alle Ergebnisse der nationalen Leserwahlen Motorrad des Jahres 2009 zusammen, ergibt sich ein anderes Bild. Europaweit gesehen, schneiden die Japaner nämlich sehr viel besser ab. Wie man der Liste rechts entnehmen kann, ist – mit Ausnahme der Kategorie Trial/Enduros – unter den Top Drei minimum eine Nippon-Maschine zu finden. Dreimal sogar, und zwar in den Klassen Tourer, Allrounder und Naked Bikes, landen mit Kawasaki und Honda japanische Hersteller den ganz großen Coup. Die guten nationalen Ergebnisse von BMW, KTM und Co. relativieren sich, so dass nur noch in drei von sieben Kategorien – die Roller-Klasse entfällt mangels einheitlicher Wahlliste – ein europäischer Hersteller triumphiert.


Interview
„Das ZDF war heiß auf die Wette“
In der „Wetten, dass ...“-Sendung vom 28. Februar sind Lothar Schauer und Jeanette Effner auf einer BMW F 800 R Wettkönige geworden. Während der 45-jährige Motorradinstruktor einen Wheelie fuhr, wechselte Freundin Jeanette das Vorderrad.

Wie ist es zu dieser Wette gekommen?
Die Idee dazu hatte ich schon vor 15 Jahren und sie auch beim ZDF als Wette angemeldet. Nur lag ich damals nach einem Sturz im Krankenhaus, als der Sender auf mich zukam. Im Nachhinein war das wahrscheinlich ganz gut, weil ich seinerzeit fahrerisch noch nicht so weit war. Im Dezember letzten Jahres habe ich mich schließlich noch mal gemeldet, und das ZDF war richtig heiß auf die Wette.

Was passierte dann?
Die Redaktion wollte, dass wir die Wette einmal komplett vorführen. Jeanette und ich haben auf einem Flughafen bei Flensburg trainiert, sechs Wochen lang, jeden Tag vier Stunden. Ende Januar sind wir zweimal heftig gestürzt. Das Vorderrad war raus, und ich konnte die Kiste nicht mehr halten. Zum Glück blieben wir unverletzt. Bis zum 6. Februar, so die Vorgabe, mussten wir es zumindest einmal schaffen. Irgendwie hat es dann auch geklappt, die Fahrt aufzuzeichnen und auf Video einzuschicken. Trainiert haben wir danach erst wieder so richtig bei den Proben zur Sendung.

Im Fernsehen fahren Sie mit einer BMW F 800 R. Die gibt es doch noch gar nicht.
Das Motorrad hat uns BMW zur Verfügung gestellt, nachdem ich denen von der Idee erzählt hatte. Und es gab da noch den Fritz Doser aus unserem Team. Der arbeitet bei einem BMW-Händler in Översee bei Flensburg und hat sich richtig dahintergeklemmt, zusammen mit zwei Kollegen, Sven Lorenzen und Ronny Kleinschmidt. Die Jungs sind super, haben uns zweimal das Trainingsmotorrad wieder aufgebaut und uns erstklassig unterstützt bei der Wette.

Wie war das, im Fernsehen aufzutreten?

Zunächst einmal stressig. Wir haben, ohne die anderen Kandidaten zu kennen, allein auf dem Flughafen in Düsseldorf geprobt. Erst nach der Wette sind wir ins Studio. Es waren alle total nett, auch Thomas Gottschalk, dem es zwischendurch vor Spannung glatt die Sprache verschlagen hat. Die vom ZDF haben mir anschließend gesagt, dass sei die beste Wette gewesen, die sie jemals hatten. Und zu Hause nennen mich jetzt alle nur noch den „Wetten, dass ...“-Lothar.


Moto2: schnell in Valencia
Einen ersten Hinweis darauf, was ab 2011 von den Moto2-Motorrädern in der Straßen-WM zu erwarten sein wird, gaben die Testfahrten des spanischen Blusens-BQR-Teams. Das probierte seinen Moto2-Renner auf Basis eines Prototyp-Fahrwerks und eines Honda-600-cm3-Vierzylinders in Valencia aus. Dani Rivas, der 2008 für Blusens-BQR in der spanischen Supersport-Meisterschaft (CEV) auf einer Suzuki unterwegs war, fuhr eine Bestzeit von 1.36,85 Minuten. Zum Vergleich: Auf seiner CEV-Suzuki erreichte er 1.37,93 Minuten. Der offizielle Rekord aus einem Supersport-WM-Rennen liegt bei 1.37,57 Minuten, und die bislang schnellste Super­sport-Runde in einem Training endete mit 1.36,65 Minuten. Übrigens: Supersport-600er müssen mindestens 158 Kilogramm wiegen, Moto2-Maschinen nur 135 Kilo.


Aus die Maus
Schluss mit dem Treffen am Stilfser Joch: Weit über 10000 Motorradfahrer gaben sich dort in den vergangenen Jahren jeweils am ersten Juli-Wochenende ein Stelldichein. Doch 2009 findet das „Stelvio International“, so der offizielle Name, auf dem Alpenpass in Italien nicht statt. Der Motorradclub Stelvio hat nach 18 Jahren von der Organisation die Nase voll und mit Auflagen umliegender Gemeinden zu kämpfen. „Die Entscheidung tut weh“, sagt Präsident Candido Rizzi, „aber die Kosten steigen, und die Krise hat uns getroffen.“


Knigge für Busspuren
Am 5. Januar hat die Stadt London eine drei­jährige Versuchsperiode gestartet, in der Motorradfahrer in der britischen Hauptstadt die Busspuren mitbenutzen dürfen. Damit der Verkehr reibungslos fließt, hat der englische Motorrad-Industrieverband MCI nun einen zehn Regeln umfassenden Verhaltenskodex veröffentlicht. Dieser untersagt vor allem das Überholen, um Unfälle mit anderen Busspur-Nutzern wie Fahrradfahrern zu vermeiden. Auch schreibt er das Fahren mit angemessener Geschwindigkeit vor.


Neues Dienstfahrzeug für Dirk Nowitzki
Ob der Basketball-Star künftig mit dem Yamaha BW 50 NBA zu den Spielen seiner Dallas Mavericks fährt, ist unklar. Cool aussehen tut er zumindest, der Roller, mit einem stilisierten Basketball und NBA-Logo lackiert. Im Mai rollt er nach Europa, leider aber nicht zu den deutschen Händlern.


Kurz notiert
Hondas neuer Chef
Takanobu Ito heißt der designierte siebte Präsident und Vorstandsvorsitzende der Honda Motor Co., Ltd. Der 55-Jährige arbeitet noch als Senior Managing Director und tritt Ende Juni die Nachfolge von Takeo Fukui an, der dem Unternehmen als Berater und Direktor erhalten bleibt. Der Ernennung von Ito muss jetzt noch das Honda Motor Board of Directors bei der Jahreshaupt­versammlung im Juni zustimmen.

Noch drei
Die Polo-Filialen Nummer 95, 96 und 97 haben in Jüchen, Magdeburg und im schweizerischen Etoy ihre Pforten geöffnet. Damit fehlen dem Motorradzubehör-Spezialisten nur noch drei Standorte bis zur 100. Filiale. In Magdeburg gehört zum 800 Quadratmeter großen Verkaufsraum auch ein Bistro. Die Europazentrale in Jüchen beherbergt mit 1300 Quadratmetern den größten Polo-Shop Europas. Hier wird Anfang Mai auch das „POLODROM“ mit Open-Air-Bühne eingeweiht.

Fernweh-Festival
Am 14. und 15. März findet im historischen Förderturm von Bönen das Reise-Dia-Festival „Licht im Schacht“ statt. Neben anderen hält auch MOTORRAD-Unterwegs-Mitarbeiter Jo Deleker einen Vortrag über eine einjährige Südamerika-Reise. Weitere Infos im Netz: www.licht-im-schacht.com

Triumph sponsort MOGO
Bei der 26. Auflage des Hamburger MOGO ist Triumph einer der Hauptsponsoren. Der Motorrad-Gottesdienst findet am 7. Juni 2009 erstmals unter freiem Himmel neben dem Hamburger Michel statt. Letztes Jahr waren 39000 Motorräder dabei.


Victory/RSD Capone
Roland Sands ist der Shooting-Star der Custombike-Szene. Das beweist er einmal mehr mit der Victory Capone.

Der Name ist kein Zufall. Nicht, wenn man weiß, dass Roland Sands die amerikanischen Victory-Modelle ein wenig normal findet. Gute Cruiser, aber brav. Also hat er die Kingpin Eight Ball böser gemacht, sie mit roten Verzierungen aufgehübscht und ihr einen lauteren Auspuff verpasst. Aus ihm tönt nun der hubraumgrößere der beiden Victory-V2-Motoren mit 1731 Kubik. Außerdem zwingt Sands den Fahrer mit einem neuen Einzelsitz in eine aktivere Fahrposition. Und höher gelegte Rasten versprechen weniger Aufsetzer in Kurven.


Silverstone-Superlativ
Mit einem aufwendigen Umbau wollen die Betreiber der englischen Rennstrecke Silverstone die Action auf der Piste näher zu den Fans bringen. Weil der Kurs auf einem ehemaligen Militärflugplatz bislang hauptsächlich für Formel-1-Rennen diente und die meisten Tribünen aus Sicherheitsgründen weitab von der Piste platziert sind, wird eine neue Infield-Sektion gebaut. Höhepunkt ist eine Haarnadelkurve namens Arrowhead (Pfeilspitze). Simulationen ergaben, dass der 5,67 Kilometer lange Kurs ab 2010 der schnellste im Moto-GP-Zirkus werden wird, auf dem die Piloten Zeiten um 1.51,5 Minuten und eine Durchschnittsgeschwindig­keit von 182 km/h erreichen sollen.


Livett folgt auf Strifeldt
Mit Gerard Livett hat die FEMA, die Interessenvertretung der Motorradfahrer in der EU, einen neuen Präsiden­ten gewählt. Der Brite ist Nachfolger von Hans Petter Strifeldt aus Norwegen, der das Amt seit 2008 bekleidete. Nach seiner Wahl beim Jahrestreffen in Brüssel Anfang Februar durch Vertreter der 24 nationalen Motorradverbände aus 19 Ländern – darunter auch die Biker Union, der BVDM und Kuhle Wampe – sagte Livett, er wolle, dass Europas Biker eine starke Stimme hätten.


Neues Unterwegs-Sonderheft
Rechtzeitig zum Saisonstart erscheint das neue MOTORRAD-Sonderheft „Reisen Spezial“. Auf 168 Seiten dreht sich alles um die „Berge Europas“. Alpen, Pyrenäen, Kaukasus, Zentralmassiv und Montenegro werden in faszinierend bebilderten Reportagen vorgestellt. Obendrein gibt’s Tests zu Navi- und Gepäcksystemen sowie jede Menge Infos über Alpenpässe und Ver­sicherungen. Ab 18. März für 7,90 Euro am Kiosk.


Drahtlos warnen
Die carhs.communication GmbH will mit der TU Darmstadt in einem zweijährigen Projekt ein neues Kommunikations- und Warnsystem für Motorräder entwickeln. MoLife, so der Name, soll neben technischen Sensoren zur Ermittlung fahrdynamischer Zustände auch dem Fahrer erlauben, andere Biker per drahtloser Übertragung vor Gefahren zu warnen.


Wüdo schließt. Und kämpft weiter
Helmut Wüstenhöfer will nach wie vor seine Firma retten. Dabei sah es schon aus, als sei alles zu spät.

Die Nachricht kam per Mail. Überschrieben war sie mit den Worten: „Wüdo sagt tschüs“. Und im weiteren Verlauf stand, was zu befürchteten gewesen war: Die Rettung des Dortmunder BMW-Spezialisten ist vorerst gescheitert. Das Traditionsunternehmen litt unter anderem durch schleppenden Neufahrzeugverkauf und Auflösung des BMW-Händlervertrags Anfang 2007 finanzielle Not. Ende 2008 hatte das Finanzamt Dortmund/Unna einen Antrag auf Eröffnung eines In­solvenzverfahrens gestellt, weil Wüdo mit einer Steuerzahlung in Höhe von 33000 Euro in Verzug geraten war (MOTORRAD 5/2009). Bis Ende Februar blieb Familie Wüstenhöfer Zeit, ein Konzept für einen Neuanfang auszuarbeiten, das offensichtlich abgelehnt wurde. Auf Nachfrage von MOTORRAD gab sich Helmut Wüstenhöfer enttäuscht, aber kämpferisch: „Wir sehen eine Taschenlampe im Tunnel.“


Volle Ladung
Kawasaki denkt durchaus ernsthaft über eine ZZR 1400 mit Turbolader nach. In einer japanischen Fachzeitung für die Industrie war Mitte Februar von den Plänen zu lesen. Es gehe nicht um eine Ergänzung der Modellpalette im nächsten Jahr, hieß es. Eher darum, mit dem Motorrad mittelfristig eine Benchmark in Sachen Leistung und Leistungsvermögen des Unternehmens zu definieren.


Zur Post? Helm ab!
Zum Schutz vor Überfällen wird bundesweit bereits in etlichen Post-Filialen das Tragen von Helmen bei Betreten der Geschäftsstellen untersagt. Hintergrund: In der letzten Zeit seien immer öfter Filialen von Gangstern ausgeraubt worden, die sich mit Helmen maskierten und auf Motorrädern flüchteten. Ein Sprecher: „Wir wollen auch verhindern, dass Motorradfahrer dis­kre­ditiert werden.“


Easy Rider lässt grüßen
Wie lecker 50 Kubik verpackt sein können, zeigt ein Umbau von Motorrad Leitner (www.motorrad-leitner.de). Für einen österreichischen Kunden haben die Mechaniker einer Regal Raptor DD 50 ein neues Heck und größere Räder spendiert. Preis des Bikes: 3700 Euro.


Sport kompakt
Langstrecken-WM
Immerhin auf Rang drei der offiziellen ­Grading-Liste des Weltmotorsportverbands FIM für die Langstrecken-WM wird das deutsche RMT21-Honda-Team mit Teamchef und Fahrer Thoams Roth sowie Matti Seidel geführt. Damit gehört das engagierte Privat­team aus Hessen durchaus zum Kreis der Favoriten für die WM, die am 18. April mit den 24 Stunden in Le Mans beginnt. An­geführt wird die Liste vom Yamaha Austria Racing Team. Die Truppe um Boss Mandy Kainz rückte an die Spitze der Liste, nachdem die offizielle Suzuki-Truppe Endurance Racing zumindest derzeit nicht als permanentes Team der Langstrecken-WM geführt wird und sich wohl auf die beiden französischen 24-Stunden-Klassiker in Le Mans und Magny Cours beschränken wird.

Winter-MX Frankenbach
Der deutsche Top-Motocrosser Max Nagl war zwar beim traditionellen Saisonstart, dem Winter-Motocross in Frankenbach, vor Ort, konnte aber wegen einer Daumenverletzung nicht an den Start gehen. Damit schlug die große Stunde der jugendlichen MX2-Angreifer. Mit ihren flinken 250er-Vier­taktern hatten Ken Roczen (Suzuki), Markus Schiffer (KTM) und der Franzose Xaveir Boog (Suzuki) die 450er-Armada im Rennen der offenen Klasse fest im Griff und belegten in dieser Reihenfolge auch die ersten drei Plätze der Gesamtwertung. Die Einzelrennsiege teilten sich dabei die beiden Suzuki-MX2-Werksfahrer-Kollegen Boog und Roczen.

KTM: Fit für die IDM
Auf der Dortmunder Messe „Motorräder 2009“ stellte KTM sein offizielles Werks-Team für die deutsche Superbike-Meisterschaft IDM vor. Auf den brandneuen, rund 180 PS starken Rennern vom Typ KTM RC8 1190 R treten der zweifache deutsche Ex-Meister Stefan Nebel sowie der Gesamtsieger des Superstock-1000-FIM-Cup aus dem Jahre 2005, Didier Vankeymeulen aus Belgien, an. Beide fuhren bereits 2005 in einem Team – damals Yamaha Deutschland – und holten jeweils einen Titel.

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