Intro (Archivversion) Vorstellung Victory Core; Zulassungsstatistik; Wirtschaftskrise und Motorradbranche

Hart: Core
Auf der New Yorker Motorcycle Show hat die amerikanische Firma Victory ihr Konzeptbike „Core“ präsentiert.

Weniger geht kaum. Leitmotiv bei der Gestaltung der als „Performance Cruiser“ bezeichneten Maschine war die Reduktion aufs Wesentliche. So finden sich Tank, Airbox und Elektrik in den fünfteiligen Starrrahmen aus Aluminium-Sandguss integriert. Als Sitzgelegenheit reicht ein harter Sattel aus Mahagoni, als Auspuff eine sehr direkt geführte Edelstahlanlage. Der Motor der Core ist im wesentlichen baugleich mit dem der Serienmodelle von Victory, ein 50-Grad-V2. Er hat 1731 Kubikzentimeter und soll, luft-/ölgekühlt, 97 PS stark sein.


Traumduell: Rossi versus Bayliss auf Superbikes
Da haben sie noch gelacht: In einem Interview mit der italienischen Presse hatte MotoGP-Superstar Valentino Rossi geäußert, dass er die Rennen der Superbike-WM sehr attraktiv finde und nichts dagegen hätte, gegen den aktuellen und gerade zurückgetretenen Weltmeister Troy Bayliss (Ducati) zu fahren. „Ein Scherz“, versicherte Rossis Yamaha-Team. Inzwischen wurde bekannt, dass die Yamaha-Superbike-Rennabteilung mehr Motorräder präpariert, als für das normale WM-Programm nötig sind. Möglicher Termin für das Duell: das Superbike-Rennen in Doha/Qatar am 14. März.


Interview Stefan Pierer, KTM-Boss und Präsident ACEM
„Potenzial bei Urban Mobility“
Stefan Pierer, KTM-Boss und Präsident des Verbands der europäischen Hersteller (ACEM), über die Probleme und die Chancen der Motorradindustrie in der Krise.

Inwieweit und warum trifft die Finanzkrise auch die europäische Motorradindustrie? Können Sie die Größe der europäischen Motorradindustrie umreißen?
Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es für die Unternehmen auf dem Finanzmarkt schwierig, Kreditmittel zu beschaffen. Selbst das Interbankengeschäft funktioniert nicht. Resultat davon ist unter anderem eine erschwerte Kreditaufnahme für den Kauf eines Motorrads. Der Absatz in Europa reduzierte sich im vierten Quartal bereits um 25 Prozent. Bei rund 200000 Arbeitnehmern in der europäischen Motorradindustrie wird ein Gesamtumsatz von rund zehn Milliarden Euro erwirtschaftet. Den größten Anteil daran haben die Märkte in Italien, Deutschland, Spanien und England.

Was erwartet die Motorradindustrie von Brüssel und den einzelnen nationalen Regierungen?
Die Motorradindustrie erhofft sich, beim Auto-Konjunktur-Paket nicht vergessen zu werden. Die Finanzkrise trifft vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Die deutsche Regierung zum Beispiel fördert den Absatz von Neuwagen mit Steuersenkungen und gewährt Verschrottungsprämien. So etwas wäre in allen EU-Mitgliedsländern hilfreich.

Wen kritisieren Sie der Krise wegen?
Die Finanzkrise ist Auslöser der Wirtschaftskrise. Außerdem leiden wir unter dem Brüssel-Syndrom. Die Umsetzung von Entscheidungen aus Brüssel dauert auf nationaler Beamtenebene viel zu lange. Die von der Europäischen Zentralbank durchgeführten Zinssenkungen werden von den Banken nicht an die Unternehmen weitergegeben.

Ihre Schlüsse aus der Krise?
Eine große Chance und sehr viel Wachstumspotenzial liegt für uns im Bereich der Urban Mobility. Wir erwarten, dass die Nachfrage an Fahrzeugen für den urbanen Bereich in den nächsten zehn Jahren um über 40 Prozent anwächst. Zudem werden wir auf alternative Antriebskonzepte setzen. KTM entwickelt zurzeit etwa ein Offroad-E-Bike, das 2010 in Serie geht.


Bitte recht freundlich
Es dürfte zukünftig schwerer fallen, nett in die Blitzkiste zu lächeln. Denn die Aufnahmen werden erheblich teurer. Auch viele andere Vergehen werden ab diesem Jahr auf Grundlage eines neuen Bußgeldkatalogs strenger geahndet. Vor allem soll es darum gehen, besonders unfallträchtiges Fahrverhalten stärker zu ahnden. Angehoben wurde deshalb auch die Bußgeldobergrenze für Alkoholverstöße von 1500 auf 3000 Euro. Nichts ändert sich bei Verwarnungsgeldern, Parkverstößen und der Dauer zu verhängender Fahrverbote. Aus dem Verkehrsministerium heißt es, zusätzliche Einnahmen sollten „für mehr Verkehrssicherheit ausgegeben werden“.


Da guckst du
Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. So wird sich Kawasaki Deutschland künftig als Industriepartner des blinden Rennfahrers Ralf Mackel profilieren. Der von Geburt blinde Mackel (Porträt in MOTORRAD 18/2006) hat schon in der Jugend begonnen, Autos und Motorräder zu fahren. Nun soll er für den Hersteller bei Promoterminen auftreten. Geplant ist eine schnelle ZX-10R-Runde auf dem Sachsenring.


Verfahren wegen Steuerschulden
Das Finanzamt Dortmund/Unna hat Antrag auf ein Insolvenzverfahren gegen Wüdo gestellt. Der BMW-Spezialist ist mit Steuerzahlungen in Höhe von 33000 Euro in Verzug geraten. Nach Auflösung des Vertrags mit BMW gingen unverkaufte Maschinen an den Hersteller zurück, woraus eine Umsatzsteuerlast resultiert, die aus dem laufenden Geschäft kaum zu regulieren sei. Darauf hatte Chef Helmut Wüstenhöfer das Amt hingewiesen, um adäquate Zahlungsmodalitäten zu vereinbaren.


Riders on the Snow
Den vorderen Reifen durch eine Kufe ersetzen, den hinteren durch einen mit bis zu 300 Spikes präparierten, fertig ist der Slidescooter (www.slidescooters.com). Kompatibel ist der Umrüstkit von www.riminimoto.net für viele Rollermodelle von Aprilia bis Yamaha.


Kurz notiert
Domenicali im Vorstand
Im Vorstand von Ducati sitzt jetzt der Produktionschef Claudio Domenicali, 43, der auch an der Spitze des hauseigenen Rennstalls Ducati Corse steht. Langfristig ist Domenicali offenbar als Big Boss von Ducati vorgesehen.

Brust-Panzer
Zusammen mit der Uni München arbeitet Dainese an einem Thoraxprotektor, der noch 2009 auf den Markt kommen soll. Der Brustprotektor besteht aus einer Polypropylen-Hartschale, einer Wabenschicht aus Aluminium und atmungsaktivem Nylongewebe. Vor allem bei frontalen Anstößen soll er die auf den Thorax einwirkenden Kräfte verteilen und gefährliche Rippenfrakturen vermeiden.

Road Movie
Peter Fonda, Bruce Dern und Nancy Sinatra spielen die Hauptrollen in „The Wild Angels“, einem Biker-Film, den Regisseur Roger Corman 1966, drei Jahre vor „Easy Rider“, drehte. Ab 13. Februar ist die Geschichte um ein Hells Angels Chapter aus Los Angeles auf DVD im Handel zu haben. Preis: um 18 Euro.

Unter Strom
In den USA haben sich zahlreiche Batteriehersteller zu einem Verbund zusammengeschlossen, um neuartige Akkus für die Fahrzeugindustrie zu entwickeln. In den kommenden fünf Jahren sollen mit staatlicher Förderung rund 1,5 Milliarden Euro investiert werden, um Prototypen zu produzieren. Fortschritte der Batterietechnik bestimmten die Fortschritte alternativer Antriebe, hieß es.


Norton Ala’Verda
Daniel Delfour aus Frankreich hatte einen Traum. Er träumte von einer selbstgebauten Maschine – das tun viele. Der Unterschied ist: Er hat ihn sich erfüllt.

Alles begann mit einem Motor. Nicht irgendeiner, sondern ein Norton Commando 850 MK3 der letzten Serie. Delfour, seines Zeichens großer Norton-Fan, verpasste ihm eine leichtere Kurbelwelle, geschmiedete JE-Aluminium-Kolben und eine Nockenwelle von Megacycle. Er überholte die Zündung, spendierte eine neue Auspuffanlage und wurde mit 72 PS belohnt. Für das, was den Twin umgeben sollte, suchte Delfour nach etwas Besonde-rem. Fündig wurde er in der Garage eines Freunds, wo der Rahmen einer Laverda 650 vor sich hingammelte. Der sollte es sein. Nach Änderungen an Schwinge und Getriebe passten Motor und Rahmen perfekt zusammen – der englisch-italienische Hybrid war fertig. Angeblich hat ein US-Klassik-Händler 50000 Euro geboten.


Am Ende steht ein deutliches Minus
Ein Blick in die Jahreszulassungsstatistik 2008 verrät: In neun von zwölf Monaten bleiben die Zulassungszahlen in Deutschland, mal knapp, mal deutlich hinter denen des Vorjahres zurück. Am Ende steht deshalb, wenig überraschend, ein Minus von 9,56 Prozent. Das sind absolut gesehen mit 103888 neu zugelassenen Motorrädern 10984 Stück weniger als 2007. Hart getroffen, mit zweistelligen Prozentverlusten, hat es BMW, die mit 17,4 Prozent Anteil aber weiterhin Marktführer sind, außerdem Suzuki und Yamaha. Zu den Gewinnern zählen Aprilia, Harley, Triumph, KTM und Ducati. Neben Motorrädern sind 2008 13691 Kraftroller (plus 56,54 Prozent), 17522 Leichkrafträder (plus 23,13 Prozent) und 31180 Leichtkraftroller (plus 7,39 Prozent) neu zugelassen worden.


Rookies-Cup gekürzt
Eine Sparmaßnahme trifft im Sog der weltweiten Wirtschaftskrise auch das Nachwuchsprogramm des österreichischen Energy-Drink-Herstellers Red Bull und des Grand-Prix-Vermarkters Dorna. Die erst 2008 gestartete US-Version des Red-Bull-Rookies-Cups wird komplett gestrichen, das Programm für das europäische Original von zwölf Rennen bei zehn Veranstaltungen auf acht Wettbewerbe im Rahmen von sechs Grand Prix gekürzt. Deutsche Talente haben sich für 2009 nicht qualifiziert.


Land Hessen geht in Berufung
Schlechte Nachrichten im Fall des 2002 tödlich verunglückten Harry Leugner: Die Hoffnung seiner Hinterbliebenen auf ein baldiges Ende des Rechtsstreits mit dem Land Hessen – MOTORRAD berichtete in Ausgabe 2/2009 – ist geplatzt. Wie Jakob Bochem, der Anwalt von Steffi Leugner, mitteilte, hat das Land Berufung gegen das Grund- und Teilurteil vom Landgericht Limburg eingelegt und eine Fristverlängerung bis zum 23. Februar für die Begründung der Berufung beantragt. „Damit erreicht das Land, dass das Urteil vorerst nicht rechtskräftig wird und sich die Rechtskraft der Entscheidung verzögert“, erklärt Bochem, „ich hatte es befürchtet.“ Harry Leugner war bei einem Motorradunfall auf bitumengeflickter Strecke in Hessen ums Leben gekommen. Seitdem prozessiert seine Witwe gegen das Land wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht.


Die Krise gekriegt
Die Wirtschaftskrise zieht ihre Kreise. Jetzt haben Suzuki und Yamaha angekündigt, ihre Produktionen vorübergehend stilllegen zu wollen. Bei Suzuki sind sieben japanische Werke betroffen, in denen die Arbeit bis zu acht Tage ruhen soll. Yamaha plant in allen Sparten Produktionsstopps für mindestens zehn Tage in elf Werken in Japan. Ziel der Maßnahmen ist es offensichtlich, Überproduktionen abzubauen. Zu den Reaktionen auf die Krise zählt auch die Absage der im Dezember geplanten Messe „Die Bike“ in Wien.


Wenn Funktionalität auf schlichte Schönheit trifft
Nicht immer kommt etwas Fahrbares dabei heraus, wenn sich Designer an Motorrädern versuchen. Für Chicara Nagato allerdings steht die Funktionalität neben schlichter Schönheit an oberster Stelle. Die Maschinen seiner „Liquid Chrome“-Kollektion sind noch dazu überwiegend handgefertigt. In jedem der insgesamt vier Exemplare stecken 500 Einzelteile und bis zu 7500 Arbeitsstunden; www. chicara.com.


Sport kompakt
England-Grand-Prix: Silverstone verdrängt Donington
Nachdem er 22 Jahre lang in Donington Park zu Hause war, wird der britische Motorrad-Grand-Prix ab 2010 wieder für mindestens fünf Jahre in Silverstone stattfinden. Darauf einigten sich die Silverstone-Rennstreckenbetreiber mit der GP-Vermarktungsagentur Dorna. Was einerseits ein herber Rückschlag für die Konkurrenz in Donington ist, wo der Rennkurs mit einem millionenschweren Renovierungsprogramm für einen zehnjährigen Formel-1-Vertrag fit gemacht werden soll, andererseits sehr gemischte Reaktionen in den englischen Medien auslöste. Denn Silverstone gilt als für Motorradrennen unattraktive F1-Piste, weil Besucher durch große Entfernung der Zuschauerplätze und hohe Zäune vom Renngeschehen distanziert werden. Zwar soll in Silverstone umgebaut werden, doch eine Online-Abstimmung auf der britischen Internetseite www.crash.net favorisierte Donington mit 36 Prozent Zustimmung vor Brands Hatch (34 Prozent) und Silverstone (30) klar als beliebtesten GP-Schauplatz.

Honda-Rückzug in Australien
Wie in Amerika beendet auch in Australien der örtliche Honda-Importeur die direkte Unterstüt-zung der nationalen Superbike-Meisterschaft. Allerdings wird die Marke durch das Team Motologic, das mit seinem Piloten Glen Allerton 2008 den Titel gewann, in der Serie präsent bleiben. Motologic-Teamchef Paul Free will mit neuen Geldgebern und Honda-Motorrädern weitermachen.

IDM: mit Kawasaki – irgendwie?
Der zum Saisonende der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) beschlossene Ausstieg von Kawasaki ist noch nicht endgültig. Vertragliche Verpflichtungen gegenüber Stefan Prein, Betreiber des Kawasaki-Superbike-Teams 2008, könnten dafür sorgen, dass die Grünen – in welcher Form auch immer – am Start sein werden.

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