Italien in Aufruhr (Archivversion) Italien in<br /><br /> Aufruhr

Die italienische Motorradindustrie wird mir stets ein Rätsel bleiben. Diverse Marken aus dem Land der Emotionen werben mit teilweise herrlichen Maschinen
um die Gunst der Käufer, die meisten jedoch, ohne wirklich rentabel zu sein. Warum? Weil sie sich mit ähnlichen Produkten gegenseitig bis aufs Messer bekämpfen. Statt sich für ihre
Marke spezielle Segmente des Marktes herauszuschneiden, tummeln sich italienische Hersteller munter, aber ruinös im Supersportlersegment. Immer wieder geraten so selbst große Firmen wie unlängst Aprilia in bedrohliche Schieflage.
MV-Agusta-Boss Claudio Castiglioni scheint sich ein
weiteres Mal gerettet zu haben. Seit Jahren suchte er einen Partner, den er nun mit dem malaysischen Fahrzeugproduzen-
ten Proton gefunden hat. Die zweijährige staatlich kontrollierte Verwaltung, die immerhin dazu geführt hat, dass MV wieder
produzieren konnte und Castiglioni Zeit gewann, kann also
als Erfolg angesehen werden.
Bei Aprilia stehen die Dinge anders. Die Gläubigerbanken wollen die Firma schnellstens verkaufen. Jetzt bietet sogar
Ducati mit. Die Politik ist klar. Man will sich einen ernsthaften Konkurrenten vom Leib halten. Schon vor einigen Wochen hatte Ducati-Chef Federico Minoli ein Gebot für Moto Guzzi abgegeben. Vergeblich. Nun versucht man es eben mit dem ganzen Laden. Aber was will Ducati mit Aprilia-Rollern? Sicher gleich weiterverkaufen, die Piaggio-Gruppe wartet ja nur darauf. So hätte sie ebenfalls einen lästigen Konkurrenten geschluckt.
»In ein paar Jahren werden nur noch zwei Hersteller in
Italien übrig sein«, prophezeite mir vor einiger Zeit der damalige Aprilia-Präsident Ivano Beggio. Er könnte Recht behalten.

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