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Schnäppchenjagd auf Augustusburg

Angefangen hat alles vor 29 Jahren aus der Not heraus«, erinnerte sich Werner Sieber, Direktor des südöstlich von Chemnitz gelegenen Schlosses. »Ersatzteile für Motorräder waren in der DDR schwer zu bekommen oder unbezahlbar.« 1970, zur Premiere des Tausch- und Kleinhandels, kamen knapp 150 Leute zur Augustusburg, heuer, am 9. Januar, waren’s 17 000, darunter immerhin 1500 Motorradfahrer. Die sich von der Mehrzahl der Besucher gebührend bestaunen ließen. Denn das Wintertreffen ist im Lauf der Jahre zum Ausflugsziel auch der nicht kradelnden Bevölkerung avanciert. Und die goutierte die bläuliche, von beißendem Zweitakt-Gerüchen geschwängerte Wolke über dem Anfahrtsweg, auf dem schwer bepackte MZ und Oldtimer-Gespanne mühselig nach oben strebten. Verzweifelt versuchten einige Biker mittels rhythmischen Wippens ihre Maschine voranzutreiben. Nicht immer mit Erfolg, obwohl’s keinen Schnee gab. Dafür Regen und Nebel. Im »Steinbruch«, dem Handelsplatz am Fuß der Augustusburg, fahndeten die Bastler nach seltenen Teilen, bejubelten den endlich gefundenen AWO-Kipphebel und bestaunten die Motorradunikate und - raritäten im Innenhof, des Schlosses. Wo saharafarbene Wehrmachtsgespanne sich neben brillant restaurierten DDR-Klassikern von AWO, EMW und MZ breitmachten - Anschauungsunterricht zur Geschichte des Motorradbaus. »Das sind noch echte Motorräder«, verklickerte ein glühweinseliger Großvater seinen Enkel. Daß die Zeiten sich geändert haben, fiel natürlich auch den Schnäppchenjägern auf. »Vor der Wende hat ein Rahmen für eine AWO-Touring 50 Mark gekostet, heute mußt du mindestens 300 Mark dafür hinlegen.« Aber damals wie heute gilt: »Für das Geld kann man’s nicht selber machen.« fis

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