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Speed Drifting mit Karl Maier Ein Weltmeister, eine BMW S 1000 RR, eine Sandbahn

Die reizvollsten Landstraßen sind in der Saison überfüllt, die Autobahnen meist geschwindigkeitsreglementiert. Wohin also mit dem Superbike? Ganz klar: auf die Sandbahn. Ein Weltmeister zeigt, wie das funktioniert. MOTORRAD stattet Karl Maier und seiner BMW S 1000 RR einen Besuch ab.

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Natürlich kann und sollte man in einem Jubiläumsheft sehr viel von alten Zeiten schreiben. Die aktuelle Technik ganz besonders ausführlich zu behandeln bietet sich in einem dicken Geburtstagsheft ebenfalls an. Doch fehlt da nicht noch etwas? Ganz klar: der Blick in die Zukunft, die Perspektiven für das schönste Hobby der Welt. Noch konkreter: eine Antwort auf die Frage, wie es mit der vielleicht wichtigsten Motorradkategorie weitergehen kann; denn Superbikes vom Schlage einer BMW S 1000 RR finden im öffentlichen Straßenverkehr immer weniger Entfaltungsmöglichkeiten. Renntrainings sind eine Alternative, doch nicht jeder wohnt im Dunstkreis einer permanenten Straßenrennstrecke. Bahnsport-Ovale gibt es dagegen – welch brillante Metapher – wie Sand am Meer, sogar in Norddeutschland. Was liegt also näher, als sich mit der 1000er auf Speedway- oder Langbahnkursen auszutoben? Eben. MOTORRAD präsentiert weltexplosiv die kommende Trendsportart Nummer eins: Speed Drifting. Und kein Geringerer als der vierfache Langbahn-Weltmeister Karl Maier zeigt, wie’s geht.

Zitat Karl Maier aus den Videoaufnahmen: "Jetzt probier mers hoit oinfach amoi!"
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"Wir brauchen für die 17 noch etwas Beklopptes"

Vergessen Sie bitte ganz schnell den vorstehenden Absatz. Das ist an den Haaren herbeigezogenes Gewäsch, das dieser Geschichte halbwegs den Anschein von Seriosität geben soll. Doch da das nie klappen wird, können wir auch schreiben, wie’s wirklich war. Also dann, Anruf vom Cheffe beim Redakteur: „Wir brauchen für die 17 noch etwas Beklopptes. Meinst du, wir könnten mit Karl etwas machen?“ Kurzer Exkurs für MOTORRAD-Gelegenheitsleser: Karl Maier ist seit geraumer Zeit der MOTORRAD-Fachmann für alles Verrückte, was mit Querfahren zu tun hat. Der Ur-Bayer ist zwar schon 55 Jahre alt, wird aber garantiert nie erwachsen. Anruf des Redakteurs bei Karl (Achtung: als unverbindliche Frage gemeint): „Meinst du, man könnte es mit der 1000er auf der Speedway-Bahn etwas krachen lassen?“ Antwort Karl: „Müsst schon gehen. Ich mach mir mal Gedanken.“

Nach Grip-kein-Grip-Grip folgt ein saube­rer Highsider

Karl macht sich keine weiteren Gedanken, er schafft vollendete Tatsachen. Bereits einen Tag nach dem (unverbindlichen!) Telefonat organisiert er eine gut abgehangene und von BMW als Totalschaden abgeschriebene S 1000 RR des Modelljahrs 2012. Er ignoriert weiterhin die seit über drei Jahren von seiner Frau vorgebrachte Bitte, den tropfenden Wasserhahn im Bad zu reparieren. Und er lässt mitten in der Saison seine BMW-Werkstatt einfach Werkstatt sein („Das können meine Jungs auch allein!“), um sich ans Werk zu machen: Verkleidung kürzen, breiten Superbike-Lenker von AC Schnitzer montieren, Conti TKC 80 aufziehen, ABS und Traktionskontrolle stilllegen, Steigbügel (Original-Sandbahn-Fußraste für die rechte Seite) verlängern und montieren. Außerdem baut er das Hinterrad leicht schräg ein („Schiebt sonst zu sehr übers Vorderrad“). Fertig ist die Laube, und der zum (unverbindlichen!) Vorgespräch angerückte Redakteur wird mit der Frage konfrontiert, wann es denn nun endlich losgehen könne. Ein klarer Fall von Missverständnis – Karl war mal wieder zu schnell.

Vier Wochen später ist es dann tatsächlich so weit: Im Speedway-Stadion des AC Landshut stehen Fotograf, Kamerafrau und Redakteure bereit, um das Rollout des Speed Drifters zu erleben. Statt mit 70 PS und 90 Kilogramm geht es nun mit 200 PS und 190 Kilogramm um die 400-Meter-Bahn. Und wie es geht: Karl stellt die BMW S 1000 RR mit einer solchen Lässigkeit quer, dass man Tränen der Rührung vergießen möchte. Kurze Irritation beim Warmfahren: Eine nicht ganz abgetrocknete Stelle im Kurvenscheitelpunkt sorgt für das berüchtigte Grip-kein-Grip-Grip, was mit einem saube­ren Highsider endet. Egal, Scheinwerfer und linke Fußraste werden dem Gott der Geschwindigkeit geopfert, und der in seiner aktiven Zeit meist sturzfreie Karl kommentiert das Malheur gewohnt locker: „Links brauche ich eh keine Raste.“ Die Fahrtechnik unterscheidet sich laut vierfachem Weltmeister nur unwesentlich vom bewährten Bahnsport-Stil: „Immer schön Gas geben, auch und besonders in den Kurven. Und vor allem niemals bremsen.“

Am Ende des Tages bekommt die als einmalige Gaudi gedachte Aktion eine gewisse Eigendynamik, denn Karl plant schon weiter: „Mit einem 19-Zöller vorn und ohne Bremse (Gewicht) müsst’s noch besser gehen.“ War das die Geburtsstunde einer neuen Trendsportart? Bitte nehmen Sie den ers­ten Absatz doch lieber ernst.

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