Kasten NR 500 (Archivversion) Letzter Anlauf

Die NR 500 war Hondas vorerst letzter Versuch, den Zweitaktern im Grand Prix-Sport mit einem Viertakter Paroli zu bieten. Ein mutiger Versuch. Als die NR 500 1979 antrat, hätte es, um die Leistungsfähigkeit der aktuellen Zweitakter auch nur theoretisch zu erreichen, mindestens einen Achtzylinder-Viertakter gebraucht. Die FIM hatte inzwischen die Zylinderzahl in der 500er Klasse aber auf vier begrenzt. Um die gleiche Leistung wie mit einem Achtzylinder-Vierventiler zu erreichen, setzte Honda auf einen V4-Motor mit ovalen Kolben sowie acht winzigen Ventilen und zwei Zündkerzen pro Zylinder. Die Idee zur ungewöhnlichen Kolbenform bekam Entwicklungsleiter Shoichiro Irimajiri an einer Verkehrsampel: »Warum muß denn ein Kolben unbedingt rund sein? Wenn zwei oder mehr runde Kolben, ähnlich wie bei einer Ampel, zu einem Oval zusammengefaßt werden, handelt es sich im Sinne des Reglements immer noch um einen einzigen Kolben. Er bietet aber die Möglichkeit, genauso viele Ventile darüber anzuordnen wie bei dem benötigten Achtzylinder.« Der 100-Grad-V-Motor der ersten NR 500 erreichte 115 PS bei 19 000/min und steckte in einem Aluminium-Monocoque-Fahrwerk, das allerdings mit frustrierender Regelmäßigkeit brach. Bald schon wurde NR spöttisch mit Nearly Ready - fast fertig - übersetzt. Die 1980er Version der NR 500 hatte fast kein Teil mehr mit der Vorgängerin gemeinsam. Der Zylinderwinkel wurde auf 90 Grad reduziert, und je Kolben ein Doppelpleuel verwendet. Bei über 20 000 /min brachte der Motor gut 130 PS. Der Leistungseinsatz aber war nach wie vor schwach. Auch der neue Doppelschleifen-Rohrrahmen änderte nichts am problematischen Fahrverhalten. Gegen die Zweitakt-Konkurrenz konnten die Honda-Piloten mit dem exotischen Viertakter 1979 und 1980 keinen einzigen WM-Punkt holen - das Projekt wurde wieder gestoppt.

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