Kaufberatung: Aktien von Motorrad-Firmen (Archivversion) Höhenflüge

Die Motorradbranche ist im Großen und ganzen gesund. Warum also nicht einmal in Aktien von Motorradfirmen investieren? Es locken gute Gewinne. Horst Fugger, Anlagenspezialist beim Fachblatt Börse online, gibt Ratschläge.

Für viele Biker ist eine Harley wohl noch immer das Nonplusultra. Wer vor zehn Jahren einige tausend Mark in die Aktie von Harley-Davidson investiert hätte, könnte sich heute locker seine Traummaschine leisten. 1987 lag der Kurs bei 1,20 Dollar, der Höchstkurs 1996 betrug 49,50 Dollar. Trotz des enormen Kursanstiegs gilt die Harley-Aktie noch immer als aussichtsreich, denn die Nachfrage nach den Kult-Bikes ist enorm, und Harley verzeichnet seit Jahren zweistellige Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn. Die Aktie wird seit einiger Zeit auch in Deutschland gehandelt (Börse Berlin, Wertpapier-Kennummer 871394). Die japanischen Motorradhersteller standen in den vergangenen Monaten unter dem Einfluß einer schwachen Gesamttendenz an der Börse in Tokio. Deutsche Anleger hatten neben Kursverlusten auch noch Währungseinbußen zu verzeichnen, weil der Yen sich gegenüber der Mark deutlich abschwächte. Der allgemeine Kursrutsch in Tokio dürfte noch nicht ausgestanden sein. Wer jetzt in Aktien japanischer Motorradhersteller investiert, braucht einen langen Atem und gute Nerven. Ein positiver Aspekt: Da der Yen sich vor allem gegenüber dem US-Dollar abgeschwächt hat, sind japanische Motorräder nun für Amerikaner deutlich«billiger« geworden, und die USA sind mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt für die stark exportabhängige Auto- und Motorradindustrie Japans. Beispiel Honda. In den ersten neun Monaten1996 stieg der Umsatz in den USA zwar nur um drei Prozent, umgerechnet in Yen war aber ein sattes Plus von 30 Prozent zu verzeichnen. Die Schwäche der Währung kommt den japanischen Exporteuren also sehr zugute. Im Branchenvergleich macht Honda eindeutig die beste Figur unter den japanischen Motorradherstellern. Allerdings erzielt die Firma, die hauptsächlich Pkw baut, lediglich 14 Prozent ihres Umsatzes mit motorisierten Zweirädern. Während Kawasaki und Suzuki zu den Verlierern gehörten und Yamaha das Kurshoch vom April nicht halten konnte, brachten Honda-Aktien 1996 knapp 50 Prozent Gewinn und gehörten damit zu den wenigen lukrativen Papieren an der Tokioter Börse. Auch 1997 dürfte der weltgrößte Motorradhersteller überdurchschnittlich abschneiden, so daß die meisten Wertpapieranalysten mit einer Umsatzsteigerung von zehn Prozent rechnen und einem Gewinnzuwachs in vergleichbarer Größenordnung. Noch ein Umstand spricht für die Aktie. Honda hat derzeit ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 15, und das ist für japanische Verhältnisse sehr wenig. Die Aktie ist also durchaus preiswert und daher chancenreich (Börse Frankfurt, Stuttgart und Hamburg, WPKN 853226). Nach Honda ist Yamaha Motor der zweitgrößte Motorradhersteller der Welt. Der Produzent profitiert ebenfalls vom schwachen Yen, doch die Gewinne steigen nicht so regelmäßig wie beim Branchenprimus. Die Aktie hat sich 1996 vergleichsweise gut gehalten (Börse Hamburg, WPKN 857690). Kawasaki und Suzuki bauen zwar gute Motorräder, doch an der Börse war mit beiden Aktien schon lange nichts mehr zu holen. Suzuki ist der weltweit drittgrößte Motorradhersteller, erzielt aber mit Bikes ebenso wie Honda nur 14 Prozent des Umsatzes, während 74 Prozent aus dem Automobilbereich kommen. Da Suzuki mit neuen Automodellen keine besonders glückliche Hand hatte, verabschiedeten sich viele Investoren von der Aktie. Derzeit spricht eigentlich nichts dafür, die Aktie zu kaufen (Börse Hamburg, WPKN 857310). Auch Kawasaki (Börse Hamburg, WPKN 858920) bietet sich derzeit nicht für ein Investment an. Wer in Aktien japanischer Motorradhersteller investieren möchte, sollte Honda Motor bevorzugen. Noch ein wichtiger Punkt: Bei Suzuki, Kawasaki und Yamaha sind die Börsenumsätze in Deutschland sehr gering. Bei Kauf- oder Verkaufsaufträgen sollte daher unbedingt ein Limit gesetzt werden. Ihre Bank wird Sie in diesem Punkt beraten. Ganz wichtig: Bei Aktienengagements müssen Emotionen außen vor bleiben. Auch wenn Sie ein eingefleischter Fan Ihrer Marke sind, ist das kein guter Grund, deren Aktie zu kaufen, falls die Gewinnaussichten nicht stimmen. In dem Riesenwirbel, den die Deutsche Telekom rund um ihren Börsengang veranstaltete, gingen die anderen Börsenneulinge des Jahrgangs 1996 fast unter. Dabei war Eurobike - die Handelskette für Bekleidung und Zubehör, zu der u.a. Hein Gericke und Polo gehören - eine wesentlich lukrativere Investition als die Manfred-Krug-Aktie. Wir haben den Lesern von Börse online die Eurobike-Aktie zum Kauf empfohlen, und das mit Erfolg, denn das Papier brachte fast 100 Prozent Kursgewinn innerhalb eines halben Jahres. Mitte Januar gab der Kurs nach, denn in Deutschland sind Kursgewinne steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mindestens sechs Monate und ein Tag liegen. Viele Investoren haben daher Kasse gemacht. Für andere ist die kleine Kursdelle eine gute Kaufgelegenheit, denn Eurobike gehört auf Sicht von einem bis zwei Jahren zu den interessantesten deutschen Nebenwerten (Börse Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart, WPKN 570660). Auch KTM gehört zu den Unternehmen, die 1996 erstmals den Gang an die Börse gewagt haben. Börse online sieht bei KTM überdurchschnittliche Kurschancen und hat die Aktie kurz nach dem Börsengang im Dezember auf die Empfehlungsliste gesetzt. KTM dürfte seinen Marktanteil an Sport-Enduros und reinen Wettbewerbsmaschinen in Deutschland und den USA in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Durch den Börsengang ist zudem viel Geld in die Unternehmenskasse gespült worden, so daß sich die finanzielle Situation von KTM markant verbessert hat. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp zwölf auf Basis der für das Geschäftsjahr 1997/98 erwarteten Gewinne ist die Aktie zudem nicht teuer und könnte bald deutlich höher notieren (Börse Wien, WPKN 903930).

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