Kawasaki-Dreizylinder-Treffen (Archivversion) H 2 oooh

Blaue Zweitaktfahnen umnebelten den Elesenzer See in Nordbaden. Dort trafen sich Besitzer von Kawasakis Zweitaktern der siebziger Jahre. H2 heißen die Kultgeräte mit 750er Dreizylindermotor.

Nach fünf Metern ist die Fahrt zu Ende. Ratsch, der Zahnriemen fällt ab, und das Turbo-Antriebsrad kullert fort. Das grelle Zweitaktmeckern der seltsamen Dreizylinder-Kawasaki verstummt. Was das Publikum am Elesenzer See in der Nähe des nordbadischen Eppingen zum Schmunzeln bringt. Dort trafen sich Ende August jene, die über Viertaktgeblubber nur müde lächeln können: Ihre Musik scheppert im Zweitakt, und das möglichst auf drei Zylindern. H2 hieß die 750er Baureihe, die in den siebziger Jahren Kawasakis sportliches Image begründete. Zirka 100 dieser inzwischen recht betagten Bikes parken an diesem stürmischen Samstag nachmittag am See. Simon Whitelock, Erbauer des havarierten Turbobikes, ist mit dem Clubvorstand des britischen Kawasaki Triples Club, Rick Brett, und einigen seiner Mitglieder angereist. Nicht nur mit seiner aufgeladenen KH 400, die der findige Bastler noch dazu auf Wasserkühlung umgebaut hat, sorgt der 37jährige Londoner für erstaunte Blicke: So mancher deutsche Dreizylinder-Pilot macht Stielaugen, als er die gekonnt fabrizierte, siebenzylindrige Zweitakt-Kawa entdeckt, ebenfalls des Briten Heimwerkstatt entsprungen. Und manchen fällt die Kinnlade runter, als sie das gar neunzylindrige Machwerk Whitelocks erblicken. Klar, daß das Multitalent, im Hauptberuf Immobilienmakler, für seine straßenzugelassene 606-cm³-Siebenzylinder die Trophäe des besten Spezialumbaus einheimst.Bis vor einigen Jahren waren auch in Deutschland umgebaute Dreizylinder eher die Regel, doch heute, räumt H2-Clubvorstand Heinz Ehmer ein, »geht der Trend zum Originalzustand«. Was vielleicht als Zeichen zu deuten ist, die ungeliebten Außenseiter langsam, aber sicher ins Klassiker-Genre einzureihen. Den H2-Club, genaugenommen die Interessengemeinschaft, gibt es seit 1981. Eigentlich nach den 750ern benannt, hat man auch die Gemeinde der 500er, 400er und 250er Dreizylinder-Fans eingereiht. Viele der 20 bis 25 Jahre alten Bikes sehen aus wie frisch vom Band gerollt. Schönwetterfahrzeuge zum Vorzeigen? Janette und Ralf Giller aus Frankfurt können dies nicht bestätigen. Sie fahren seit acht Jahren mit Zweitaktfahne. »Klar, ein Teilelager mußt du dir zulegen«, erklärt der sommersprossige Hesse, der seine Frundin mit einer inzwischen 25jährigen 250er infiziert hat, »aber es läßt dich eben nicht mehr los.« Was vielleicht auch an der Widerborstigkeit der Dreizylinder lag: »18 Kolben hat das Ding bisher gebraucht«, erklärt da einer, und Jan aus Itzehoe hat seine rauchende Alltags-Japanerin juxeshalber in Klappersaki umgetauft. »Das war im Dänemark-Urlaub, als mein Kumpel die Eierravioli aus dem Topf rausgekratzt hat und meinte, das höre sich an wie ‘ne Klappersaki«, erklärt der Spaßvogel. Gefeiert wird den ganzen Tag, manche haben Grund dazu: Bob, Rainer und Thomas können sich später am Abend als Besitzer der derzeit schönsten Dreizylinder rühmen, nachdem die Jury um Veranstalter Ralf Pfister die Anwärter auf den Schönheitspokal der Klassen bis 400, 500 und 750 geprüft hat. Die Nacht ist kurz, und wer am nächsten Morgen noch ohne Fahne ist, hat spätestens dann wieder eine, wenn der Dreizylinder den ersten Husten von sich gibt.

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