Kawasaki und Suzuki kooperieren (Archivversion)

Come together

Stagnierendem Verkauf von Motorrädern und hohen Kosten begegnen Kawasaki und Suzuki ab sofort mit einer engen Kooperation.

Werden Suzuki-Fans demnächst auf weißblau-lackierten Kawas durch die Gegend fahren, oder finden sich Kawasaki-Liebhaber bald im Sattel grün angemalter Suzukis wieder? Nein, wahrscheinlich nicht. Denn die Marken Kawasaki und Suzuki bleiben eingenständig, auch wenn die beiden Motorradproduzenten eine weitgehende Zusammenarbeit beschlossen haben. Kawasaki, mit knapp 700000 produzierten Motorrädern (1999) Japans kleinster Motorradbauer, und Suzuki, zweitkleinster Hersteller (1624000 Einheiten 1999), rücken somit der Konkurrenz bedrohlich nahe. Von den Produktionszahlen her sind die Partner in etwa so groß wie Yamaha und halb so groß wie Honda.Die Nachricht schlug daher in der Motorradbranche wie der Blitz ein. Bislang galten die Konkurrenten als eher unversöhnlich, machten sich weltweit besonders im supersportlichen Segment ordentlich Konkurrenz. Nun marschieren sie gemeinsam in die Zukunft. Das dürfte die Vereinheitlichung japanischer Motorräder weiter vorantreiben. Ohnehin ähneln sie sich oftmals auf verblüffende Weise. Was etwa macht das Eigenständige einer Kawasaki ZX-9R im Vergleich zu einer Suzuki GSX-R 1000 aus? Beide treiben wassergekühlte Reihen-Vierzylindermotoren an und verwenden sehr ähnlich konstruierte Brückenrahmen aus Leichtmetall. Teile wie Bremsen, Gabeln und Gussräder stammen ohnehin von denselben Zulieferern. Im Cruiserbereich sieht es nicht viel anders aus. Auf den ersten Blick ist eine VN 1500 kaum von einer VL 1500 Intruder zu unterscheiden, wäre da nicht das jeweilige Tankemblem. Die »strategische Verbindung« (Zitat einer Pressemitteilung) von Kawasaki und Suzuki im Motorradbereich und bei All Terrain Vehicles (ATV) ist verständlich. Denn die japanischen Motorradhersteller kämpfen allesamt mit denselben Problemen, einem schrumpfenden Weltmarkt und der für die Exportmärkte USA und Europa viel zu teueren Produktion in Japan. Weil die Yen/Dollar- und die Yen/Euro-Relationen höhere Preise nicht zulassen, ist im Motorradgeschäft derzeit kein Gewinn mehr zu machen. Anders als die Konkurrenten Honda und Yamaha, die mehrere Fabriken in Europa betreiben, hat Kawasaki keine einzige Produktionsstätte in Europa, Suzuki lediglich ein Werk in Spanien.Die Kawasaki Heavy Industries, die Schiffe, Flugzeuge, Eisenbahnen, darunter den bekannten Schnellzug Shinkansen, Industrieausrüstungen und eben auch Motorräder produzieren, befindet sich derzeit in einem Umstrukturierungsprozess und schreibt seit drei Jahren rote Zahlen. Der Schiffbaubereich wird zurückgefahren, der Konsumgüterbereich, zu dem die zumeist grasgrünen Motorräder ebenso zählen wie Jet Skis, All Terrain Vehicles, Generatoren, Industrieroboter und mehr, soll sogar ausgebaut werden. Im Geschäftsjahr 2000 machte er mit umgerechnet 5,76 Milliarden Mark immerhin 24 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Der Motorradbereich mit einem Anteil unter zwei Prozent spielt zwar eine untergeordnete Rolle, zwingt aber dennoch dazu, Kosten zu sparen.Um Suzuki ist es nicht schlecht bestellt. Dem Pkw-und Motorradproduzenten mangelt es keineswegs an einer attraktiven Modellpalette an Motorrädern, die neben den Autos, Außenbordern und Stationärmotoren zu 17 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen, wohl aber an befriedigenden Verkaufszahlen von Kleinmotorrädern in den asiatischen Ländern. Die gingen etwa in China im letzten Jahr um 70 Prozent zurück. Firmenchef Osamu Suzuki musste im Geschäftsbericht 2001 einen eklatanten Rückgang des Nettogewinns um 75,3 Prozent auf umgerechnet 359,3 Millionen Mark bekannt geben. Hauptsächlich wegen des hohen Yenkurses. Immerhin macht Suzuki noch Gewinn. In japanischen Zeitungen wurde darüber spekuliert, ob es für den Schwerindustriekonzern Kawasaki nicht besser sei, sich von dem Konsumgüterbereich zu trennen. Doch Kawasaki macht mit Freizeitprodukten wie ATV und Jet Ski besonders in den USA gute Gewinne, die die Verluste bei Motorrädern fast wieder ausgleichen. Um die Kosten zu senken, wird die Entwicklung neuer Modelle und Komponenten zusammen mit Suzuki betrieben, besonders im Bereich großer Roller, kleinerer Motorräder bis hin zur Mittelklasse, der Cruiser, der Motocross-Maschinen und der ATV. Synergieeffekte in diesen Bereichen könnten sofort genutzt werden. Als erstes Ergebnis der Zusammenarbeit wird ein neuer großer Scooter entwickelt, wie aus Japan zu hören ist. Ein gemeinschaftliches Unternehmen wollen die beiden Hersteller derzeit jedoch nicht gründen.
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Interview mit Kosei Umemura, Präsident der Kawasaki Motoren GmbH (Archivversion)

Herr Umemura, was sind die Gründe für die zukünftige Zusammenarbeit von Kawasaki und Suzuki?Die Verkaufszahlen des japanischen Motorradmarktes sind von 3,3 Millionen in 1981 auf nun 778000 im Jahr 2000 gefallen. Die teilen sich zwischen vier starken japanischen Marken auf. Da ist es nur logisch, wenn sich, nach Zulassungen gerechnet, die Nummer drei und vier zusammentun, um weiterhin profitabel zu wirtschaften.Ausschlaggebend war jedoch die lange Freundschaft unseres Vorstandsvorsitzenden Masamoto Tazaki mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Suzuki, Herrn Osamu Suzuki. Kawasaki Heavy Industries kooperiert bereits schon in anderen Bereichen, so zum Beispiel im Schiffsbau. Da haben sich die Nummer drei und zwei zusammengetan.Gab es ihrer Meinung nach Fehler in der Modellpolitik von Kawasaki?Sicher haben wir die Retro-Welle überschätzt, unsere W 650 und auch die Drifter-Modelle verkaufen sich nicht so gut, wie wir es uns vorgestellt haben. Aber Kawasaki hat reagiert und in Holland Kawasaki Motors Europe gegründet. Damit werden wir in Zukunft viel besser die Wünsche unserer Kunden in den verschiedenen europäischen Ländern erfahren und umsetzen.Wie wird sich die Modellpalette durch die Zusammenarbeit ändern?Unsere Flaggschiffe bleiben natürlich typische Kawasaki und werden auch von Kawasaki entwickelt und gebaut. Im Supersportsegment bleiben wir völlig unabhängig. Wir denken daran, nicht so markenbezogene Kunden, beispielsweise bei Einsteigermaschinen und im unteren Preissegment, mit Gemeinschaftsentwicklungen zu erreichen. Durch die größeren Stückzahlen können wir unsere Gewinnsituation verbessern und damit die Voraussetzung schaffen, um attraktivere Preise und auch niedrigere Ersatzteilpreise zu erzielen. Wann werden die ersten gemeinsam entwickelten Maschinen zu sehen sein?Ziemlich schnell. Vielleicht schon in 2003. Was versprechen Sie sich von der zukünftigen Zusammenarbeit?Nun, jetzt müssen wir erst einmal profitabler arbeiten. Der hohe Yen/Euro-Wechselkurs zwingt uns dazu. Heute sind die Motorräder für den Kunden vielfach zu teuer, aber zur gleichen Zeit sind die Einkünfte der japanischen Hersteller aufgrund des Wechselkurses stark gefallen. Hier muss die Balance wieder gefunden werden. Und dies erreichen wir durch niedrigere Kosten bei der Entwicklung und Herstellung. Dann können wir auch wieder verstärkt in neue Produkte investieren.

Interview mit Shinichi Kawahara, Geschäftsführer Suzuki Motor GmbH Deutschland (Archivversion)

Herr Kawahara, wer hat eigentlich den Anstoß zur Zusammenarbeit von Kawasaki und Suzuki gegeben?Der Präsident von Kawasaki, Herr Masamoto Tazaki, hatte letztes Jahr sein Amt angetreten und bei diesem Anlass Herrn Suzuki besucht. Bei dieser Gelegenheit kam das Thema zur Sprache. Wir wird sich die Zusammenarbeit auf zukünftige Modelle auswirken? Wir werden den Einkauf zusammenlegen, gemeinsam Komponenten herstellen und verwenden.Werden Sie Motorräder gemeinsam entwickeln?Ja. Wir werden uns in der Entwicklung neuer Motorräder gegenseitig unterstützen.Werden Vertrieb und Marketing eigenständig bleiben?Ja, sicher. Wir bleiben Wettbewerber und werden als Marke Kawasaki und Suzuki eigenständig bleiben. Auch die Händlernetze werden eigenständig bleiben. Dort wird es keine Veränderungen geben.Wie werden die Kooperationspartner dem schrumpfenden Absatz weltweit begegnen?Hauptgrund für den sich verringernden Markt ist der hohe Yen-Kurs, der die Exporte verteuert. Obwohl wir daran nichts ändern können, wird der Synergieeffekt der Kooperation von Kawasaki und Suzuki beiden Firmen Kosten- und Wertschöpfungsvorteile bringen.

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