Kettenkit montieren (Archivversion)

Achtung: Ein falsch montiertes Kettenschloss kann schwere Schäden am Motorrad verursachen und sogar zum Sturz führen. Wer keine Erfahrung im Vernieten von Ketten hat, sollte diese Arbeit daher einer Fachwerkstatt überlassen. Auch heute noch laufen die meisten Motorräder mit einer geschlossenen Endloskette vom Band. Dementsprechend gibt es für diese Modelle als Originalersatzteil in der Regel nur eine Endloskette. Mit der Folge, dass zum Kettenaustausch die Schwinge demontiert werden muss. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis verwenden nämlich viele Werkstätten vorzugsweise Markenketten aus dem Zubehör mit einem Kettenschloss (Niet- oder Schraubschloss), um den arbeitsintensiven und kostspieligen Ausbau der Schwinge zu vermeiden. Diese Ketten sind bei einer korrekten Montage des Schlosses absolut sicher und den Endlosketten in dieser Hinsicht ebenbürtig. Dies unterstreicht auch die Tatsache, dass Ketten mit Schloss selbst bei einigen leistungsstarken Motorrädern ab Werk zum Einsatz kommen. So beispielsweise bei der Suzuki GSX-R 1000, deren besondere Schwingenkonstruktion mit geschlossenen Oberzügen keine andere Möglichkeit der Kettenmontage zulässt. Eine verschlissene Kette macht nicht nur durch Rasseln und Knackgeräusche auf sich aufmerksam, sondern auch durch eine ungleichmäßige Längung. Verändert sich also beim Drehen des Hinterrads die Kettenspannung oder lässt sich die Kette im Stand mehrere Millimeter nach hinten vom Kettenrad abheben, sollte man den kompletten Tausch von Kette, Ritzel und Kettenrad nicht länger aufschieben. Hierzu das Motorrad so aufbocken, dass das Hinterrad ohne Schwierigkeiten ausgebaut werden kann. Sowohl den Kettenschutz als auch die Ritzelabdeckung demontieren. Tipp: Die häufig sehr fest sitzenden Verschraubungen von Ritzel und Kettenrad lassen sich bei den meisten Motorrädern am besten bei aufgelegter Kette lösen (1), indem man das Hinterrad mit der Bremse blockiert. Anschließend wird die verschlissene Kette mit einem speziellen Werkzeug (2) getrennt und abgenommen. Ist kein derartiges Spezialwerkzeug zur Hand, tut es zur Not auch eine Eisensäge. Danach das Hinterrad ausbauen. Tipp: Dabei Kettenspanner ganz hineindrehen, damit die neue, deutlich kürzere Kette später ohne Probleme montiert werden kann. Vor dem Abnehmen des Ritzels unbedingt die richtige Einbaulage beachten (3). Bei vielen Motorrädern unterscheiden sich die beiden Seiten eines Ritzels und sind somit laufrichtungsgebunden. Außerdem ist es ratsam, die ausgebauten Teile mit den Neuteilen auf Übereinstimmung zu vergleichen (4). Die Zahnräder legt man hierzu einfach übereinander, während bei der Kette nur das Zählen der Glieder hilft. Empfehlenswert ist ebenfalls ein Kontrollblick auf die Ruckdämpfer und die Radlager (5). Erstere sollten den Kettenradträger stramm führen, Letztere hingegen müssen leichtgängig sein. Ist alles in Ordnung, kann man sich an die Montage der neuen Teile machen. Zunächst wird das Ritzel angebracht und handfest verschraubt. Die Schrauben mit einem Schraubenkleber gegen unbeabsichtigtes Lockern sichern. Beim Anbringen des Kettenrads darauf achten, dass die Schrauben gleichmäßig über Kreuz angezogen werden (6). Eventuell neue Sicherungsmuttern oder Schraubensicherungsmittel verwenden. Danach Hinterrad wieder einbauen und die neue Kette von hinten über Kettenrad und Ritzel auflegen. Nun das Kettenschloss gemäß Montageanleitung mit den O-Ringen bestücken, gut einfetten (7) und die beiden Kettenenden verbinden (8). Beim patentierten Schraubschloss von Enuma (9) wird die Außenlasche durch gleichmäßiges Anziehen der beiden Muttern auf die Bolzen aufgepresst. Anschließend überstehende Bolzen abknicken und Lasche mit zwei weiteren O-Ringen sichern. Zum Verbinden von Nietschlössern wird hingegen spezielles Nietwerkzeug benötigt (10). Wer kein solches Werkzeug besitzt oder sich diese Arbeit nicht zutraut, sollte den Ketten-Kit zusätzlich mit einem Clip-Schloss (11) bestellen. Ein solches Clip-Schloss kann zur Not auch mit einer Zange verschlossen werden (geschlossenes Ende immer in Kettenlaufrichtung) und taugt so als Provisorium für die langsame Fahrt zur nächsten Werkstatt, um die Kette dort umgehend mit einem Nietschloss dauerhaft verbinden zu lassen. Vorsicht: Clip-Schlösser sind für leistungsstärkere Motorräder nicht geeignet. Zuletzt noch die Schrauben von Ritzel und Kettenrad bei blockiertem Hinterrad (Bremse!) mit vorgeschriebenem Drehmoment anziehen und Kettenflucht sowie korrekte Spannung nach Handbuch einstellen.

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