Klassenwechsel von Waldmann und Fuchs (Archivversion) Auf und nieder

Vize-Weltmeister Ralf Waldmann geht von den 250ern zu den 500ern, Jürgen Fuchs nimmt den umgekehrten Weg - und hat sicher die bessere Perspektive der beiden deutschen Grand Prix-Stars.

Die 250er Straßen-WM, jahrelang eine Hochburg der deutschen Fahrer, wäre 1998 beinahe ohne einen heimischen Piloten über die Bühne gegangen. Doch pünktlich zum Fest gab es doch noch eine Bescherung: Jürgen Fuchs einigte sich kurz vor Weihnachten mit dem holländischen Docshop-Team, für das er im neuen Jahr eine Werks-Aprilia fahren wird. Er bekommt gleichwertiges Material wie seine Markenkollegen Tetsuya Harada, Loris Capirossi und Valentino Rossi.Damit hat Jürgen Fuchs die Chance, nach seinem durchwachsenen Intermezzo auf der elf 500 an seine starken Leistungen in der 250er Klasse von 1996 anzuknüpfen. Damals holte der Bayer für das deutsche HB-Honda-Team den vierten WM-Rang.»Ich nehme die Herausforderung dankend an und freue mich auf eine Rennsaison mit Spaß«, kommentierte Fuchs die Einigung mit Docshop und schnaufte erst einmal kräftig durch: »Das war eine echte Nervenrallye.« Denn eigentlich hatte er ein weiteres 500er Jahr mit einer V2-Honda im eigenen Team geplant, dann kam die Docshop-Offerte, und parallel dazu deutete sich schließlich sogar noch die Möglichkeit an, eine 250er Werks-Honda zu fahren - für Dieter Stappert, seinen alten Teamchef von 1996. Doch zwei Dinge sprachen laut Fuchs gegen letztere Variante: Zum einen seine schlechten Erfahrungen mit Stappert im zwischenmenschlichen Bereich, zum anderen war er skeptisch, da Honda für 1998 ein komplett neues Motorrad baut, das erst vier Wochen vor Saisonbeginn ausgeliefert wird. Bei Docshop-Aprilia, wo der bereits in den achtziger Jahren für Weltmeister Toni Mang arbeitende Lucas Schmid Cheftechniker ist, erhofft sich Fuchs sowohl ein harmonisches Umfeld als auch eine ausgereifte, weil beständig weiterentwickelte Maschine.Ralf Waldmann hatte dagegen kurz vor dem Jahreswechsel immer noch keinen Vertrag für 1998 in der Tasche. Der 250er Vize-Weltmeister kann die 500er V2-Aprilia fahren, die finanziellen Möglichkeiten des italienischen Werks und die Forderungen des deutschen Stars sollen aber soweit auseinanderliegen, daß bis dato noch keine Vereinbarung zustande kommen konnte. Anfang Januar wird weiterverhandelt.Als Grund für die Trennung von seinem bisherigen Arbeitgeber, dem deutschen Marlboro-Honda-Team, nennt Waldi in erster Linie die persönlichen Differenzen mit Teamchef Stappert. Der hatte ihn nach der knapp verlorenen WM kritisiert und vor laufenden Kameras zu einer Entschuldigung gegenüber dem Team aufgefordert. »Außerdem hätte ich weniger verdient als 1997«, ergänzt Waldmann.Ein konkurrenzfähiges Paket hatte Stappert jedoch allemal zu bieten. Tabaksponsor Marlboro war bei Waldis Unterschrift bereit, das Team-Budget mit zwei Millionen Mark maßgeblich zu finanzieren. Der Vize-Weltmeister hätte zwei Werks-Honda statt einer wie 1997 bekommen, und einen exzellenten Cheftechniker wie Sepp Schlögl würden viele Fahrer mit Handkuß nehmen. Nun arbeitet der ruhige Bayer für den Italiener Stefano Perugini, den Stappert als Waldi-Nachfolger verpflichtet hat. Für Waldmanns Haltung gegenüber seinem ehemaligen Chef gibt es in der Szene durchaus Verständnis. Kopfschütteln erntet er aber zumeist für seine Pläne, mangels Alternativen in der 250er Klasse nun auf die 500er V2-Aprilia umzusteigen, die der Vierzylinder-Konkurrenz unterlegen ist. Mehr als Achtungserfolge sind mit diesem Motorrad wohl nicht drin - dabei wollte Ralf Waldmann eigentlich mal Weltmeister werden.

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