28.10.2011 Von: Michael Pfeiffer
Erschienen in: 23/ 2011 MOTORRAD

Kommentar: Michael Pfeiffer zum Thema MZ "MZ scheint gerettet - vorerst"

Nach langer Prüfung stimmte nun das Finanzministerium des Landes Sachsen einer Bürgschaft für MZ zu. Nun haftet also der Steuerzahler für den Fall, dass der Motorrad- und Rollerhersteller seine Kredite aufgebraucht hat und seiner Hausbank nicht mehr zahlungsfähig erscheint.

Anthony West machte MZ eine Freude

Geht das Geld für das Moto2-Engagement von MZ drauf?  

Foto: MZ Racing  

Damit es so weit nicht kommt, werden sich Geschäftsführer Martin Wimmer und sein Team sicher ordentlich ins Zeug legen. Aber haben sie auch die richtigen Konzepte? Da nagen schon Zweifel, denn bisher konnten die MZler weder mit bahnbrechenden Neuheiten noch mit einer nennenswerten Fahrzeugproduktion aufwarten. Stattdessen fuhr man fleißig Rennen in der Moto2-WM.

Immerhin: Wer glaubte, dass MZ genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwinden würde, wie Wimmer und sein Kompagnon Ralf Waldmann dort aufgetaucht waren, sah sich getäuscht. Mit bemerkenswerter Zähigkeit und großer Überzeugungskraft schaffte es Ex-Rennfahrer Wimmer, mit seiner Firma zu überleben und sogar neue Finanzinvestoren zu gewinnen.

MZ Emmely Hybrid

Neben dem Hybrid-Roller Emely wäre noch Platz für eine echte 125er im Angebot von MZ.  

Foto: Bilski  

Jetzt steht er am Scheideweg, und ich bin gespannt, welche Richtung er einschlägt: Wird das frische Geld weiter für die Rennerei verballert oder in die längst fällige Produktentwicklung und Serienfertigung investiert? Hier muss sich Wimmer entscheiden und sicher den einen oder anderen hochfliegenden Plan einstampfen.

Jetzt müssen Fahrzeuge kommen, die den Namen MZ verdienen. Die robust und zuverlässig ihren Dienst tun. Hightech-Schnickschnack ist dabei gar nicht gefragt. Den erwartet niemand von MZ. Aber eine gut funktionierende 125er-Baureihe wäre beispielsweise eine Chance. Hier gibt es wenig Konkurrenz, und der bestehende Motor würde immerhin funktionieren. Doch zunächst dürfen sich die MZ-Werker erst einmal freuen, dass es weitergeht, mit ihnen natürlich auch alle Fans der traditionsreichen Marke. Und wenn man sieht, wie viele Milliarden gerade für Banken, den Euro und andere Länder ausgegeben werden, dann sind die Handvoll Millionen für MZ, sollten sie denn fällig werden, doch die berühmten Peanuts. Oder?

Michael Pfeiffer

MOTORRAD-Chefredakteur Michael Pfeiffer.  

Foto: MRD  


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