Kooperation Sachs und Target Design (Archivversion) Kasten-Bauweise

Zwei engagierte Teams haben sich gefunden: Die Entwickler bei Sachs und die Kreativen um Hans-Georg Kasten von Target Design. Sichtbares Ergebnis: die Sachs Bigroadster.

Ein Produkt, das soviel Emotionalität, soviel Nähe braucht wie das Motorrad, zieht eine besondere Spezies von Menschen an. Jemand wie Hartmut Huhn, Entwicklungsleiter der Sachs Fahrzeug- und Motorenentwicklung. Er fuhr früher hobbymäßig Rennen und legt auch heute noch gern einen flotten Reifen auf den Asphalt. Jedoch noch nicht auf der hauseigenen Sachs Bigroadster. Die steht als Prototyp bei Target Design in bayrischen Hechendorf unweit vom Ammersee. In deren Studio ist die Sachs mit dem V2-Motor der Suzuki VX 800 gut aufgehoben. Denn der Chef Hans-Georg Kasten zeichnet lieber Motorräder als Duschkabinen oder Telefone, obwohl ihm die auch prima gelingen. Zum Motorrad hat der Hamburger, den es ins bayrische Hechendorf unweit vom Ammersee verschlagen hat, wo das Target Team residiert, eine innige Beziehung. Zwar designte er in den 70er Jahren zunächst bei Porsche - am 928 etwa konnte er einige Federstriche unterbringen -, bevor er erste Akzente im zweirädrigen Bereich bei BMW setzte. Dort wäre es ihm beinahe gelungen, aus dem K 100-Vierzylinder ein schönes Motorrad zu machen. Wenn die Linie in der Serie etwas verwässert wurde, lag es bestimmt nicht an den BMW-Designern um Hans A. Muth und Hans-Georg Kasten: »Die Zwänge in einer so großen Firma waren enorm. Es gab erhebliche Widerstände.« Zu entschuldigen braucht sich der Wahlbayer bestimmt nicht, denn die Erfolge, die er mit der Gestaltung von Motorrädern erlangte, geben ihm recht. Ende der 70er Jahre arbeitete er zusammen mit Muth, nun schon als Freiberufler, wesentlich am Design der Suzuki Katana 1100 mit, die für die Weiterentwicklung moderner Formen bei Motorrädern heute als bahnbrechend anerkannt wird. Und daß man ihn bei BMW sehr zu schätzen weiß, zeigt die GS 100 Paris-Dakar, die er im Auftrag entwarf. Besonderes Kennzeichen: die charakteristischen roten Metallrohre vor und seitlich der Verkleidung, die als eine Art Rammschutz fungierten. Auf der IFMA 1988 jedenfalls wurde diese Kreation des Target Teams von der Fachwelt gefeiert. Ebenso wohlwollend hat die Szene die vorsichtigen Versuche von Sachs, wieder im Motorradmarkt Fuß zu fassen, auf der INTERMOT in München zur Kenntnis genommen. »Die Bigroadster hat etwas vom Chopper, sie wirkt aber nicht lächerlich. Man muß mit ihr nicht heizen. Sie könnte aber schon, wenn ich als Fahrer es will«, versucht sich der Designer auf einem schmalen Grat zwischen den Marktsegmenten zu bewegen. Damit es eine wohlige Nische wird, in der sich die Bigroadster einnisten soll, wollen die Nürnberger, die bekanntlich gerade von der holländischen Koch-Kleeberg-Gruppe übernommen wurden, nichts überstürzen. »Die Bigroadster wird im Jahr 2000 auf den Markt kommen; früher wäre illusorisch«, sagt Wolfdieter Fronemann, Leiter Marketing und Vertrieb. Sachs wird sich auf reine Montage beschränken; alle Teile kommen von Zulieferern, viele wie etwa der Rahmen, der Tank oder die Elektrik aus Italien. »Wir arbeiten auch deswegen gern mit den Target-Leuten, weil das Design praxisgerecht ist. Unsere Zulieferer können mit deren Vorgaben in kürzester Zeit produzieren«, fügt Sachs-Mann Huhn hinzu. Die Importeure in England, Frankreich und der Schweiz hätten die Bigroadster am liebsten sofort, freut sich der seit 30 Jahren bei Sachs tätige Fronemann. Ein deutscher Firmenname , so glauben die Franken, bringe die Motorradfahrerherzen zumindest in den europäischen Nachbarländern leichter zum Schwingen. »Sachs kennt man in Frankreich von den Wettbewerben, aus dem Moto Cross. Der Name hat einen guten Klang«, weiß Hartmut Huhn das wichtige Thema Markenimage aufzugreifen.Damit der Sachs-Maschinerie nicht vorzeitig der Schwung abhanden kommt, bevor sie überhaupt richtig losgedampft ist, nimmt bereits die nächste Idee, die Speedroadster, Formen an. Dieses monumentale Bike, in dessen Gitterrohrrahmen ein Suzuki TL 1000-V2 werkeln soll, ist ein Kind des Target-Designers Johann Geiger. »Wir möchten die Technik sichtbar machen; man soll auch Spaß daran haben, das Motorrad einfach nur zu betrachten«, sagt der Target-Mitarbeiter. Den Fahrwerksaufbau des Speedroadster-Prototyps hat man in die Hände des Motorradenthusiasten Fritz W. Egli aus der Schweiz gelegt. Im Jahr 2001, so sind die Sachs-Mannen wild entschlossen, kommt die 1000er auf den Markt. »Design must sell. That is where the art lies«, sagte Target-Chef Kasten einmal. Design muß sich verkaufen, das ist die Kunst.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote