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Der PS-Cup-Checker bei der KTM Duke Battle Wahre Leistung

Nachdem der etatmäßige PS-Cup-Checker René Raub passen musste, zog Uwe Seitz am Sachsenring mit der neuen KTM 690 Duke R in die Schlacht.

Ich dachte, das war’s. Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans 2011 war so intensiv – was sollte bei meinem bescheidenen Racing-Vermögen denn noch kommen? Ich hatte mit der Rennerei abgeschlossen – dachte ich. Dazu der Job, die knappe Freizeit, die Familie... gut, hin und wieder flammte Lust auf. Mehr als ein paar Gedankenspiele um Weihnachten wurde aber nicht daraus. Doch immerhin, die neue KTM Duke Battle mit dem stärksten Einzylinder der Welt kam auch mal in meinen Überlegungen vor. Aber die Saison kam und ich blieb im Sessel sitzen.

„Ich kann nicht, unmöglich“, wehrte René Raub, der PS-Cup-Checker und unser Mann für solche Fälle, den Auftrag Anfang Mai ab, bei der Premiere der KTM Duke Battle anzugreifen. Ungern, das hörte man, aber auch er hat Familie. Und so begann die Geschichte am Sachsenring, an deren Ende ich leider feststellen musste, dass es für emotionale Highs eigentlich nur eine Rennstrecke, ein simples Motorrad und ein paar Gleichgesinnte braucht. Und es leider verdammt süchtig macht!

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Foto: racepixx

Das Gas gegen alle Widerstände im Kopf stehen lassen

Die größte Erkenntnis der 690-Schlacht ist jedoch, dass ein so federleichtes und unglaublich handliches Bike nicht mehr als 70 PS braucht, damit man es sich so richtig besorgen kann. Vor allem auf so einer selektiven Strecke wie dem Sachsenring, auf dem Mugello-Geraden oder eine endlose Parabolika wie in Hockenheim fehlen und man deshalb selten auf der sehr moderat motorisierten Maschine sitzt und die Bienen beim Bestäuben beobachten kann. Wichtiger als Leistung ist mit dieser KTM vielmehr, dass man konzentriert fährt, die Ecken richtig erwischt, präzise Linien fährt und das Gas gegen alle Widerstände im Kopf stehen lässt. Wer das beherrscht, fährt 1.36er- und 1.37er-Zeiten hier, wie der KTM-verstrahlte Jens Löhnig, Tobias Wedemann oder der T-Cup-Umsteiger Ralf Haas.

Aber auch die anderen Jungs und die Lady Andrea Stender in der KTM Duke Battle kommen bei den ersten Trainings-Turns schnell auf akzeptable Zeiten. Die schwereren Cuppies hadern mit dem Bergauf-Stück auf die Ziellinie zu und feilen am Einlenkpunkt in der letzten Links, die vorsichtigeren wollen sich nächstes Mal zwingen, in der Links nach der Kartbahn einfach am Gas zu bleiben. Überall wird die Linie diskutiert, die Gangwahl besprochen, von den Handling-Eigenschaften der 690er geschwärmt und über den Durchzug des potenten Einzylinders gestaunt. Vor dem Zeiten-Monitor lobt man sich gegenseitig für die nächste abgefräste Sekunde oder sogar zwei. Gruppendynamik Marken-Cup und Racer-Kameradschaft – hier kann man sie mal wieder erleben.

PS Cup Checker

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Foto: racepixx

Die falsche Strategie fürs Warm-up

Leider ist das Feld der KTM Duke Battle im Premiere-Jahr noch dünn. Dass es nur zwölf feste Starter sind, hat verschiedene Gründe. Der wichtigste sind vielleicht die „mauen“ 70 PS der Duke, weil allzu viele Zeitgenossen Racing mittlerweile mit brutaler 200-PS-Power verwechseln, die Fahrfehler in Kurven auf Geraden dann kaschieren helfen. Die späte Entscheidung von KTM für den Cup und das Schnüren des Pakets vor der Saison sind ein anderer. Und vielleicht schreckt der Cup-Komplett-Preis von knapp 12 000 Euro, für den es aber dann doch feine Racing-Teile zum Serienmotorrad gibt und man bedenken sollte, dass mit den Sturzbügeln und der Konstruktion der 690er bei den üblichen Stürzen eigentlich nicht wirklich viel zu Bruch gehen kann.

Das durfte Axel Knof gleich am ersten Trainingstag feststellen, als ihm Ende Start/Ziel das Vorderrad einklappte, seine KTM aber außer ein paar Kratzern an den Schutzbügeln nicht wirklich etwas abbekam. Im Gegensatz zum Fahrer, den schon am zweiten Tag eine Rippenprellung quälte. Doch wer ein echter Racer ist... Vor dem ersten Rennen hatten alle die 1.44 Minuten geknackt. Mit einem Tag Trainingsrückstand war ich mit einer 1.45er-Rundenzeit auf den für mich neuen Kurs gegangen, hatte in drei weiteren Turns knapp vier Sekunden abgeknapst und mich immer besser auf die Strecke und die Maschine eingeschossen. Leider wählte ich für das Warm-up der KTM Duke Battle die falsche Strategie, wollte den einen Satz Reifen des Tages noch fürs Rennen schonen und blieb deshalb in der Box. An sich nicht schlimm, wenn man aber noch keinen Start geübt hat, richtig blöd.

Video: KTM Duke Battle in Oschersleben
Foto: racepixx

Die Rennen

Den hab ich dann auch ordentlich in den Sand gesetzt und die Kupplung auf der Suche nach dem Schleifpunkt im Schneckentempo rausgelassen. Bis meine Duke richtig rollte, war das Feld schon fast in Kurve eins. Die Aufholjagd sollte beginnen, und nach drei Runden war ich an der Gruppe dran, die um meinen Startplatz sieben herum gestanden hatte.  Daniel Pitterle besaß die besten Karten. Das Fliegengewicht aus Pforzheim machte auf Start/Ziel und der Bergauf-Passage zum Fahrerlager so viele Meter, dass er uns stetig davonfahren konnte. So entwickelte sich mein Debüt bei der KTM Duke Battle zu einem Dreikampf zwischen Markus Soboth, Wolfgang Tausch und mir, den Tausch am Schluss für sich entscheiden konnte. Wieder purzelten die Zeiten. Während Sieger Löhnig erneut eine 1.36er-Runde hinlegte, schaffte ich 1.40 Minuten glatt.

In Rennen zwei lief es dann noch besser. Guter Start, harte Fights, Pitterle konnten die fehlenden Kilos genauso wenig retten wie  Tausch dessen große Erfahrung. Nur Axel Knof bremste mich mit seiner Prellung kurz vor Schluss noch aus und drückte mich trotz einer 1.38er-Zeit zurück auf Rang sechs. Verdammt! Ich wollte bei der KTM Duke Battle ja nur für René einspringen. Aber jetzt ist das Racing-Fieber wieder ausgebrochen. Die Leistung kommt hier von der Fahrweise, keine Mega-Power vom Bike, was eh nur stresst! Die Kämpfe und die spezielle Fahrweise dieser Duke – einfach geil. Wie soll ich das jetzt meiner Frau beibringen?

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