KTM Enduro-Lehrgang auf Elba (Archivversion) Harte Schule

Wer eine Hard-Enduro kauft, kauft einen Traum. Den Traum vom Fahren in freier Wildbahn. Weil`s die kaum mehr gibt, hat sich KTM vor acht Jahren mit Rallye-Legende Fabio Fasola und dessen Enduro-Schule auf der Insel Elba zusammengetan. Ein Fahr-Bericht.

»You must ride steady, not like this.« Fabio Fasola macht rasche Drehbewegungen mit dem rechten Handgelenk, um zu demonstrieren, daß hektisches Gas Auf- und Zumachen völlig unangebracht ist. Gerade habe ich die SC 400 in den Wald geworfen, weil ich auf dem rutschigen, von Wurzeln durchzogenen Eselspfad genau diesen Fehler gemacht habe. Fabio hilft mir, die Viertakt-KTM wieder auf den Weg zu hieven. Daß der italienische Enduro- und Rallye-Meister dabei das Gesicht vor Schmerzen verzieht, liegt an seiner demolierten Schulter vom letztjährigen Dakar-Einsatz. Wir schlängeln uns weiter auf dem kaum einen halben Meter breiten Pfad durch den Wald - da liegt die nächste KTM im Gebüsch. »Ich bin an dem Ast hängen geblieben«, ächzt Wolfgang, dessen nagelneue LC4 ihm einfach unter dem Hintern durchgefahren ist. Erste Gebrauchsspuren wie abgebrochene Blinker - »Wollte ich eigentlich gestern noch abschrauben. Ist jetzt nicht mehr nötig« - und ein verbogener Lenker machen das orangerote Gerät untauglich für zukünftige Showeinlagen vor der Eisdiele. Der Braunschweiger Wolfgang gehört zu einer kleinen Abordnung deutscher Enduristen, die die KTM-Enduro-Schule auf Elba besuchen. Der Start- und Unterbringungsort, die Hotelanlage Costa dei Gabbiani, liegt auf der südöstlichen Halbinsel. Das bewaldete Gebiet rund um den 413 Meter hohen Monte Calamita befindet sich im Privatbesitz des Hotelbetreibers. Die Schotter- und Lehmwege mit einem Motorrad zu befahren ist normalerweise auf der gesamten Insel streng verboten. »Schreib das bloß, damit ja keiner auf die Idee kommt, hier mit seiner Enduro aufzukreuzen«, betont der Schweizer Rolf Knechtli, KTMs Verbindungsmann zu Fabios Enduro-Schule und zugleich einer der Tourguides. Nur Fabio besitzt eine Sondergenehmigung, pflegt der 38jährige doch beste Kontakte zu den örtlichen Behörden.»Jetzt weiß ich, daß meine KTM viel mehr kann als ich«, weiß Thomas schon am ersten Abend. Der Gießereifacharbeiter bereut die 1200 Kilometer Anreise mit Pkw und Hänger nicht. Obwohl auch sein Sportgerät, eine LC 4, später nach drei Geländetagen deutliche Blessuren aufweisen sollte. Täglich sechs Stunden Off Road nagen an der Kondition von Mann und Maschine.»Nächstes Mal nehm` ich mir so eine Leihkiste.« Die kostet 60 Mark am Tag, alle Schäden inbegriffen, halb so viel wie ein krummer Alu-Lenker. Leihmaschinen gibt es 14 Stück; einige SX 400 mit Kickstarter, diverse SX 540, deren gewaltiger Punch und kapriziöses Anspringverhalten nur von Profis gewürdigt werden kann, und ein paar 400 LSE mit E-Starter.Zweiter Tag, zehn Uhr morgens. Die 21 Teilnehmer - darunter eine Frau - starten wieder in drei Gruppen - Einteilung nach eigener Einschätzung am Vortag. Erste Gliederschmerzen und eine gewisse Steifheit bremsen den Vorwärtsdrang. Rolf Knechtli, unser heutiger Guide, kennt das: »Nicht verkrampfen. Das Motorrad sanft mit dem Lenker führen. Es sucht sich dann fast von allein den Weg.« Wir sind einen wunderschönen, steinigen Pfad von der Straße abgebogen. Stopp nach ein paar hundert Metern. Der Schweizer schwenkt nach rechts, klettert mit konstantem Gas einfach einen brutal steilen Felsblock hoch. Schwupp. Bleibt oberhalb stehen. Blankes Entsetzen in den Augen der Teilnehmer. Hinter dem Fels beginnt ein nicht minder steiler, mit Steinbrocken gespickter Aufstieg. Da müssen wir hoch. Konstantes Gas, schön in den Rasten stehen. 200 Höhenmeter weiter ist alles vorbei. Na also, geht doch. Erleichterung macht sich breit. »Viel stehen, bergauf Gewicht nach vorn, bergab den Körper nach hinten. Knie durchdrücken.« Rolf weiß, wie`s geht. Wir ahnen es.Nächster Tag. Wir stehen auf einem sanft geschwungenen, teils bewaldeten Hügel. Fabio verschwindet mit seiner SX 540 in einem Loch. Kurz darauf kommt er mit einem gewaltigen Satz aus dem Loch hervorgesprungen. Steht. Dann winkt er freundlich: »Allora.« Angstschweiß steht uns auf der Stirn. Das Loch entpuppt sich als eine eineinhalb Meter breite steile Lehmrinne, gespickt mit Geröll. Hilfe. Das Vorderrad rutscht haltlos, hinten blockiert`s. Patsch, der Motor aus. Letzte Rettung, einfach hinwerfen das Ding. Der Kollege liegt schon flach im Lehm, das Krad im Arm. Bange Minuten später stehen wir unten.

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