KTM-Mitarbeiter: Ein Tag im Leben des Gerhard Priller (Archivversion) Explosionsgefahr

Es boomt. KTM baut zwei neue Werkshallen, bald sollen jährlich 60000 Motorräder gefertigt werden.

Orange ist die Farbe der Wüste, sagt KTM. Gar nicht mal so arg übertrieben, wenn man bedenkt, dass 68 von 175 Arras-Dakar-Teilnehmern mit KTM-Motorrädern ausgerückt waren. Unter den Erstplazierten war die grelle Lackierung ohnehin nicht zu übersehen. Orange ist auch die Farbe des Erfolgs, der in trüben Rezessionszeiten, von denen die Motorradbranche keineswegs gefeit ist, doppelt zählt. In Mattighofen, im ansonsten eher betulichen Innviertel zwischen Salzburg und Linz, geht es zu wie im Silicon Valley zur längst vergangenen Blütezeit der Internet-Start-ups. Hotels und Pensionen sind ausgebucht, Privatzimmer und Wohnungen praktisch nicht zu haben, die Mieten teuer. »Jeder, der noch kriechen kann, hat einen Job«, feixt ein KTM-Angestellter. Sieglinde Grubinger hat noch mehr davon zu vergeben. In der Produktion, in der Entwicklung, im Verkauf, überall. »Letztes Jahr haben wir 130 neue Mitarbeiter eingestellt«, erzählt die Personalchefin von KTM und kommt bei dem Gedanken, dass sie im Schnitt jeden Tag einen neuen Mitarbeiter einstellen muss, ganz schön ins Schwitzen. Allein im Januar heuerte sie weitere 36 Leute an. 1074 waren`s zum Stand 31. 1. 2002, davon 310 im Ausland. Es geht bergauf, und zwar stramm. Umsatzverdoppelung in den letzten zwei Jahren, allein im Geschäftsjahr 2000/2001 (endete am 31. 7.) den Umsatz von 160 auf knapp 230 Millionen Euro gesteigert, 46000 Crosser, Enduros und Minibikes, Vier- und Zweitakter verkauft (Vorjahr 35000), Gewinn verdreifacht, Ersatzteilcenter neben dem erst vor zwei Jahren in Betrieb genommen Hauptwerk errichtet, neue Fabrik für White Power Suspensions, den konzerneigenen Federbein- und Gabelhersteller in Holland, hochgezogen, Neubau der französischen Niederlassung, Übernahme des Imports in Italien und so weiter.Entwicklungschef Wolfgang Felber, noch vor drei Jahren Mitglied einer Handvoll engagierter Ingenieure und Designer, steht heute einer 90-köpfigen Mannschaft vor. Nie hatte man sich erträumt, dass die gerade erst vor zweieinhalb Jahren bezogenen Räumlichkeiten im neuen Werk jetzt schon wieder aus allen Nähten platzen. 13 Millionen Euro investierte KTM in die neuen Werkshallen, deren Kapazitäten für 40000 Motorräder ausreichen und – so glaubte man seinerzeit – für die Zukunft gebaut seien. Pustekuchen. Im Herbst zieht die Entwicklungsmannschaft zusammen mit der ständig wachsenden Sportabteilung in ein neues, 7000 Quadratmeter großes Gebäude um. Damit Platz für eine weitere Montagelinie neben den vier vorhandenen wird. Dort soll die LC8, der neue Zweizylinder, montiert werden. Apropos LC8: Der Zeitplan ist verdammt eng. Die Testfahrer schieben mächtig Überstunden. Seit Anfang Dezember stecken die beiden Zweizylinder-Adventure-950-Maschinen im 50000-Kilometer-Dauertest. Pro Maschine und Tag 1100 Kilometer. Zum Glück sind keine wesentlichen Mängel aufgetreten, auch nicht bei den Rallyemaschinen, der Sieg von Werksfahrer Fabrizio Meoni kam nicht von ungefähr. »Wir haben hauptsächlich Detailoptimierung betrieben. Die Kupplung verstärkt, das Ölsystem modifiziert, die Leistungscharakteristik geändert«, erzählt Felber. Im Mai oder Juni werden drei Muster-Motorräder aufgebaut, im Spätsommer läuft eine Vorserie von mindestens zwölf Fahrzeugen vom Band. Und im Herbst startet die Serienproduktion. 3500 LC8 im ersten Jahr, 10000 Stück in drei Jahren, darunter die Duke 950, eine supersportives Naked Bike mit dem Zweizylinder-Triebwerk, das sein Debüt auf der Intermot 2002 geben wird.Es wird jetzt Zeit, dass eine weitere Produktionsstätte im Nachbarort von Mattighofen fertig wird. Denn der Chef Stefan Pierer hat die Marschrichtung vorgegeben: 60 000 Motorräder sollen in diesem Geschäftsjahr von den Bändern rollen. Deshalb werden Motorproduktion sowie Schweißerei aus dem alten Werksgelände alsbald umziehen und auf den 5500 Quadratmetern der neuen Werkshalle Platz finden. Und die bekommt natürlich einen orangefarbenen Anstrich.

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