KTM: wild, wild West (Archivversion) KTM: wild, wild West

Sensationelles Debüt der österreichischen 250er im strömenden Regen von Donington.

Nass, aber glücklich – das war die
Bilanz von KTM-Konstrukteur
Harald Bartol, der sich im heftigen Regen des Donington-Grand-Prix ungewöhnlich
oft im Zielraum vor dem Podest aufhielt.
Quasi als Eröffnung stand der erste GP-Sieg des Spaniers Julian Simon auf dem Programm, womit nach Mika Kallio in
Portugal und Gabor Talmacsi in Italien
und Holland alle drei Piloten des KTM-125-
Teams Erfolge vorzuweisen hatten. »Ich bin der glücklichste Teamchef, den es gibt. Drei Chauffeure zu haben, die alle Rennen gewinnen, das muss dir erst einmal passieren«, freute sich der Österreicher.
Wenig später stieg Anthony West auf die brandneue KTM 250, stürmte vom
15. Startplatz binnen drei Runden an die dritte Stelle und beendete das Rennen hinter Randy de Puniet als Zweiter – ein sensationeller Einstand des neuen Parallel-
twins, der bis zum Trainingsbeginn nur 600 Probekilometer in Vallelunga/Italien zurückgelegt hatte. »Schon dort sagte
mir West, er sei noch nie ein Motorrad
gefahren, das sich so schön in die Kurven einlenken lässt«, fühlte sich Bartol in
einem Konstruktionsprinzip bestätigt, das er bereits Anfang der 80er Jahre mit einem erfolgreichen Eigenbau ausprobiert hatte. Dass die Paralleltwins später von V-Motoren wegen deren geringerer Baubreite
und vermeintlich besserer Fahrbarkeit verdrängt wurden, hält Bartol denn auch für einen historischen Irrtum der Ingenieure. »Wenn du zwei Einzylinder-Prüfmotoren mit je 50 PS koppelst, und es kommen plötzlich nur 88 PS raus, stimmt irgend-
etwas nicht«, verdeutlicht Bartol, dass sich die unterschiedlichen thermischen Verhältnisse, Airbox- und Auspuffsysteme der beiden Zylinder eines V-Motors eben nur sehr schwer perfekt synchronisieren lassen. Bei seinem Paralleltwin ist hingegen alles streng symmetrisch. »Bald werden wir mehr als das Doppelte der Leistung unserer 125er haben«, reibt sich Bartol die Hände. 55 PS haben die Einzylinder derzeit – bei der 250er ist von 112 PS die Rede.
In Donington hatte KTM zwei Motor-
varianten mit 180-Grad- und 90/270-Grad-Zündfolge dabei – die Big-Bang-Version ging im Training wegen eines Lagerschadens ein. Am Sachsenring hatten beide Motoren die Big-Bang-Zündfolge, weil
diese Version kontrollierbarer beschleunigt und auch mehr Spitzenleistung produziert. Diesmal brach im entscheidenden Training ein Auspuff, was West nicht davon abhielt, Zwölfter zu werden. Am Start fiel er wegen eines Kupplungsproblems bis fast an
den Schluss des Felds zurück, erkämpfte dennoch einen wackeren zehnten Platz.
Schon jetzt sieht es danach aus,
als sei dem 250er-Projekt eine goldene
Zukunft beschert. Für 2006 ist Gabor
Talmacsi als zweiter Mann im Gespräch, für die 125er-Klasse rücken gleichzeitig die bisherigen Junior-Piloten nach – sowohl Michael Ranseder als auch Stefan Bradl, am Sachsenring 12. und 16.,
unterschrieben Vier-Jahres-Verträge. fk

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote