Kurzporträt Andrea Mayer (Archivversion) Sand und Seide

Für Profi Andrea Mayer heißt Rallyefahren nicht nur Kampf und Entbehrung, sondern ist auch eine Sache von Herz und Verstand

Und: »Ich liebe diesen Sport, ich liebe dieses Leben, das damit zusammenhängt.« Seit sechs Jahren fährt Andrea Mayer Rallyes, seit zirka einem Jahr ist sie Profi im BMW-Team von Richard Schalber. Kein geregeltes Leben mit Acht-Stunden-Tag, 40-Stunden-Woche und freiem Wochenende. Konditionstraining, Fahrtraining sowie Testfahrten des Wettbewerbsmotorrads bestimmen den Alltag der 30jährigen Allgäuerin.Ihren Beruf als Motorradjournalistin übt sie schon lange nicht mehr aus. Wenn es die Zeit erlaubt, arbeitet sie als Instruktorin im BMW-Enduro-Park Hechlingen oder als Tour-Guide bei verschiedenen Reiseveranstaltern, die Wüstenfahrten anbieten. Dabei lernte sie auch ihren Freund, den Salzburger Casino-Croupier Peter Kowatsch kennen, der sich - und nicht nur da verstehen sich die beiden prächtig - sowohl in schickem Zwirn als auch auf staubigen Enduropisten wohlfühlt. Und ein Mann ist, der ihr Leben so akzeptieren kann, wie sie es führt. In dem Rallyefahren über alles geht. »Ich liebe es, meine eigene Grenze zu suchen und immer wieder zu verschieben. Der Körper signalisiert, es geht nicht mehr, und der Kopf sagt, es geht doch,« lautet Andrea Mayers Philosophie. Dafür bot die diesjährige Rallye Paris-Dakar das ideale Betätigungsfeld, denn sie galt als fahrerisch besonders anspruchsvoll. Gerade mal 53 von 181 gestarteten Motorradfahrern kamen in Dakar ans Ziel, und selbst der sechsfache Sieger Stéphane Peterhansel sprach von der härtesten seiner Karriere.Endlose Dünenfelder, und grundloser, weicher Sand zwangen viele Fahrer in die Knie. Aber Andrea Mayer hielt zunächst durch: »Du darfst nie denken, ich schaffe es nicht. Auch im Sand, wenn du das Motorrad immer und immer wieder eingräbst, bis zu zwanzigmal steckenbleibst und vom ständigen Ausbuddeln schon ganz fertig bist, dann mußt du dich wieder motivieren, dir sagen, bei der nächsten Düne klappt es bestimmt, dort gräbst du dich nicht mehr ein, diesmal hast du einfach nur zu wenig Gas gegeben...«Drei Tage vor Schluß, den Sieg der Damenwertung schon im Visier, kam für die BMW-Fahrerin das Aus durch eine defekte Kupplung. Keine der anderen vier Frauen war zu diesem Zeitpunkt noch dabei.Bei ihrer ersten Dakar 1996, damals als Amateurfahrerin auf KTM, erreichte sie das Ziel - ausgelaugt von tagelangem Fahren und nächtelangem Schrauben und schwer angeschlagen von einem Sturz auf der vorletzten Etappe. 30 Kilometer nach dem Start kugelte sie sich bei einem Überschlag die Schulter aus, das herbeigerufene Ärzteteam renkte diese ohne örtliche Betäubung wieder ein. Danach fuhr sie weiter, 600 Kilometer in Begleitung des durch einen Bandscheibenvorfall ebenfalls verletzten Slowenen Miran Stanovnik. Sie trat ihm das Motorrad an, er hob sie und ihre KTM nach jedem Sturz wieder auf. Um viertel nach vier in der Nacht erreichten sie das Camp, um halb fünf wurde die letzte Etappe zum Strand von Dakar gestartet. Andrea Mayer kam an.Aber: »Glück empfindest du nach so einer Strapaze nicht, du bist einfach fertig und willst nur noch schlafen.“

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