Kurzporträt Jon und Jonnie Ekerold (Archivversion) Jon & Jonnie

Jon Ekerold scherte sich als Aktiver kaum um seine Gesundheit; Sohn Jonnie fährt aus gesundheitlichen Gründen Straßenrennen.

Die Verwirrung war zunächst riesengroß, als der Name Jon Ekerold auf der Teilnehmerliste des ersten Rennens zum Supersport 750-Cup in Speyer auftauchte. Sogar noch vier Wochen später, bei der Superbike-DM auf dem Nürburgring, hielten einige Pressekollegen den Start von Ekerold anfangs für einen gelungenen PR-Gag der Veranstalter, um dem Boykott der Pro Superbike-Spitzenteams entgegenzutreten.Aber es handelte sich keineswegs um ein Comeback des 350-cm³-Weltmeisters von 1980, nicht in Speyer und auch nicht auf dem Ring, wo der Südafrikaner, noch auf der Nordschleife, seine in Deutschland bis heute ungebrochene Beliebtheit begründete. Mit Toni Mang hatte er sich damals um die alte Nürburg geprügelt, als gäbe es kein Morgen. Und am Ende war zwar Ekerolds Knie heftigst aufgerieben, aber er war mit seiner Bimota-Yamaha auch Weltmeister und hatte mit einem Schlag in seiner Wahlheimat Deutschland fast genauso viele Fans wie Nationalheld Toni Mang.Dennoch denkt der 45jährige Ekerold, der inzwischen unter anderem in der inoffiziellen Funktion des deutschen Botschafters für Superbike-WM-Promoter Flammini arbeitet, ebensowenig an einen späten Wiedereinstieg wie sein Lieblingsgegner von einst, Toni Mang. Vielmehr handelt es sich bei dem Jon Ekerold auf den Rennpisten von 1996 um seinen 21jährigen Sohn, der im Familienkreis der Unterscheidung wegen Jonnie gerufen wird.Der blonde Jüngling wollte übrigens ursprünglich nur bedingt den Spuren seines Vaters folgen. Denn Klein-Jonnie begann recht hoffnungsvoll im südafrikanischen Moto Cross-Sport, bis der feine Staub eine Karriere im Stile seiner erfolgreichen Landsleute Collin Dugmore, Rob Herring oder gar des dreifachen Moto Cross-Weltmeisters Greg Albertijn stoppte. »Ich litt massiv unter Asthma«, erinnert sich Jonnie ungern, »da war an weitere Moto Cross-Rennen nicht mehr zu denken.«So kam der Wechsel auf den Asphalt nicht ganz freiwillig zustande. Die würzige Luft eines Straßenrennfahrerlagers war offenbar weniger schädlich für Jonnies gereizte Bronchien, und er stieg in die südafrikanische 250er Meisterschaft ein. »Aber ich sehe für einen Nachwuchsfahrer auf dem Stand von Jonnie die Zukunft eher im Viertakt-Bereich, bei den Superbikes«, griff Vater Jon managend in die noch frische Road Racer-Karriere ein, »die Zweitakt-Klassen werden über kurz oder lang dagegen an Bedeutung verlieren. Und außerdem ist Jonnie nicht gerade ein Jockey.«So war es nur logisch, daß Altmeister Jon die Kontakte zu seinem Konkurrenten und Freund aus früheren Zeiten, Bodo Schmidt, erneuerte. Der Saarländer, ebenfalls seit einigen Jahren nicht mehr als Rennfahrer aktiv, betreibt inzwischen erfolgreich eine Suzuki-Vertretung und setzt in Eigenregie GSX-R 750-Maschinen im Supersport-Cup ein. Jon Ekerold findet somit zusammen mit seinem Teamgefährten Alexander Schaden hervorragende Bedingungen. Und der Erfolg läßt sich bereits messen, wenn auch mit einem kleinen, vielleicht familienspezifischen Wermutstropfen. Nachdem Vater Jon beim Auftakt in Speyer trotz des Sturzes im Rennen happy war - »Was, Jonnie ist auf dem 15. Startplatz. Ich dachte zuerst, er wäre nur 15. in seiner Gruppe, also 30. und fand das auch schon o.k.« -, gab es beim zweiten Cup-Rennen in Hockenheim bereits einen sechsten Platz für Jonnie und zwischendurch beim Superbike-Gastspiel auf dem Nürburgring auf einer Kawasaki mit zwei dritten sogar Podestplätze.Bei der Premiere auf dem fahrerisch sehr anspruchsvollen Sachsenring, wieder mit der Supersport-Suzuki, kämpfte Jonnie Ekerold lange Zeit um Platz drei, beendete das Rennen als Vierter - und wurde anschließend wegen rüder Fahrweise disqualifiziert. Hat Ekerold Junior am Ende nicht nur Talent, sondern auch Temperament vom Vater geerbt?

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