Kurzporträt Maxi Nagl (Archivversion) Maxi-Mumm

Platz 17 und Platz 15. Der deutsche Motocross-WM-Lauf 2004 in Teutschenthal ist abgehakt. Maximilian Nagl hat sein Soll erfüllt. Mehr nicht. Zufrieden ist man im Profi-Sport nie. Oder zumindest selten. Vor einem Jahr war er zufrieden, hier auf dieser Piste in der Nähe von
Leipzig. Damals sprang Platz 18 heraus, die ersten WM-Punkte einer Karriere – mit 15 Jahren. Spätestens seit diesem Tag hofft die Offroad-Szene mit dem Youngster aus Hohenpeissenberg in Bayern. Hofft auf einen zweiten Pit Beirer. Dass ausgerechnet Deutschlands Vorzeige-Motocrosser vier Wochen später seine Karriere nach einem fatalen Sturz beim bulgarischen WM-Lauf mit einer Querschnittslähmung beenden sollte, konnte sich in diesem Moment niemand vorstellen. Außer vielleicht Maxi. Denn seinen Vater kennt er nur im Rollstuhl. 1984, drei Jahre vor der Geburt Maxis stürzte Hubert Nagl bei einem Motocross-DM-Lauf: Querschnittslähmung.
Warum gerade Motocross? Seit Maxi sechs Jahre alt ist, zuckt er die Schultern und fragt dagegen: Warum nicht? Motocross kann gefährlich sein. Mountainbiken, Reiten, Drachenfliegen aber auch. Warum nicht? Vielleicht, weil Vater Hubert keine Verbitterung kennt, sich mit einem Motorradgeschäft, das er nach seinem Unfall übernahm, finanziell sanierte – und Maxi diesen Sport ermöglichte.
Einen Sport, für den der Filius ein außergewöhnliches Talent besitzt. Regionale Serien und nationale Jugendmeisterschaften reduzierte er zu Durchgangsstationen auf dem Weg nach oben. Das Engage-
ment dafür ist beträchtlich. Luftkurorte und Hüttenwirte mögen keine Motocrosser.
Die nächsten Trainingsstrecken liegen 150 Kilometer, entfernt. Schularbeiten wurden im Wohnmobil erledigt. Zeit dazu blieb
genügend, bei 80000 Kilometern im Jahr.
Das ist Vergangenheit. Seit im Sommer letzten Jahres die mittlere Reife unter Dach und Fach ist, firmiert Max unter Profi-
Crosser. Die erste internationale Saison gelingt auf Anhieb. Nach dem 18. Platz in
Teutschenthal holt er in Bulgarien Rang 13.
Arbeitgeber KTM Deutschland integriert Jungstar Nagl in das internationale Drei-Mann-Team mit dem Esten Aigar Leok und dem Südafrikaner Gareth Swanepoel. Auch wenn die offizielle Sprachregelung anders lautet, gilt Maxi als die heimliche Nummer eins in der Truppe. Schließlich weiß jeder: Nur mit einem nationalen Helden wird das Engagement wahrgenommen. Maxi muss diese Rolle akzeptieren. Den Druck, der mit ihr verbunden ist, ebenfalls. Denn die hiesigen Fans gieren nach Erfolgen. Und weil die nationale Motocross-Szene derzeit qualitativ am Boden liegt, kann sie ihnen eben nur Max liefern.
Dafür zündet das Familienunternehmen Nagl derzeit die nächste Stufe des Projekts Maxi. In den kommenden Wochen steht der gemeinschaftliche Umzug ins belgische Lommel, quasi dem Silicon Valley der europäischen Motocross-Szene, an. Dort soll der schmächtige Youngster auf den populären Trainingspisten die Scheu vor den großen Namen der Offroad-Welt verlieren – um irgendwann einmal selbst zu
ihnen zu gehören. pm

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote