Kurzporträt Tom Dunker (Archivversion)

Ganz in Weiß

Wer ganz oben ist, kann tief fallen. Aber umgekehrt geht´s auch: die Geschichte des Langbahn-Weltmeisters Tom Dunker.

Das Märchen des Tom Dunker begann vor rund einem Jahr. Nach der Speedway-WM wollte der internationale Motorradsportverband FIM auch die Langbahn-Weltmeisterschaft - bislang die Paradedisziplin der deutschen Stahlschuhritter - reformieren. Aus dem eintägigen Weltfinale wurde ein fünfteiliges Grand Prix-System. Aber leider vergaßen die Verbandsoberen, ein attraktives Preisgeld auszusetzen, einen Seriensponsor an Land zu ziehen oder gar einen TV-Vertrag für die neue Serie abzuschließen. Das Ergebnis: Die acht besten Sandbahnfahrer der Welt blieben in der letzten Saison zu Hause. Neben dem 48jährigen Egon Müller sowie Mathias Kröger führte auch Tommy Dunker die Front der deutschen Streikbrecher an. Und letztlich sollte es auch er sein, der den umstrittenen Titel des Gras- und Langbahn-Weltmeisters an sich riß. »Wenn Riss, Barth, Wigg, Diener und Tatum an der WM teilgenommen hätten, dann wären sie sicher frustriert gewesen, weil sie hinter mir gelandet wären«, rechtfertigt sich Dunker vor der Häme der abwesenden, in Fachkreisen stärker eingeschätzten Konkurrenz. Ganz von der Hand zu weisen ist seine Theorie nicht: Kaum einer betreibt den Bahnsport so sorgfältig, professionell und mit einem vergleichbarem Aufwand wie der 28jährige mit dem Saubermann-Image - zumindest seit der Bielefelder Unternehmer Thomas Diekmann, der in jungen Jahren selbst Grasbahnrennen bestritt, Dunker generös unterstützt. »Der Sponsorvertrag mit Thomas Diekmann war wie ein Sechser im Lotto«, weiß Tommy die finanzielle Hilfe des bahnsportbegeisterten Fenster-Fabrikanten zu schätzen, auf die er mittlerweile seit drei Jahren bauen kann.Das Märchen des Langbahn-Weltmeisters Tom Dunker hat allerdings auch noch eine Vorgeschichte. Und die begann vor 28 Jahren: Klein-Tommy, eines von fünf Kindern einer wenig betuchten Familie in Neumünster; Vater Walter Fußbodenverleger, Hobby: Sand- und Grasbahnrennen. Mit drei Jahren sitzt Tommy das erste Mal auf einer von Papa erbauten Speedwaymaschine mit 50-cm³-Motor. Mit elf die ersten Runden auf der Bahn in Brokstedt. Mit 13 das erste Rennen. Mit 17 bereits deutscher Speedwaymeister vor den arrivierten Größen Gerd Riss und Karl Maier. Tommy Dunker stieg zum neuen Stern am Speedwayhimmel auf - doch dann ging´s bergab.Dunker flog zu Hause raus, wurde arbeitslos, fing zu trinken an, verlor den Führerschein, lebte erst von Arbeitslosen- und dann von Sozialhilfe. An Rennen fahren war nicht mehr zu denken. Doch Tom Dunker hatte das Glück auf seiner Seite, personifiziert durch ein paar Freunde: 1994 zog ein alter Schulkamerad den entgleisten Ex-Star aus dem sozialen Abgrund. In der kommenden Saison wollte Dunker wieder Rennen fahren und begann, wie ein Besessener auf der Speedwaybahn in Neuenknick zu trainieren. Doch der Neuanfang hatte neben dem Haupteffekt, zurück in den Motorsport zu kommen, gleich zwei positive Nebeneffekte: Erstens las ein auf die Betreuung Suchtkranker spezialisierter Arzt über Dunkers Alkoholprobleme und die neuen sportlichen Ambitionen und bot ihm die begleitende Betreuung an. Zweitens lernte Tom just beim Training in Neuenknick seine heutige Ehefrau Birgit kennen, die seinem Leben eine entscheidende Wende gab. Dank der gelernten Industriekauffrau kam er raus aus dem verhängnisvollen Umfeld in Neumünster und zog schon nach wenigen Wochen zu ihr nach Waltrop am nördlichen Rand des Ruhrgebietes. »Birgit ermöglichte mir das zweite Leben«, zeigt sich der Geläuterte auch heute noch seiner besseren Hälfte dankbar.Inzwischen haben die Langbahn-Stars Gerd Riss, Robert Barth, Kelvin Tatum und Bernd Diener ihre Teilnahme an der WM 1998 angemeldet - auch zum Butterbrot-Tarif und ohne TV-Sendezeit. Den WM-Titel hat, wenn es nach Tom Dunker geht, jedoch keiner von ihnen vorab sicher: »Die werden überrascht sein, wie ich um diesen Titel kämpfen werde.“
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Tom Dunker (Archivversion)

28 Jahre, verheiratet mit BirgitAutogrammadresse: Tom(my) Dunker, Messingfeldstraße 37, D-45731 WaltropBeruf: FußbodenverlegerClub: MSC Mulmshorn1972 Erstes Speedwaymotorrad1982 Erstes Speedwayrennen1987 Deutscher Speedwaymeister Platz 5 Junioren-Weltmeisterschaft1997 Gras- und Langbahn-Weltmeister Deutscher Langbahn-Vizemeister

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