Kurzporträt (Archivversion) Holzleitner

Hans Holzleitner, Versuchsingenieur

Ein Leben für Rotax. Klingt pathetisch. Hans Holzleitner sah nie die Notwendigkeit, die Firma zu wechseln. Ein gutes Zeichen nicht nur für das Betriebsklima. Der heute 52jährige Ingenieur trat sofort nach dem Studium in Linz in die Firma ein, anno 1965. »Motoren, das war immer mein Hobby«, sagt der blonde Mann mit dem jugendlichen Gesicht und beginnt gleich zu erzählen, welche Motoren sie damals in der Versuchsabteilung unter die Lupe nahmen. »Das waren die 125er und 150er Viergang für die Lohner-Roller und die Sissi-Mopeds.« Die Vergangenheit lebt. Beim Fototermin nützt der Oberösterreicher die Zeit und referiert lückenlos über die Motorsportaktivitäten des Hauses, die er seit den Anfängen begleitet hat. »1979 haben wir mit Straßenrennen angefangen. Kent Anderson hatte die Idee mit dem Reihenmotor. Wir haben einfach zwei 125er Zylinder mit zwei Kurbelwellen voreinander angeordnet. Bananenmotor nannten wir den damals. Später hat Manfred Herweh damit den 250er Vizeweltmeistertitel gewonnen.« Weiter geht`s im Takt, und drei Minuten später ist Holzleitner bei der 125er WM von 1997 und der Aprilia RS 125 des Valentino Rossi. Schließlich fällt der Name Vitteveen, der bei Aprilia die angelieferten Rotax-Rennmotoren feintunt. »Wir sind heute nur noch für die Ability (Zuverlässigkeit) zuständig. Die Rennbetreuung macht Aprilia selbst«. Vom Rennsportbazillus ist Holzleitner noch heute befallen. Letztes Jahr konnte er die Moto Cross-Meisterschaft in der Super-Seniorenklasse gewinnen. »Das sind die ganz Alten über 45«, schmunzelt er. Daß er auf einer 250er Kawasaki startete, darf er ruhig sagen. »Wir haben ja keinen passenden Rotax-Motor für die 250er.« Mit Crossfahren hatte er als 26-jähriger angefangen. Auf einer 250er CanAm, später dann auf Puch. 1981, mit 36 nicht gerade mehr ein Jüngling, gewann er die Gesamtösterreichische Heeresportmeisterschaft. Weil Rotax schon Ende der 60er Jahre für Bombardier Triebwerke für Motorschlitten lieferte, lag es nahe, auch dort mal mitzumischen. Der Versuchsingenieur fuhr also ab 1969 beim Motorschlitten-Alpencup mit. Blieb da noch Zeit für Privates? Wenn Privatleben und Beruf fast deckungsgleich sind, verwundert es kaum, daß Holzleitner seine Frau Eleonore in der Firma kennlernte. »Typische Rotax-Ehe«, grinst der Ingenieur. Deswegen kann er auch heute noch Vollgas geben. Die Rückendeckung seiner Frau hat er jedenfalls. Rennbetreuung für die Personal Watercraft-Rennen (Wasserscooter) in Kanada, Projektleiter für die All terrain vehicles (ATV) und der normale Job eben. Ein Mitarbeiter kommt rein, auf dem Prüfstand ist was schiefgelaufen. Holzleitner in seinem Element: »Könnte der Druckschalter im Kühlkreislauf sein."

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