Länderinfos: Argentinien Argentinien – Land der Superlativen

Argentinien ist ein Land der Superlativen, und dessen Bewohner behaupten stolz, es sei das Land der sechs Kontinente – eine kleine, aber sehr charmante Übertreibung. Egal. Wen es nun in das Land des Tangos und der Gauchos zieht, muss sich auf gewaltige Entfernungen einstellen: Argentinien ist so groß wie Westeuropa und verfügt über Regenwald, den höchsten Berg der Welt außerhalb des Himalaja, die schier unendlich weiten Grasflächen Patagoniens, riesige Salzseen und gewaltige Gletscher. Die brodelnde Metropole Buenos Aires gilt noch immer als das Paris Südamerikas. Leider gibt es einen Haken: das Preisniveau. Argentinien ist mit großem Abstand das teuerste Reiseland in Südamerika.

Tango, Steaks und Jugendstil
In keiner anderen Stadt Südamerikas finden sich im Zentrum mehr prachtvolle Cafés, mehr Museen und Theater, mehr atemberaubend schöne Häuserfassaden besonders im Jugendstil. Und: Im Gegensatz zu anderen Städten gilt Buenos Aires als relativ sicheres Pflaster für ausgedehnte Spaziergänge bis in die Nacht hinein. Ein Muss sind neben der lebhaften Fußgängerzone Calle Florida die beiden Stadtviertel San Telmo und La Boca. Im historischen San Telmo liegen viele der besten Kneipen und Restaurants und natürlich die attraktivsten Tango-Bars. Tipp: sonntags in San Telmo auf den Flohmarkt gehen. La Boca ist das pittoreske Hafenviertel, in dem sich überwiegend italienische Einwanderer niederließen – über die Hälfte aller Argentinier haben italienische Vorfahren. Noch ein Tipp: im Hafen die Häuser mit den bunten Wellblechfassaden anschauen und danach in einem der vielen guten Restaurants ein Steak bestellen. Argentinier lieben Fleisch über alles, und in manch einer Parrilla (Steakhaus) werden Steaks serviert, die mehr als ein halbes Kilo wiegen.

Hoch, höher, am Höchsten
Die höchsten Berggipfel Amerikas befinden sich im Nordwesten Argentiniens. Hier führen verwegene Schotterpässe bis auf Höhen von fast 5000 Metern. Der einzige asphaltierte Anden-Pass windet sich von Mendoza in Richtung Chile zwar nur auf eine Höhe von 3400 Metern, er führt aber am höchsten aller Berge Amerikas vorbei, dem 6959 Meter hohen Anconcagua. Ganz im Norden lockt die wunderschöne Kolonialstadt Salta. Hier beginnen die abenteuerlichsten Andentrips – auf einfachen Wegen geht's steil bergauf in die Puna, einer über 3600 Meter hoch gelegenen Bergwüste. Roter Fels und Stein, Kakteen und riesige, blendendweiße Salzseen bestimmen hier das Bild an den Grenzen zu Chile und Bolivien. Wer über ein eigenes Fahrzeug verfügt, entdeckt eine einzigartige Andenwelt. Ansonsten bietet sich eine Fahrt mit dem »Tren a las Nubes« an: Der »Zug in die Wolken« startet in der Stadt Salta und erreicht am zweiten Tag nach einer atemberaubend schönen Fahrt über bis zu 4500 Meter hohe Pässe schließlich das Bergnest Socompa, das in völliger Abgeschiedenheit hoch oben in den Anden liegt.

Patagonien – Was für ein Name! Und was für eine Region, die wie kaum eine andere die Fantasie vieler Reisenden angeregt hat. Nur wenige haben diesen Teil der Welt angemessen beschrieben; einer von ihnen war Bruce Chatwin. Sein Buch »In Patagonien« wurde zum Klassiker der Reiseliteratur. Patagonien erstreckt sich im Süden Argentiniens, ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, und dort leben weniger Menschen als in der Stadt Hamburg. Wer Einsamkeit sucht und Sinn für gewaltige Naturschauspiele hat, ist hier an der richtigen Adresse.

Am Ende der Welt
In Patagonien startet man am besten im touristisch erschlossenen Bariloche auf der legendären Ruta 40, die sich auf der Nord-Süd-Achse durch ganz Argentinien erstreckt, und hält sich auf dieser Piste einfach Richtung Süden. Wenn einen nicht der Wind umhaut, der oft in Orkanstärken bläst, erreicht man irgendwann den Gletscher Perito Moreno, dessen senkrechte Eisfront etwa 70 Meter hoch aufragt und der zum sogenannten Patagonischen Inlandeis gehört, der größten Eisfläche außerhalb der beiden Polkappen. Bis heute hat noch niemand dieses unwirtliche Eismeer zu Fuß durchqueren können...

Zwei weitere markante Punkte im argentinischen Patagonien: die Granitspitzen Cerro Torre und Fitz Roy. Sie gehören heute noch für Bergsteiger zu den schwierigsten Gipfeln der Welt. Und schließlich, nach tagelanger staubiger Einsamkeit, erreicht der Reisende in dieser grandiosen Weite Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt auf der Insel Feuerland. Nicht mehr weit entfernt: Kap Hoorn, das südliche Ende der Welt.

Auf dem Weg entlang der Ostküste zurück nach Buenos Aires, kommt der Reisende an der Halbinsel Valdés vorbei, wo sich unzählige Pinguine, Seelöwen und regelmäßig auch Orcas tümmeln. Zwischen Juli und Dezember sammeln sich Hunderte von Glattwalen, um sich hier zu paaren. Weiter in Richtung Buenos Aires wird das Land grüner. Hier beginnt die Pampa, das Reich der Rinderbarone mit ihren herrschaftlichen Gutshäusern, den Estancias. Die Bevölkerung in dieser Region verehrt jedoch weniger die Großgrundbesitzer – die eigentlichen Helden des Landes sind die Gauchos, die als argentinische Cowboys weltweite Popularität erlangten und maßgeblich das Bild des stolzen Argentiniers prägen. Oft sieht man sie über dieses endlose flache Land reiten, das schon immer die reichste Region Argentiniens war.

Dschungel, Wasser und Ruinen
Der Nordosten Argentiniens ist die tropische Zone des Landes. Nahe der Grenzen zu Brasilien und Paraguay dominiert dichter Regenwald – und in diesem Dreiländereck befinden sich die Iguazú-Wasserfälle, das meistbesuchte Naturschauspiel Südamerikas. Auf einer Breite von drei Kilometern stürzen sich 270 Fälle bis zu 70 Meter in die Tiefe – ein schier unglaubliches Schauspiel, das man von Stegen und Brücken betrachten kann. Bei der Rückfahrt nach Buenos Aires passiert der Reisende die etwa 220 Kilometer entfernten Jesuiten-Mission San Ignacio Miní aus dem Jahr 1669. Die Überreste der einst gewaltigen Kathedrale waren komplett überwuchert und wurden erst vor kurzer Zeit von der Vegetation befreit. Ebenfalls in Argentinien möglich: eine Bootstour durch ein gigantisches Sumpfgebiet, den Esteros de Iberá. Alligatoren und exotische Vögel sind auf dieser Tour inklusive. Wer bei dieser Vielfalt an Sehenswürdigkeiten durch Argentinien reisen möchte, sollte neben einer gut gefüllten Geldbörse viel Zeit mitbringen. Oder eine strenge Vorauswahl der touristischen Highlights treffen, denn das Land ist für einen Kurzurlaub einfach zu groß.

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