Länderinfos: Ecuador Ecuador – Anden und Tropen

Ecuador ist überall: Ecuador ist in Hamburg oder Berlin, genauso wie in Buxtehude oder Memmingen. Ecuador ist Panflöte, Woll-Poncho und das Lied »El Condor pasa«. Fast jeder kennt die ecuadorianschen Folklore-Gruppen, die auf Marktplätzen, in Fußgängerzonen oder in der Bahnhofshalle ihr Liedgut aus den Anden zum Besten geben. Es scheint, als seien fast alle Hochland-Indianer des südamerikanischen Landes in Europa unterwegs, um auf öffentlichen Plätzen und Volksfesten als Straßenmusiker ihr Brot zu verdienen.

Wer allerdings wirklich nur diese überzeichnete und klischeehafte Vorstellung von Ecuador im Kopf hat, der sollte dringend in das vergleichsweise kleine Land auf dem südamerikanischen Kontinent reisen und sich selbst ein Bild machen. Zwar wird er auch dort allerorts auf die folkloristischen Musikgruppen treffen, allerdings bietet das Land neben diesem kleinen Ausschnitt indianischer Kultur weitaus mehr: eine abwechslungsreiche Landschaft und eine Flora und Fauna, die ihres Gleichen sucht.

Ecuador ist Südamerika im Kleinformat. Mit einer Fläche von rund 280.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Großbritannien oder Italien, finden sich in Ecuador fast alle Landschaftstypen Südamerikas wieder: im Nordwesten und im Osten dichter Dschungel, im Südwesten die trockene Küstenlandschaft am Pazifik. Und im zentralen Ecuador bilden die Anden als Hochgebirge mit Berggipfeln von über 6000 Metern quasi das Rückgrat des Landes. Dazwischen: fruchtbare Täler und ein vegetationsreiches Hochland, wo Kulturpflanzen wie Kaffee und Bananen gedeihen. Affen, Papageien, Raubkatzen und andere Exoten gehören in Ecuador genau wie Lamas, Kondore und Pelikane zum Repertoire einer vielfältigen Tierwelt.

Erste Wahl für Südamerika-Einsteiger
Die biologische Vielfalt auf dichtem Raum ist es auch, die viele ausländische Besucher in das Land führt. In Ecuador reicht ein relativ kurzer Urlaub aus, um das Land und seine Attraktionen weitgehend kennenzulernen. Grund genug für viele Südamerika-Einsteiger, das Land am Äquator als bevorzugtes Reiseziel auszuwählen. Die Ecuadorianer haben sich das zu Nutze gemacht und eine entsprechende touristische Infrastruktur auf die Beine gestellt. Besonders reizvoll für Naturfreunde: ein Abstecher zu den Galapagos-Inseln, die sich durch eine einmalige Artenvielfalt der dort angesiedelten Tierwelt auszeichnen. Reiseveranstalter, die sich auf Öko-Tourismus spezialisiert haben, bieten mehrtägige Ausflüge in das Naturschutzgebiet an.

Öko-Tourismus ist auch das Stichwort, mit dem die Reisenden geworben werden. Zwar hat Ecuador einige passable Sandstrände vorzuweisen, an die es Surfer und Sonnenanbeter aus aller Welt zieht, doch das touristische Hauptgeschäft liegt im Landesinneren. Touren in den Regenwald mit Besichtigungen von Tierbeobachtungsstationen, von Biologen geführte Exkursionen in die mystischen Nebelwälder im Süden des Landes oder Trekkingtouren zu den zahlreichen Vulkanen im Land – nur einige Beispiele für touristische Angebote, die zeigen, dass es in Ecuador an Alternativen zu einem Pauschalurlaub nicht mangelt.

Prima leben und sparen
Dabei sind die Angebote recht günstig. Oft sind Verpflegung und Unterkunft in den Kosten für die Tour enthalten, ein einheimischer Tourguide macht es den Reisenden leicht, ihr persönliches Südamerika-Abenteuer in den Anden oder im Dschungel zu erleben. Und selbst von Europäern und Amerikanern geführte Touren, Hotels oder Restaurants unterscheiden sich preislich kaum von einheimischen Anbietern. Die in Ecuador angesiedelten Gringos – so werden Ausländer mit heller Hautfarbe gern genannt – sind oft Aussteiger, die, weit weg von ihren industriellen Heimatländern, ihren Traum vom einfachen Leben in der Natur erfüllen wollen. Selbst in der tiefsten Provinz findet sich daher neben den äußerst günstigen einheimischen Hotels und Restaurants auch meist ein preiswertes vegetarisches Restaurant oder eine Pizzeria – mit einem Aussteiger als Inhaber. Für Reisende, denen das Standard-Menü Pollo con Arroz (Huhn mit Reis) oder die ecuadorianische Spezialität Cuí (Meerschweinchen) nicht schmecken, sind die Gringo-Restaurants eine willkommene Abwechslung.

Während die preiswerten Unterkünfte und gastronomischen Möglichkeiten für den Reisenden nur Vorteile bieten, haben die Touren-Sonderangebote oft ihre Schattenseiten: Im Wettbewerb um die Kunden vergessen manche Anbieter häufig, entsprechende Sicherheitsstandards einzuhalten. So werden zum Beispiel Touren auf Vulkane, wie dem höchsten Berg des Landes, dem Chimborazo (6310 Meter), inflationär und ohne Rücksicht auf die Kondition der Teilnehmer durchgeführt. In diesen extremen Höhen werden Touristen deshalb öfter mal zu Opfern der vielerorts unterschätzten Höhenkrankheit – teilweise mit tödlichem Ausgang. Dennoch: Kaum anderswo auf der Erde lassen sich derart hohe Berge so komfortabel besteigen.

Folkloristischer Großmarkt
In Ecuador kommen allerdings nicht nur Gipfelstürmer und Outdoor-Freaks auf ihre Kosten. Die Städte mit einer Mischung aus kolonialem Baustil und indianischer Kultur bieten den Reisenden einen besonderen Reiz – Quito zählt beispielsweise zu den schönsten Hauptstädten Lateinamerikas. In jeder größeren Stadt und in touristischen Zentren bietet die indianische Bevölkerung ihre Handarbeiten an, und ansässige Folkloregruppen unterhalten die Marktbesucher mit Musik und Tänzen aus der Andenregion. Der größte und populärste südamerikanische Markt für handgearbeitete indianische Schmuck- und Kleidungsstücke befindet sich in dem 100 Kilometer von Quito entfernten Ort Otavalo. Das in Otavalo gefertigte »Artesania« (Kunsthandwerk) wird auch nach Europa exportiert und hierzulande auf Weihnachtsmärkten oder in Eine-Welt-Läden vertrieben – zu einem vielfachen Preis, versteht sich.

Für Motorrad-Reisende ist ein Einkauf von voluminösen Lama-Decken, Ponchos oder handgearbeiteten Holzinstrumenten aus Platzmangel hingegen weniger empfehlenswert. Auch wenn das Verkehrsnetz im Land – abgesehen von dem östlichen Amazonasgebiet – überwiegend gut ausgebaut ist, sind längst nicht alle Straßen asphaltiert. Jedes überflüssige Kilo Gepäck am Motorrad stört auf den Schotter- und Sandpisten – und kann nach Regenfällen das Schieben durch aufgeweichten Boden zur Tortur machen. Motorrad-Reisende werden allerdings auch kaum wegen des preiswerten Kunsthandwerks eine Reise durch Ecuador unternehmen, sondern eher wegen des atemberaubenden Anden-Panoramas.

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