Länderinfos: Peru Peru – Auf den Spuren der Inkas

Man spricht Quechua – in Peru ist die ehemalige Sprache der Inkas offizielle Amtssprache und Pflichtfach an den Schulen. In keinem anderen Land Südamerikas trifft man im Alltag auf so viele Relikte aus dem Inka-Reich. Mehr als 5000 indianische Kommunen sind heute allein auf dem Hochland der peruanischen Anden angesiedelt, dazu kommen die zahlreichen Indianerstämme des Amazonas-Gebietes von Peru, die allerdings nicht von der alten Inka-Kultur geprägt sind. Mitten in den östlichen Anden Perus liegt das ehemalige religiöse Zentrum der Inkas, Machu Picchu. Von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert vergeblich gesucht, wurde die Kultstätte erst 1911 von einem Europäer entdeckt – damals komplett von der tropischen Vegetation überwachsen. Heute gehört die Inkastadt zum Weltkulturerbe und ist ein touristisches Highlight für Peru-Reisende.

Neben Machu Picchu stoßen Reisende in Peru auf eine Vielzahl von Artefakten der mythischen Welt der Inkas und anderer präkolumbianischer Kulturen: In der Nähe der Stadt Nazca liegt ein etwa 700 Quadratkilometer großes Gebiet mit den so genannten Nazca-Linien. Das sind Geoglyphen (Bodenmarkierungen), die vor über 700 Jahren in der regenarmen Pampa von San José von dem dort angesiedelten Küstenvolk gezogen wurden. Aus der Luft werden über 100 geometrische Figuren sichtbar, mit Ausmaßen von mehr als 100 Metern. Über die Bedeutung der seltsamen Erdzeichen wird bis heute spekuliert. Eine abenteuerliche Theorie lieferte der Populär-Wissenschaftler Hoimar von Ditfurth: Für ihn steht fest, dass in der Nähe von Nazca vor einigen Jahrhunderten Außerirdische mit ihren Ufos gelandet seien. Die Erdlinien dienten angeblich als Landemarkierung für die Raumschiffe der Besucher aus dem Weltall.

Grab- und andere Räuber
Sehr irdisch hingegen: In der wüstenartigen Pazifikküstenlandschaft Perus liegen offene Grabfelder mit Jahrhunderte alten Skeletten, die durch das extrem trockene Klima in dieser Region weitgehend konserviert sind. Die Grabstätten ziehen allerdings nicht nur Touristen in dieses Gebiet, sondern auch viele Grabräuber, die das Kulturerbe Stück für Stück abtragen und illegal an Privatsammler verkaufen. Überhaupt Räuber: Peru zählt nicht zu den sichersten Reiseländern Südamerikas. Gerade in größeren Städten sind Reisende häufig Opfer von Raub- und Diebstahlsdelikten. Einige Stadtteile der Millionenmetropole Lima, der Hauptstadt Perus, sind für Touristen ein heißes Pflaster, das es zu meiden gilt. Aber auch gerade in typischen Touristenzentren, wie der alten Inka-Hauptstadt Cuzco, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu gewaltsamen Raubüberfällen – derart gehäuft, dass sich die Stadtverwaltung veranlasst sah, eine eigene Touristenpolizei einzurichten. Mit Erfolg, denn in Cuzco ist die Kriminalitätsrate seitdem erheblich gesunken.

Für Individualreisende lauern auch abseits der großen Städte einige Gefahren: Der Sendero Luminoso (Guerillagruppe »Leuchtender Pfad«) kontrollierte noch bis vor ein paar Jahren ganze Landstriche und terrorisierte die Bevölkerung in den Dörfern, wenn diese nicht mit der Guerilla-Organisation kooperieren wollte. Anfang der Neunziger waren Massaker an der Zivilbevölkerung an der Tagesordnung und ausländische Touristen, die als Abenteurer in die entlegenen Gebiete reisten, als potenzielle Zeugen der Gewalttaten nicht gerade beliebt. Zwar hatte Präsident Alberto Fujimori mit seiner autoritären Politik der Gegengewalt die Guerillagruppen weitgehend auflösen können und deren Rädelsführer festnehmen lassen, doch hat sich vielerorts ein Klima der Gewalt durchgesetzt. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr ist die politische Situation in dem großen südamerikanischen Land wieder sehr instabil.

Heimat des Kondors
Abgesehen von den Sicherheitsrisiken ist Peru immer eine Reise wert. Mit seiner landschaftlichen und kulturellen Urtümlichkeit repräsentiert das Land den ganzen Kontinent: Dschungel, Hochanden, Wüsten und Küsten, zusammen mit der urtypischen Folklore auf den vielen Volksfesten, der traditionellen Bekleidung der indianischen Bevölkerung und den unzähligen Überbleibseln der ehemals vorherrschenden Inkakultur erzeugen beim Reisenden das Gefühl, in Peru das ganze Südamerika kennenlernen zu können. Hinzu kommen geographische Superlative: die bei Nazca liegende, mit 1000 Metern höchste Sanddüne des Kontinents, die weltweit längsten Wellen im Pazifik vor der Küste des Nordens oder der gewaltige Colca-Canyon in der Nähe der Stadt Arequipa, mit einer Tiefe von bis zu 3400 Metern doppelt so tief wie der Grand Canyon in den Vereinigten Staaten.

Der Colca-Canyon ist auch die Heimat des imposanten Anden-Kondors, des weltgrößten Greifvogels mit über drei Metern Flügel-Spannweite. In den verschiedenen Anden-Kulturen wurde – und wird – der Kondor als heiliges Tier verehrt, das als Götterbote Kontakt mit der »Oberen Welt« hat. Angesichts der Höhen von rund 5000 Metern, in denen sich der Kondor bewegt, ist der Mythos nachvollziehbar. Bedenkt man, dass in Peru viele Passstrassen auf einer Höhe von über 4000 Metern verlaufen, kommt man mit dem Motorrad dieser »Oberen Welt« schon recht nahe.

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