Lampenherstellung bei Osram: Report (Archivversion)

Als Ausgangsmaterial für H4-Lampen dienen Glasröhren, die in kurze Stücke, die so genannten Kolbenrohre, zerlegt werden. Parallel dazu verbinden Fertigungsmaschinen den Blechsockel mit den drei Kontaktfahnen für die spätere elektrische Steck-
verbindung mit einem Kunststoffring aus Granulat. Die feinen Glühwendeln aus extrem temperaturbeständigem Wolframdraht wickelt eine wieselflinke Maschine, die gleichzeitig filigrane Molybdänbändchen über die Wendelendstücke quetscht, um die spätere Verschweißung mit den Stromzuführungen zu ermöglichen.
Die Stromzuführung selbst besteht aus
drei mittels Quarzglasbalken miteinander fixierten Drahtstücken, mit denen die
beiden Glühwendeln für Abblend- und Fernlicht sowie die Kappe (später für die Hell-
Dunkel-Grenze des Abblendlichts verantwortlich) verschweißt werden. Das ent-
standene Bauteil nennt sich Fertiggestell. Bevor dieses mit dem Glasröhrchen verbunden wird, muss das Glas zu einem
Kolben geformt werden. Dazu wird das Röhrchen mit einer Erdgasflamme erhitzt (1) und unter ständig drehenden Bewe-
gungen in die Länge gezogen.
Auf der Einschmelzquetschmaschine (2 und 3), werden die wie eine Sanduhr geformten Glaskolben unter Hitzeeinwirkung mit dem Fertiggestell verquetscht und
heißen fortan Stengellampe. Als nächstes folgt einer der beeindruckendsten Arbeitsschritte: Die Stengellampe wird mehrfach mit Stickstoff ausgespült, dann mit flüssigem Stickstoff (minus 196 Grad Celsius!) bespritzt (4), mit einem Gasgemisch aus Krypton und Halogenen befüllt, der noch offene Kolben gedichtet und dann der
»Flaschenhals« schnell stark erhitzt, abgequetscht und mit Hilfe eines weiteren Brenners die Spitze gerundet (5). Kurz darauf folgt das erste Erleuchten, im Fachjargon einbrennen genannt. Fehlerhafte Exemplare werden umgehend aussortiert.
Nächster Schritt ist das Aufschieben des Fixrings. Dann werden auf der Sockelmontagejustiermaschine die Drähte der Stromzuführung gebogen und die Lampe auf einem Referenz-Spannring justiert, anschließend die Drahtenden auf die passende Länge geschnitten und Lampe samt Fixring sowie die drei Stromzuführungen mit dem zugeführten Sockel verschweißt (6). Anschließend erhält die Lampe eine Lackkappe aus Spezial-Einbrennlack, der verhindert, dass entgegenkommende Fahrzeuge geblendet werden. Vor der Laser-Beschriftung folgen zahlreiche Qualitäts-
prüfungen. An deren Ende wirft geschultes Personal einen letzten Blick (7) auf die
fertigen H4-Lampen, die schlussendlich in kleinen Verpackungskartons verschwinden.

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