Langstreckentest lohnt (Archivversion) Langstreckentest lohnt

Seit Jahrzehnten führt MOTORRAD für seine Leser Langstreckentests durch. Denn erst im Dauerversuch zeigt sich,
ob eine Maschine gut verarbeitet, die Mechanik robust und der Service kompetent ist. Dabei stieg die zu absolvierende Laufleistung ständig. Genügten zu Beginn der 70er Jahre lediglich 10000 Kilometer, um
einem Motorrad eine gute Haltbarkeit zu attestieren, waren schnell 25000 und später sogar 50000 Kilometer Pflichtprogramm. Ende der 90er Jahre war es dann soweit: Selbst 50000 Kilometer konnten den meisten Maschinen nichts mehr anhaben. Wir überlegten ernsthaft,
ob diese wirklich aufwendige Testform noch sinnvoll ist.
Heute stellt sich das wieder anders dar. Gerade in den letzten Monaten treten gehäuft Schäden an unseren Dauertestern auf. Die
mechanisch stabile Ducati 999 nervte mit Elektronik-Fipsen, die KTM 950 Adventure warf Öl von sich, rupfte mit der Kupplung, klapperte
mit dem Motor. Die BMW R 1200 GS wackelte mit dem Hinterrad und steht derzeit mit geplatztem Getriebelager in der Werkstatt. Die MV Agusta F4 1000 brauchte schon nach 1800 Kilometern ein paar neue Getrieberädchen. Und nun hämmert es auch noch bei der Yamaha
XT 660 X verdächtig im Motor. Langstreckentests lohnen wieder.
Warum jetzt? Haben sich die Hersteller bereits auf die verminderten Fahrleistungen der Motorradfahrer eingestellt? Werden manche Modelle in der heutigen Entwicklungshektik nicht hart genug geprüft? Ist der Händler bei der Wartung manch neuer Entwicklung überfordert?
MOTORRAD wird also weiterhin Dauertests durchführen. Mit aller Härte, allem Aufwand sowie einer peniblen Demontage und Verschleißbeurteilung der von uns verplombten Motoren am Ende der Laufleistung. Und wir werden von den Herstellern bei Problemen Rede und Antwort einfordern. Damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, wieder bessere Maschinen bekommen.

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