Laverda: Jubiläum 50 Jahre (Archivversion) Italienische Momente

Ein bißchen sah’s ja schon aus wie ein Oldtimer-Treffen: Von den rund 400 Motorrädern, auf denen die Laverda-Fans zur Geburtstagsfeier ihrer Marke nach Norditalien anreisten, hatte der größte Teil um die 20 Jahre auf dem Buckel. Ungewöhnlich für eine Marke, die noch immer produziert, aber Laverda blickt schließlich auf wechselvolle 50 Jahre zurück.Nach einer schweren Krise in den Achtzigern, die beinahe das Ende bedeutet hätte, nutzten die neuen Eigner den 50. Geburtstag, um eindrucksvoll zu demonstrieren: Jawohl, wir leben noch. Vier Tage lang, vom 17. bis zum 20. Juli 1997, durften sich Laverda-Freunde aus ganz Europa davon überzeugen - und, nicht weniger wichtig, es sich dabei gutgehen lassen. Das Fest war bestens organisiert, von Hotelunterkunft und Camping über Ausfahrten und gemeinsame Mahlzeiten bis hin zum allabendlichen Konzert auf dem Hauptplatz von Breganze. Dort, nur wenige Kilometer vom neuen Firmensitz in Zanè entfernt, befand sich bis in die 80er Jahre das Stammwerk; und die Einwohner, das versteht sich in Italien, feierten kräftig mit. Bei technischen Problemen half ein werkseigener Laverda-Dienst – zumeist kostenlos. Besondere Freude bereitete den Gästen ein kleiner Rundkurs in Breganze, auf dem sie die aktuellen Modelle probefahren konnten. Angesichts solcher Perfektion kamen vor allem die ausländischen Besucher aus dem Staunen nicht mehr heraus: »Das ist ja schon nicht mehr italienisch«, wunderte sich Peter aus Erding. »Wenn die hier sagen: Um zwei Uhr ist Abfahrt, dann fahren sie auch Punkt zwei los.« Die Laverda-Fans aus den kälteren Regionen Europas freuten sich nicht nur auf die Party. Rolf aus Berlin etwa fuhr auf seiner 1000er RGA, Baujahr 1984, durch strömenden Regen bis zum Brenner, ehe ihn in Italien endlich der Sommer begrüßte. Ganz ohne Dusche ging’s allerdings auch in Breganze nicht ab: Ein kurzer, aber heftiger Hagelschauer sorgte am Freitag für verbeulte Verkleidungen an mehreren Motorrädern. Daß es sich wirklich nicht um ein Oldtimer-Treffen handelte, zeigte sich dann am Sonntag, als Laverda-Chef Francesco Tognon zur Visite des Werksgeländes in Zanè bat. Nutzte Laverda nach dem Wiederbeginn 1994 nur einen kleinen Teil der langgestreckten Werkshalle, so hat sich der Betrieb inzwischen auf drei Viertel des Geländes ausgedehnt. »In den letzten freien Teil kommt unsere Entwicklungsabteilung«, verriet Tognon. »Letztes Jahr haben wir noch neun Motorräder pro Tag gebaut, 1997 sind es 22 Stück.” In Italien sollen 1998 mindestens 500 Maschinen verkauft werden, der - dann noch immer - übergroße Rest geht in den Export. Mit 50 Leuten startete Tognon 1994, heute sind es immerhin schon 125 Angestellte. Und die Ingenieure arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung des 1000er Dreizylinders, der nächstes Jahr präsentiert werden soll, und an einem komplett neuen Zweizylinder. Die Laverda-Fahrer jedenfalls stimmten diese Aussichten fröhlich: Sah ganz so aus, als ob die Legende lebe.

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